Potsdamer Ableben

Erschienen: Januar 1987

Bibliographische Angaben

  • Berlin: Rotbuch, 1987, Seiten: 164, Originalsprache
  • Berlin: Rotbuch, 1990, Seiten: 164, Originalsprache
  • München: Goldmann, 1998, Seiten: 190, Originalsprache

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Peter Kümmel
Eigenwilliger Schreibstil mit Dialekten und Szene-Jargon

Buch-Rezension von Peter Kümmel Feb 2005

Die ersten 25 Seiten sind grauenhaft. Eine schnelle Abfolge von unzusammenhängenden Szenen mit vielen nicht näher beschriebenen Personen und merkwürdigen Dialogen. Danach lassen sich so langsam die einzelnen Charaktere sortieren und zuordnen.

Wir befinden uns im geteilten Berlin der späten 80er Jahre. Szene-Lokale sind in, Homosexuelle in diesem Buch in der Mehrheit und im Musik-Business lässt sich die ein oder andere Mark machen, wenn man bei den schnell wechselnden Trends auf den richtigen Zug aufspringt.

Das Team um Kriminalhauptkommissarin Karin Lietze bekommt Arbeit, nachdem die Szene-Journalistin Beatrice Bitterlich, genannt "Titty", am Buffet einer Promi-Party im "Potsdamer Abkommen" stirbt. Man tippt auf eine Vergiftung, doch bis der Leser die Todesursache erfährt, ist das Buch schon fast zu Ende.

Verdächtige gibt es eine ganze Menge. Zum Beispiel HaJott Wielack, der Musik-Manager, der sicherheitshalber erst mal untergetaucht ist. Oder sein neuester Schützling und große Hoffnung Richard Röhm, der Angst hat, dass der Anschlag ihm selber galt.

Aufgrund der Tatsache, dass die Mehrzahl der Dialoge in Dialekten - meist Berliner, aber auch westfälisch oder italienischem Akzent - geschrieben wurden, wird der Text oftmals fast unlesbar.

Bei Sätzen wie "Na, die ganze Brangsche is woll auf iernkwat drauf, nä?" oder "Ick jeh ooch jern noch eene besorgen", wo gelegentlich schon mal das Rätselraten anfängt, hört der Spaß beim Lesen auf.

Überhaupt ist der Schreibstil von Frau Biermann recht eigenwillig und einzigartig. Zwischen Dialektfetzen und Szene-Jargon experimentiert sie mit Adjektiven und Verben, vorwiegend um auszudrücken, wie die Stimmen ihrer Personen klingen. Da wird selten einfach etwas gesagt, sondern es "schnarrt" oder "sirrt", manche "krähen" und bei Regine Trübner-Zaecke "rieselt" es regelmäßig. Manche Stimme wird gelegentlich "noch cremiger".

Der Plot an sich ist recht einfach gestrickt, doch eine flüssige und zusammenhängende Story entwickelt sich zu keiner Zeit. Es wird nicht wirklich ermittelt und schon gar nicht kombinert. Mit der Auflösung kann man sich anfreunden, doch bietet sie auch keine Überraschung, die einen wirklich vom Hocker reißt.

Das Team um Karin Lietzte wirkt recht farblos, die übrigen Charaktere sind zwar teilweise ziemlich exotisch, bieten aber auch keinen Tiefgang.

Alles in allem ist "Potsdamer Ableben" eine große Enttäuschung. Vielleicht mag das Interesse von Sprachforschern geweckt werden, doch krimimäßig bleibt unterm Strich eine relativ unspannende und dünne Geschichte.

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