Schnitzeljagd in Monastero

  • Orte
  • Erschienen: Januar 2003
  • Zürich: Orte, 2003, Seiten: 219, Originalsprache
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Sabine Reiß
52°

Krimi-Couch Rezension von Sabine Reiß Feb 2005

Nicht immer ist drin, was außen drauf steht

Don Ruggiero, seines Zeichens Bischof mit Sitz in Como, hat ein kleines Problem: ein Pfarrer aus seinem Bistum teilt ihm in einem Brief mit, dass in der kleinen Gemeinde Monastero seltsame und auch beunruhigende Dinge geschehen. Zunächst hat ein Mann im Wasser eine Frauenleiche bemerkt, die aufgrund der Beschreibung als Heike Bonomi identifiziert werden kann. Als jedoch die Polizei zum Fundort kommt, ist die Leiche - wahrscheinlich durch die Strömung des Wassers - wieder weggeschwemmt worden. Einige Tage später entdecken zwei Bauarbeiter einen weiteren toten Körper, der halb in die Erde eingegraben wurde. Dabei handelte es sich um eben jenen Mann, der auf die Leiche der Frau gestoßen war, aber auch er ist nicht mehr auffindbar, als die Carabinieri an Ort und Stelle eintreffen.

Diese Vorfälle müssen bis zum Besuch des Kardinals aufgeklärt sein und so schickt Don Ruggiero seinen ehemaligen Schüler Massimo nebst Haushälterin Lucia nach Monastero. Massimo war ihm schon in früheren Fällen behilflich, zum Beispiel um ein aus einer Kirche gestohlenes Rokoko-Baldachin aufzuspüren. Vorort stehen die beiden vor einem weiteren Rätsel: Von wem stammen die Haikus (dreizeilige Gedichte, deren Ursprung in Japan liegt), die überall in der kleinen Gemeinde auftauchen? Geht von Ihnen eine Bedrohung aus?

Verlorene Bodenhaftung

Die Geschichte begann recht vielversprechend und entwickelte sich auch gut weiter, so dass ich bis zur Hälfte der Lektüre davon überzeugt war, ein kleines Krimi-Juwel in den Händen zu halten, doch dann driftet sie leider ins Metaphysische, Phantastische ab. Zitat des Klappentextes:

"Der poetische, süffig geschriebene Roman, der Krimispannung mit originellen Ausflügen in die Geschichte verbindet, verliert trotz Elementen des Fantastischen nie seine Bodenhaftung und gibt überdies einen Wegweiser in einer der reizvollsten Landschaften Italiens."

Auch wenn man dieser Aussage in fast allen Details zustimmen kann, ein wesentlicher Teil trifft leider absolut nicht zu: der mit der Bodenhaftung. Man kann kleine Ausflüge in die sphärische Welt tolerieren oder sogar gutheißen, aber mir persönlich wird es am Ende leider doch zu abstrus. Nicht alle Bücher, in denen eine Leiche entdeckt wird, sind automatisch der Kategorie Krimi zuzuordnen. Die erhoffte Auflösung bleibt aus und so bin ich nach anfänglicher Euphorie am Ende enttäuscht.

Über diese Tatsache kann mich auch nicht hinwegtrösten, dass der Roman tatsächlich sprachlich sehr ansprechend ist, auch wenn es sehr gewöhnungsbedürftig ist, dass die vorherrschende direkte Rede ohne Anführungszeichen auskommen muss. Der Autor verleiht seinem Ich-Erzähler Massimo einen hervorragenden Blick für die Landschaft und die kleinen Eigenheiten der Leute.

"Schnitzeljagd in Monastero" ist ein gut lesbarer, aber irgendwie fast esoterischer Roman mit einigen zeitkritischen Anspielungen, der jedoch meines Erachtens nicht als Krimi tituliert werden sollte. Bitte nicht irreführen lassen!

Schnitzeljagd in Monastero

Virgilio Masciadri, Orte

Schnitzeljagd in Monastero

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