Quotenkiller

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • Innsbruck: Haymon, 2003, Seiten: 320, Originalsprache
  • Zürich: Unionsverlag, 2004, Seiten: 314, Originalsprache

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Wolfgang Reuter
Real und ungeschminkt, ganz im Stile eines Roman Noir

Buch-Rezension von Wolfgang Reuter Aug 2005

Wien, drei Uhr früh. Im Radiosender Hitstation Number One bemerkt der Moderator Tommy König erstaunt, dass sein eigenes Blut über das Mischpult rinnt. Offensichtlich hat ihn jemand von hinten erschlagen. Er findet das nicht fair, denn einem Mann seines Kalibers stünde doch ein ganz anderer Abgang zu, spektakulärer und medienwirksamer inszeniert. Aber es hilft nichts, er stirbt.

Tommys Freundin Lisa wartet zur gleichen Zeit in einem Szenelokal auf ihren Dealer für die notwendige Ration Koks. Sie findet ihn ermordet im Taxi. Dabei wird sie mit der Leiche fotografiert. Tommys Freund Freddie Kruder, ein Starjournalist, rettet inzwischen auf Sizilien die kleine Tochter einer Bordellbesitzerin aus dem Meer. Mittelpunkt der höchst turbulenten Geschichte, die sich daraus entwickelt, ist eine Tonbandkassette, auf der das Mordmotiv an Tommy zu hören ist. Die Ereignisse überschlagen sich.

In Wien geht ein Mafiakiller über Leichen

In Wien wird ein Mafiakiller aktiv und geht über Leichen. Ein Kommissar beginnt zu ermitteln und trifft auf den tödlich ehrgeizigen Radiomoderator Richard Launig. Lisa bittet Freddie telefonisch um Hilfe. Der Ex-Anarchist Dr.John muss erst einen grausamen Mordversuch an sich überstehen, bevor er mit seiner Nahkampftruppe aufräumen kann. Dann sind da noch ein wahnsinniger Frauenmörder, der sein Opfer zerlegt und auch sonst noch sehr gefährlich ist, sizilianische Fischer mit Mafiaehre, ein Totgeglaubter, sehr lebendig und dann wieder tot, auf Piranhas spezialisierte Fischhändler, ein actionreiches Blutbad im Wiener Prater, Lisas Rachefeldzug im Stile von Agatha Christie, und ein sehr turbulenter Showdown in Sizilien, mit entscheidenden Auswirkungen auf Wien ...

Wer ist eigentlich Clemens Stadlbauer? So möchte man sich fragen, wenn man seinen Roman "Quotenkiller" in der metro-Reihe des Unionsverlages verlegt findet. Diese bürgt gewöhnlich für eine besondere Qualität in der Auswahl ihrer Autoren. Und es sei vorweggenommen: Thomas Wörtche hat als Verantwortlicher auch diesmal nicht daneben gegriffen. Ganz im Gegenteil.

Stadlhofers Schreibstil ist sehr unkonventionell, locker schreibt er in einem hohen Tempo. Aber schon der Beginn zeigt eine ungewöhnliche ironische Distanz zum Schrecklichen, man meint, alles nicht weiter ernst nehmen zu müssen.

Blick auf die Oberfläche - aber eher von unten als von oben

Seine Protagonisten bewegen sich in der oberflächlichen Welt der Schickimicki-Szene, und dieser Eindruck färbt zunächst auch auf das Buch ab. Die Sprüche sind locker, die Figuren wie aus einem Kabarett entsprungen. Doch man sollte sich nicht täuschen: Clemens Stadlbauer richtet seinen Blick zwar auf die Oberfläche, aber eher von unten als von oben.

Er besitzt eine erstaunliche Genauigkeit in der psychologischen Charakterisierung einzelner Personen, und in seinem Furor und der Überzeichnung mancher Typen erreicht er gelegentlich Thomas Bernhardsche Intensität.

