Eden Inc.

Erschienen: Januar 2005

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2005, Seiten: 509, Übersetzt: Ronald M. Hahn
  • New York: Doubleday, 2004, Titel: 'Death match', Seiten: 356, Originalsprache
  • München: Knaur, 2006, Seiten: 509

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Wolfgang Weninger
Harmlose Unterhaltung mit halbherziger Action

Buch-Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2005

Früher war er Profiler beim FBI. Heute arbeitet er Psycholog Dr. Christopher Lash freiberuflich in seiner gutgehenden Praxis, in der in ein Hilferuf der Firma Eden Inc. erreicht.

Eden Inc. ist ein Partnervermittlungsinstitut. Aber nicht irgendeines. Der Informatikspezialist und Gründer Richard Silver hat einen Supercomputer namens LIZA gebaut und ein Programm entwickelt, das nach gründlicher Diagnose der Partnersuchenden in der Lage ist, den optimalen Partner zu ermitteln. Und der Tausenden von glücklich vermittelten Paaren gibt es auch sechs Paare, bei denen LIZA eine hundertprozentige Übereinstimmung errechnet hat. Sechs offensichtlich überglückliche Superpaare sind entstanden. Doch plötzlich begehen zwei dieser Vorzeigepaare Selbstmord.

Dr. Christopher Lash sucht den Auslöser für die Gräueltat, aber beide Paare hatten überhaupt keinen Grund, aus dem Leben zu scheiden. Und deswegen tippt der Psychologe auf die einzig logische Erklärung: es war Mord! Als Spezialist für Serienmörder steht es für Dr. Lash deshalb fest, dass diese unerklärlichen Vorgänge auch vor den anderen Superpaaren nicht Halt machen wird. Doch wer hat Zugang zu den streng geheimen Daten über diese zwölf Menschen und wer will deren Glück auf unbekannte Art und Weise vernichten?

Lincoln Child hat nach "Das Patent" mit "Eden Inc." einen weiteren Thriller im Alleingang ohne seinen kongenialen Partner Douglas Preston, der immerhin ein Kapitel zu diesem Buch spendiert hat, auf den Markt geworfen. Dabei hat er sich des bewährten Rezeptes bedient, in dem er ein aktuelles populärwissenschaftliches Thema weitgehend wertneutral aufbereitet und die handelnden Personen in Pro und Contra verstrickt.

Bei "Eden Inc." hat man jedoch das Lesegefühl, einen marktbedingten Schnellschuss vor der Brille zu haben, der zwar handwerklich korrekte Fließbandarbeit ist, aber längst nicht in gewohnter Manier mit Personen und Handlung abläuft.

Einerseits sind die Personen sehr flach skizziert. Bei Dr. Lash versuchen zwar einige Rückblenden seine gegenwärtige Sichtweise aus der Vergangenheit abzuleiten. Doch wird Dr. Lash nie zu einer Figur, mit der man sich beim Lesen identifizieren kann und mit dessen Aktivitäten der Leser mitfiebern will. Die ihm zur Seite stehende weibliche Hauptrolle Tara, Sicherheitsspezialisten bei Eden Inc., bekommt über die vollen 509 Seiten nie die Chance Profil zu entwickeln und selbst der schrullige, aber geniale Informatiker und Erfinder Richard Silver wird in seiner zwielichtigen Rolle eher stiefmütterlich behandelt.

Bleibt LIZA, der Supercomputer, mit dem sich der Leser eventuell anfreunden kann? Mitnichten! Lincoln Child sorgt dafür, dass sich auch halbwegs versierte Computeruser mit den technischen Möglichkeiten überfordert fühlen. Woraus der Input für LIZA besteht, um die Kandidaten bei der Partnerwahl zu sieben, wird lang und breit populärpsychologisch aufbereitet, ausgehend von neu entwickelten Rorschachtest bis hin zur ärztlichen Einführen des Fingers in den After. Sorry, aber zweiundfünzig Seiten Untersuchungsmethoden (Seite 69-121) mögen für den kupplerisch veranlagten Fachmann vielleicht von gesteigertem Interesse sein, für den Leser sind L-Differenziale und Ähnliches schlichtweg langweilig und nur als Füllmaterial zu sehen, auch wenn Mr. Child sich dafür umfangreicher Recherchen bedienen musste.

Wenn Dan Brown für den Umschlagtext die Aussage macht: "Perfekte Unterhaltung! L. C. verbindet faszinierende technische Entwicklungen mit einer Geschichte, die genauso glaubwürdig wie furchteinflößend ist!", dann vermute ich, dass er hier lediglich seinem Kollegen von der American-Way-Of-Life-Thriller-Front publikumswirksame Starthilfe gibt, denn mit Ausnahme der letzten hundertfünfzig Seiten, bei denen die Spannung halbwegs auf den Höhepunkt kommt, fasziniert und schreckt höchstens die Grundidee einer Überwachungsstruktur á la Big Brother, die George Orwell in "1964" spannender umzusetzen wusste.

"Eden Inc." ist harmlose Unterhaltung mit technischem und psychologischem Touch. Der Stoff geht nie unter die Haut und das Rätsel, ob Mord oder Selbstmord wird relativ lapidar abgehandelt. Übrig bleibt leichte Feierabendkost in Durchschnittsqualität für Genre-Fans mit wenig Anspruch und halbherziger Action. Dieses Buch muss man nicht gelesen haben, denn hier hat sich Lincoln Child wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert.

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