Die Schule des Schweigens

Erschienen: Januar 1996

Bibliographische Angaben

  • New York: Viking, 1995, Titel: 'A Maiden´s Grave', Seiten: 422, Originalsprache
  • München: Blanvalet, 1996, Seiten: 505, Übersetzt: Wulf Bergner
  • München: Goldmann, 1998, Seiten: 505
  • München: Goldmann, 1999, Seiten: 505

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Horst Ecke
24 Stunden im Schlachthaus

Buch-Rezension von Horst Ecke Mai 2003

von Friedrich-Glauser-Preisträger Horst Eckert
(zuerst in: kaliber38.de, Mai 2001)

Seit seinem Roman Die Assistentin (verfilmt mit Denzel Washington unter dem Titel "Der Knochenjäger") ist der US-amerikanische Autor Jefferey Deaver auch hier zu Lande einem breiteren Publikum bekannt. Noch spannender und ein Muss für Krimifreunde ist allerdings sein zuvor erschienener Roman "Schule des Schweigens" (1998, Goldmann-Taschenbuch).

Drei schwerkriminelle Ausbrecher kidnappen auf eine Gruppe von acht gehörlosen Mädchen samt zweier Lehrerinnen und verschanzen sich mit ihnen in einem stillgelegten Schlachthaus. FBI-Agent Arthur Potter, erfahrener Spezialist für Verhandlungen mit Geiselnehmern wird an den Tatort gerufen und übernimmt das Kommando über eine Armada diverser Polizeikräfte. Potters Maxime: Die Gangster dürfen das Gebäude nur verlassen, um sich zu ergeben. Ein nervenaufreibendes Feilschen um das Leben der Geiseln nimmt seinen Lauf.

Das alte Schlachthaus wird zur Hölle für die Schülerinnen und die beiden Frauen, während draußen Potter an mehreren Fronten kämpfen muss: Gegen die Medien - immerhin verfügen die Geiselnehmer über einen Fernsehapparat und könnten Potters Täuschungsmanöver durchschauen - gegen die örtliche Polizei, die lieber schießen möchte als verhandeln, gegen das Spezialkommando des Bundesstaates Kansas, das angetrieben von einem geltungssüchtigen Gouverneur die Geiseln auf eigene Faust zu befreien plant, gegen einen Staatsanwalt, der den Gangstern nachgeben will, um das Leben der Mädchen zu retten, und sich dabei mit den Medien verbündet.

FBI-Mann Potter wird zunehmend von Selbstzweifeln geplagt. Drinnen findet die taubstumme Melanie, jüngere der beiden Lehrerinnen, zu ungeahntem Mut. Handy, der Anführer der Geiseln bleibt dagegen eiskalt, als hielte er Trümpfe in der Hand, von denen keiner etwas ahnt. Und tatsächlich nimmt die Geschichte kurz vor Schluss eine weitere, atemberaubende Wendung.

Deavers Sprache ist knapp und trocken, seine Figurenzeichnung plausibel und ohne die seitenlange Schilderung von Äußerlichkeiten, wie sie in schwächeren US-Krimis oft üblich ist. Die Vielzahl der Konflikte, die ständig drohende Katastrophe und vor allem die Authentizität der Beschreibung tragen den Plot mühelos über 506 Seiten. Keine Klischees, keine Heldenfiguren, Deaver verzichtet auf jede Schwarzweißmalerei. Nur ein Tag, fast ausschließlich ein Schauplatz - auch dadurch wird das Ganze aufregend dicht. Mit "Schule des Schweigens" hat sich Jefferey Deaver in die Spitzengruppe der zeitgenössischen Kriminalschriftsteller geschrieben. Es ist der spannendste Krimi, den ich in den letzten zwei, drei Jahren gelesen habe.

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