Schneeblind

Erschienen: Januar 1990

Bibliographische Angaben

  • New York: Mysterious Press, 1990, Titel: 'Killed on the Rocks', Seiten: 232
  • Köln: DuMont, 1999, Seiten: 276, Übersetzt: Birgit Lamerz-Beckschäfer

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Michael Drewniok
Eingeschneit mit dem Mörder

Buch-Rezension von Michael Drewniok Jul 2005

Gabriel B. "Gabby" Dost, der ebenso mächtige wie skrupellose Tycoon, plant seinem gewaltigen Wirtschaftsimperium das "Network", einen kleinen aber feinen Fernsehsender in New York, einzuverleiben. Er lädt einige Mitglieder der Führungsetage in seinen Landsitz "Rocky Point" in den Adirondacks ein, um dort in Ruhe die Übernahme zu besprechen. Zu der Gruppe gehört auch Matt Cobb, der für das "Network" die Abteilung für "Sonderprojekte" leitet, in der nach seinen Worten "alles landet, was für die Rechtsabteilung zu unbequem und für Public Relations zu heikel ist" (S. 11). Er reist mit, nachdem alle Vorstandsmitglieder des "Networks" ein anonymes Schreiben erhielten, das Dost diverser Verbrechen anklagt. Vor Ort soll Cobb diskret klären, ob die Beschuldigungen womöglich zutreffen.

"Rocky Point" entpuppt sich als einsam in den Bergen gelegenes, pseudo- viktorianisches Schloss. Die Besucher aus New York können gerade noch ihr Ziel erreichen, bevor dichte Schneefälle es von der Außenwelt abschneiden. Noch in der Nacht beginnen sich die Anwesenden misstrauisch zu umkreisen. Angesichts der bevorstehenden Fusion versucht jeder seine Schäfchen ins Trockene zu bringen. Aber im Morgengrauen platzt das Geschäft: Dost liegt erschlagen im Schnee vor seinem Landsitz.

Weil die Polizei das Haus nicht erreichen kann und der Mörder definitiv eine der anwesenden Personen sein muss, beginnt Cobb mit einer improvisierten Ermittlung. Die Befragung der Gäste und des Personals bleibt ergebnislos. Plötzlich liegt ein weiterer Gast in seinem Blut: War dies der Mörder? Nur Cobb will dem nicht Glauben schenken - Pech für ihn, denn er hat Recht ...

Ganz alter Wein im neuen Schlauch

Wer hätte gedacht, dass es so etwas heutzutage noch gibt: Ein Krimi-Puzzle nach klassischem Vorbild, ein "Locked Room"-Rätsel à la Conan Doyle, Agatha Christie oder John Dickson Carr, doch entstanden im Jahre 1990, als das "Goldene Zeitalter" des gepflegten Landhaus-Krimis schon seit Jahrzehnten vorüber war. Etwa bis zum Zweiten Weltkrieg hatten sie Hochkonjunktur, jene liebevoll und höchst kompliziert gesponnen Geschichten, in denen ein Mord in einem unzugänglichen Raum (oder eben auf einer unberührten Schneefläche ...) geschah, bis ein genialer Detektiv Schritt für Schritt das Geheimnis lüftete, auf den letzten Seiten alle Verdächtigen in einem Raum versammelte und enthüllte, wer mit welcher diabolischen Raffinesse und wider allem Augenschein die Tat begangen hatte.

William L. DeAndrea (1952-1996) hat sich des ehrwürdigen Musters bedient und es auf den neuesten Stand gebracht. In seiner Geschichte treten keine verschrobenen Wissenschaftler, treuherzigen Dienstmädchen, versnobten Adligen, knarzige Colonels im Ruhestand und ähnliche Stereotypen des "klassischen" Kriminalromans auf. Ganz aktuell geht es um die Übernahme eines Fernsehsenders und die damit verbundenen Intrigen und Machtspielchen. Höchstens als ironische Reminiszenz an die verehrten Vorbilder lässt DeAndrea ein weltfremd-beschränktes Dienerpaar auftreten, scheut sich aber nicht, beim Namen zu nennen, was dem Leser diverser Lord Peter Wimsey/Ellery Queen/Hercule Poirot-Romane (die Liste kann beliebig verlängert werden) wahrscheinlich schon zum Zeitpunkt ihres Entstehens unwillkürlich durch den Kopf ging - dass nämlich solche Figuren, sollte man ihnen in der Realität über den Weg laufen, mit Fug' und Recht als hinterwäldlerische Trottel bezeichnet werden dürfen.