Auf dramatische Momente folgen humoristische Einlagen, ohne dass das Tempo darunter leidet. Er liebt Übertreibungen, Banalitäten, absurde Situationen, er plaudert und formuliert dahin, oft scheinbar ohne Rücksicht auf Logik oder Wahrscheinlichkeit, manche Formulierung liegt sogar an der Grenze zum schlechten Geschmack. Gerade die Absurdität mancher Passagen, wie den Clou in der Mitte des Buches oder die Schlussszene, machen den lockeren Humor Stadlbauers aus. Wer hier als Moralist mit dem erhobenen Literaturkanonfinger auftritt, hat nichts verstanden und sollte zu einem anderen Buch greifen. Erst gegen Ende der Lektüre habe ich bemerkt, wie sorgfältig und klug der ganze Roman konstruiert ist, es scheint so, als wäre nichts dem Zufall überlassen worden. Unterhaltung ist hier das oberste Prinzip, und Stadlbauers Wortwitz tut dazu ein Übriges. Aber manches geht auch unerwartet plötzlich in die Tiefe, mit wenigen Worten erzeugt er beklemmende Momente, wie etwa das Schicksal der Prostituierten am Babystrich, oder anderes über Mediengeilheit oder Machtmissbrauch.

Als Wiener oder Österreicher tut man sich natürlich leichter, Schauplätze, Zitate, Anspielungen und Personen nachzuvollziehen, auch bezüglich ihrer möglichen realen Vorbilder. Das ist aber absolut keine Voraussetzung für das Verständnis der Geschichte. Stadlhofer kennt aus seiner Tätigkeit als Chefredakteur von Zeitschriften und Rundfunksendern diese Szene quasi von innen, hier schont er nichts und niemanden. Schonung ist auch nicht seine Absicht, wenn es um Mord und Totschlag geht. In diesen Passagen greift einen manches auf die Nieren, real und ungeschminkt, ganz im Stile eines Roman Noir. Thomas Wörtche, Herausgeber der metro-Reihe im Unionsverlag, nennt dieses Buch einen "Slapstick-Noir", und liegt damit völlig richtig.

Das metro-Konzept findet in Stadlbauer eine sehr individuelle Fortsetzung

Es spricht für Clemens Stadlbauer, dass sein Roman in der metro-Reihe erscheint. Aber es spricht gerade auch für metro, dass sie "Quotenkiller" aufnimmt. Es ist schon erstaunlich, wie sich dieses Unternehmen entwickelt: Alte Klassiker wiederentdecken, internationale Autoren hoher Qualität dem deutschsprachigen Raum bekannt machen und junge, unkonventionelle Schriftsteller fördern. Autoren wie Driss Chraibi, Nury Vittachi oder Santiago Gamboa bringen auf unterschiedliche Weise die Elemente Satire, Ironie und Humor in die Kriminalliteratur. Das hat nun mit Clemens Stadlbauer eine weitere, sehr individuelle Fortsetzung gefunden.

Quotenkiller beweist, wie man völlig unverkrampft dem Kriminalroman als Unterhaltungsliteratur gerecht werden kann.

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Letzte Kommentare:
29.10.2008 19:46:29
Natalie Monk

Gegen pure Unterhaltung ohne besonderen literarischen Anspruch ist generell nichts einzuwenden. Dieses Buch jedoch ist schlicht und ergreifend ein Ärgernis, weil Stil und Sprache die Konzentration auf das inhaltliche Geschehen so sehr stören, dass man bisweilen nicht weiterlesen möchte.
Die Sätze in Beschreibungen, Dialogen etc. sind quasi ausnahmslos klischeehaft, überhaupt nicht originell, teilweise albern und kitschig. Eine Distanzierung des Autors von seiner Schreibweise, die auf eine Absicht des Parodierens hinweisen könnte, ist nirgends erkennbar.
Herr Stadlhuber nehme sich ein Beispiel an seinem "Landsmann" Wolf Haas mit dessen Protagonisten Simon Brenner!

04.08.2005 18:07:09
hwg

Habe "Quotenkiller" sofort nach Erscheinen im Haymon-Verlag (2003) geradezu verschlungen. Anfangs ist mir die Story zu unwahrscheinlich vorgekommen (Mafia-Killer, Kleinstadt-Psychopathen), manches Mal habe ich auch die Akteure durcheinander gebracht - aber der Schreibstil des Autors (Jahrgang 1963) hat mich sofort gefesselt. Kann deshalb Dr. Reuters Rezension hier nur unterstreichen.