Der Schatten

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • Reinbek bei Hamburg: Wunderlich, 2005, Seiten: 480, Originalsprache
  • Augsburg: Weltbild, 2006, Seiten: 479, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2007, Seiten: 479, Originalsprache
  • Diana, 2019, Seiten: 640, Erweiterte Neuausgabe, Originalsprache

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Carola Krauße-Reim
Wirre Geschichte mit unsympathischen Charakteren

Buch-Rezension von Carola Krauße-Reim Mär 2019

„Der Schatten“ ist bereits 2015 erschienen, die vorliegende Neuauflage 2019 ist die ursprüngliche Fassung des Manuskriptes der Autorin. Doch leider haben die über hundert Seiten mehr das Ganze nicht verbessert.

Lauter Unsympathen

Eine Geschichte lebt zu einem nicht geringen Teil von ihren Charakteren -  und die kommen auch in der Neufassung ganz schlecht weg. Durchaus gut dargestellt sind sie, aber durch die Bank alle unsympathisch. Es gibt nicht einen Sympathieträger. Die Polizisten beharken sich alle, die Protagonistin mutiert von einer durchsetzungsstarken Businessfrau zu einer alkoholabhängigen Willenlosen, der Ehemann ist mehr Schein als Sein, und alle anderen sind auch auf die eine oder andere Art abstoßend. Da muss man schon ein hartgesottener Leser sein, um sich mit diesen Fieslingen zu befassen.

Zu viele Rückblenden verderben die Spannung

Diese ganzen Unsympathen tummeln sich dann auch noch in einer Geschichte, die verworrener und unglaubwürdiger nicht sein kann. Immer wieder werden Rückblenden eingeflochten, die für den Fortgang der Handlung nicht immer maßgeblich sind und wenn doch, dann nicht in dieser ausufernden Ausführlichkeit. Der Hauptstrang wird immer wieder unterbrochen, kann dadurch schon nur wenig Spannung aufbauen, welche durch die ständigen Einschübe schnell wieder in sich zusammenfällt.

Die Frage nach dem Täter ist durchaus da, aber mit ein wenig Spürsinn auch bald beantwortet, denn, dass es Flüche und Verwünschungen gibt, glaubt ja hoffentlich niemand mehr. Der Weg zum Ziel ist daher lang und langweilig. Wenn der Leser die über 600 Seiten dann doch hinter sich gebracht hat, ist die Erkenntnis oder die Bestätigung, wer wirklich hinter allem Übel steckt, leider nicht wirklich eine Überraschung.

Ein behinderter Säugling ist weg -  und keinen interessiert es

Ich sag ja immer wieder, Thriller sind keine Dokumentationen, dennoch fällt es mir schwer, ein Buch zu Ende zu lesen, das von Ungereimtheiten nur so strotzt, und das vom Leser verlangt,  alles zu fressen, was der Geschichte dient – Logik hin oder her. In „Der Schatten“ verschwindet ein schwerbehinderter Säugling, der natürlich mehr noch als Säuglinge sowieso schon, auf Hilfe angewiesen ist. Doch niemanden interessiert das oder überprüft den angeblichen Aufenthaltsort, weder Eltern, noch Polizei.

Erst nach Tagen kommt mal die Frage auf, ob sich das Kind wirklich bei Leuten befindet, die zwar keiner kennt, die aber mit Sicherheit nur das Beste für den Winzling wollen. Das ist doch eine Zumutung für den Leser, der hier ganz offensichtlich für so einfältig gehalten wird, das ihm diese Geschichte zugemutet wird. Auch in vielen anderen Aspekten segelt Petra Hammesfahr zielsicher an der glaubwürdigkeitsstiftenden Realität vorbei.

Dafür legt sie umso mehr Gewicht auf penible Tatortbeschreibungen, die ständig wiederkehrenden Ermittlungen zum minutiösen Tathergang und nervige Anspielungen, die im Nichts verlaufen. Da nutzt der lesefreundliche, unkomplizierte Schreibstil auch nichts mehr. Glaubwürdigkeit, Spannung und Leselust sind dahin.

Fazit:

Mir fällt kein Personenkreis ein, dem ich dieses Buch ohne schlechtes Gewissen empfehlen könnte. Vielleicht Lesern mit Einschlafproblemen, doch selbst bei ihnen besteht die Gefahr, sich über die Unzulänglichkeiten der Geschichte so aufzuregen, dass erholsamer Nachtschlaf ausbleibt. Also das Geld lieber in ein spannenden Thriller oder in ein Schlafmittel investieren.

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