Ein Enkel der großen Alten des Detektivromans?

Volker Neuhaus, Herausgeber der vorzüglichen, leider eingestellten "DuMont´s Kriminal-Bibliothek", versorgt den Leser in einem weiteren seiner Nachworte, die er dankenswerterweise jedem der von ihm ausgewählten Romane folgen lässt, mit interessanten Hintergrundinformationen über das vorliegende Buch und seinen Autor; er markiert seinen Standort in der Kriminalliteratur und gibt einen kurzen Abriss über die Vorbilder und Quellen, aus dem es sich speist. William L. DeAndrea nennt Neuhaus den "vielleicht legitimsten Enkel" (S. 271) der weiter oben genannten klassischen Autoren. Der vorliegende Roman kann dies allerdings nicht völlig unter Beweis stellen. Neuhaus erwähnt sehr richtig, dass die Qualität eines "Locked Room Mysterys" nicht an der Originalität des Plots gemessen wird: "Die Tatsache, dass ein Charakteristikum des Kriminalromans in der Variation mehr oder weniger festgelegter Elemente liegt, verleiht dem Genre sogar das ästhetische Niveau." (S. 273) - dies ist ein Zitat von Bertold Brecht.

In dieser Beziehung kann man DeAndrea keinen Vorwurf machen - er schürzt seinen gordischen Knoten und löst ihn am Ende zufrieden stellend wieder auf. Dennoch muss man ihm zum Vorwurf machen, dass "Schneeblind" insgesamt recht spannungsarm daher kommt. Es fehlt ein Element, das die alten Vorbilder, an denen sich der Autor so sorgfältig orientierte, nach Jahrzehnten so frisch und unwiderstehlich bleiben lässt: die Nostalgie; die Freude an einer längst untergegangenen und "unschuldigen" Zeit, die es so nie gegeben hat, die aber gerade wegen ihrer realitätsfernen Künstlichkeit geliebt wird. "Schneeblind" macht sehr deutlich, dass das "Goldene Zeitalter" definitiv vorüber ist.

Letztlich im Tiefschnee stecken geblieben

Echte Schwächen stellen sich gegen Ende des Romans ein. Die Auflösung ist matt; hier hilft nicht einmal der Hinweis auf das Spiel mit dem Klischee, um den Verdruss beim Lesen zu vertreiben. Der eigentliche Schluss ist wenig spektakulär und schleppt sich zudem über zu viele Seiten hin, bis er Held und Heldin endlich in ein goldenes Happy- End entlässt.

Fazit: "Schneeblind" ist ein Roman, mit dem man gut einige Stunden in der Bahn oder am Strand (oder im Skiurlaub) verbringen kann; allerdings ist damit zu rechnen, dass man sich schon wenige Tage nach der Lektüre an kein Detail der Handlung mehr erinnern kann.

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Letzte Kommentare:
23.08.2007 20:30:25
SukRam

In vielen Punkten muss ich Herrn Dr. Drewniok zustimmen: Ein interessanter Versuch, den von vielen geliebten klassischen Kriminalroman in die neue Zeit zu katapultieren und einige neue Erfindungen einzubinden. Leider hat das Ende auch mich ein wenig enttäuscht, meint man doch, dass ein perfekter Autor es schaffen müsste, dass der Leser für einen winzig kleinen Augenblick aufhört zu atmen. Die Figuren sind kein bisschen klischeehaft und der Held sehr sympathisch.
Meine größte Hoffnung: Dass ein Verlag in die Fußstapfen der duMontschen Kriminalbibliothek tritt und durchweg alle Werke von Carr, Queen, van Dine, DeAndrea, etc. in neuer Übersetzung vorlegt.
Meine Bewertung: 87°

19.02.2006 09:20:33
Rolf Wamers

William L. DeAndrea hat mit seinen deutschen Verlagen wirklich Pech. Die ersten Matt Cobb Bücher erschienen in einer längst vergessenen Unterreihe des Bastei-Lübbe Taschenbuchimperiums, und mit der Neuausgabe bei DuMont war nach 4 Bänden auch schon wieder Schluss. Aussichten auf Fortsetzung: praktisch Null. Um so mehr freue ich mich, dass der Autor hier auf der Krimi-Couch Platz genommen hat. Danke, Lars und Co.

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