Mitgegangen

  • KBV
  • Erschienen: Januar 2005
  • Hillesheim: KBV, 2005, Seiten: 360, Originalsprache
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006, Seiten: 9, Übersetzt: Peter Woy
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Thomas Kürten
72°

Krimi-Couch Rezension vonJun 2005

Eine dunkle Zeit in der Geschichte Düsseldorfs

Vorbemerkung: Der Verfasser der nachstehenden Buchbesprechung distanziert sich von allen Vermutungen, er könne aufgrund der auffälligen Namensgleichheit mit dem Vampir von Düsseldorf verwandt oder verschwägert sein. Auch die Tatsache, dass er in Düsseldorf wohnt, dem Tatort der blutigen Ereignisse vor über 75 Jahren, ist Zufall und nichts anderes als purer Zufall. Es gibt viele Kürtens in dieser Stadt, mit denen er nicht verwandt ist und das ist ja schließlich auch nichts ungewöhnliches.

Im späten Winter des Jahres 1929 beginnt in Düsseldorf eine der grausamsten Mordserien der deutschen Kriminalgeschichte. Erstes Opfer ist ein kleines Mädchen, es folgen junge Frauen, Prostituierte, aber auch ein Mann wird angegriffen. Der junge Kommissar Berger, der wegen seiner Liebe zu einer Studentin aus reichem Hause an die Stadt am Rhein gekommen ist, arbeitet mit einem ganzen Team unter Hochdruck an der Aufklärung der Morde, doch der Mörder scheint keine Spuren zu hinterlassen. Auch hinzugerufene Spezialisten aus der Reichshauptstadt Berlin können den Kriminalisten nicht zum erhofften Durchbruch verhelfen.

Irgendwann entdecken die Polizisten in der Nähe eines Tatorts Erbrochenes. Hier erst wird der Grund klar, warum man an den Fundorten der Leichen so wenig Blut gefunden hatte: Der Mörder hatte es getrunken. Das bringt ihm in der Bevölkerung den Namen "Vampir von Düsseldorf" ein.

Auf der Suche nach dem Motiv

Jürgen Ehlers schildert mit einem großen Maß an Ortskenntnis die Geschehnisse von damals, wobei er den meisten in Erscheinung tretenden Personen (außer "Vampir" Peter Kürten) neue Namen gab. Über 80% der Handlung beschreiben die Ermittlungen der Polizei, Schnappschüsse aus Bergers scheiternder Liebe zu der jungen Studentin sind nahezu die einzige Nebenhandlung, die der Autor zulässt. Dennoch versteht er es, den einzelnen Polizisten unverwechselbare Wesenszüge zu verpassen, ohne dabei plumpe Klischees zu bedienen.

Im Nachhinein erschreckt es, wie viele Fahrlässigkeiten der Polizei damals unterliefen und was man alles an potenziellen Spuren und Zusammenhängen nicht erkennen konnte. Ehlers berücksichtigt aber auch die gegebenen Möglichkeiten der damaligen Zeit. Eine Zeit, in der unter den verletzt, aber lebend entkommenen Opfern Kürtens viel Angst und Scham eine zweckdienliche Aussage kaputt machte und die Spuren des Mörders immer wieder verwischten. Eine große Leichtsinnigkeit oder besser Dummheit des Vampirs bringt nach anderthalb Jahren endlich die Polizei auf die richtige Spur.

Durchaus spannend und unterhaltsam ist dieser Roman aufgebaut. An einem mangelt es ihm jedoch am Ende: Warum hat Kürten so grausam gemordet? Der Roman bleibt die Antwort auf die Frage nach einem Motiv schuldig. Man darf den Eindruck gewinnen, Peter Kürten ist der nette, unscheinbare, gebildete und höfliche Mann von nebenan. Aber wieso er diesen unstillbaren Durst nach Gewalt hatte, wird auch nicht im Ansatz erklärt. Zugestanden, es gibt Sekundärliteratur, die sich mit dem Leben und der Psyche Kürtens auseinander gesetzt haben. Hier kann man die Antworten finden. Warum Ehlers diese Antworten unerwähnt lässt, bleibt dem Leser leider ein Rätsel, das nicht ungelöst bleibt.

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