Refugium

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • London: Bantam, 2002, Titel: 'Sanctum', Seiten: 300, Originalsprache
  • München: Droemer Knaur, 2004, Seiten: 411, Übersetzt: Doris Styron

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Peter Kümmel
Kein Thriller, eher ein subtiles Psychodrama

Buch-Rezension von Peter Kümmel Dez 2004

"Psychothriller" ist der Roman untertitelt, sogar ein Aufkleber "Thriller des Monats" prangt auf dem Titelbild, auf dem sich unter tiefblauem Nachthimmel unheimlich die Schatten von Türmen und die Äste eines Baumes abzeichnen. All dies suggeriert jedoch ein völlig falsches Bild. "Refugium" ist keinesfalls unter der Sparte "Thriller" einzuordnen. Das Buch ist gut, keine Frage, doch wird mit solcher Kategorisierung die falsche Käuferschicht angesprochen. Wer Hochspannung und Action erwartet, der wird mit Sicherheit enttäuscht sein. "Refugium" ist ein subtiles Psychodrama, aber beileibe kein Thriller.

Ungewöhnlich ist schon die Form des Romans: "Refugium" ist laut Vorwort die Abschrift der Tagebuchaufzeichnungen von Lachlan Harriot, eines arbeitslosen Mediziners und verhinderten Schriftstellers. Dessen Frau Susie ist Psychiaterin und beschäftigt sich wie auch die Autorin mit psychisch gestörten Straftätern. Doch nun ist sie selber des Mordes angeklagt worden.

Die Leiden des arbeitslosen Mediziners

Lachlan kann nicht begreifen, dass seine Frau, die er innig liebt, mit der eine gute Ehe führte, mit der zusammen er eine kleine Tochter hat, sich seit Monaten zu einem vielfachen Mörder hingezogen gefühlt haben soll. Tatsache ist, dass Susie entlassen wurde, weil sie die Unterlagen eben dieses Frauenmörders, Andrew Gow, entwendet haben soll. Tatsache ist auch, dass Lachlan diese Unterlagen mittlerweile in Susies Arbeitszimmer wiedergefunden hat. Und diesen Andrew Gow soll seine Frau brutal ermordet haben, indem sie ihm die Zunge herausschnitt und ihn verbluten ließ. Dies alles ist zu viel für Lachlan. Er versucht sich zwar bewusst zu machen, dass seine Frau mindestens für die nächsten zehn Jahre nicht bei ihm zu Hause sein wird, doch ihre Schuld kann er noch immer nicht akzeptieren.

Stück für Stück werden dem Leser nun weitere Häppchen vorgeworfen, so daß dieser sich nur ganz langsam überhaupt ein Bild von der Gesamtsituation machen kann. Anhand von Zeitungsberichten, Notizen oder Gutachten, die Lachlan in Susies Unterlagen findet und aus denen er versucht, Material für eine Berufungsverhandlung zusammenzustellen, werden dem Leser einzelne Informationen vermittelt.

Auf 400 Seiten klärt sich auf, wer der vermeintliche Frauenmörder ist

Erst nach und nach erfährt man, was dieser Andrew Gow überhaupt getan hat, warum er trotz seiner Verurteilung und mehrfach lebenslänglichen Strafe wieder aus dem Gefängnis freigekommen ist und eine Frau geheiratet hat, die ihn auf einem Zeitungsfoto gesehen und sich in ihn verliebt hat. Erfährt, warum Susie des Mordes angeklagt wurde und was für ihre Schuld und was für ihre Unschuld spricht. Dies alles jedoch zieht sich über die gesamten 400 Seiten hinweg.

Viel zu lange und viel zu ausführlich arbeitet die Autorin auf den überraschenden Schluss hin. Eine Straffung um 100 Seiten hätte dem Buch gut getan, so aber geht viel von der mühsam aufgebauten Spannung verloren.

Im Mittelpunkt stehen in diesem Roman die Gefühle von Lachlan, des Erzählers dieser Begebenheiten. Das Buch lebt davon, wie Lachlan hin und her gerissen wird von dem, was er glauben soll und dessen Beziehung zu seiner Frau ein auf und ab bildet. Wird dem Leser zunächst suggeriert, dass Susie schuldig ist und ihr Mann dies nicht akzeptieren kann, so verkehrt sich dieses Gefühl um so mehr ins Gegenteil, je mehr Lachlan in seiner Meinung umschwenkt.

Refugium

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Letzte Kommentare:
15.11.2012 11:08:18
Dickie_Greenleaf

Kann mich der Rezension nicht anschließen, denn ich finde den Erzählstil von Mina sehr gelungen. Sie hätte es auf keinen Fall um 100 Seiten kürzen dürfen. Hat sie zum Glück auch nicht. So kann ich dem Rezensenten nur raten das nächste Mal die enttäuschten Erwartungen nicht in einer Rezension zu verarbeiten sondern der Person zu mailen, die den Aufkleber "Thriller des Monats" auf das Buch geklebt hat. Ein klassischer Thriller ist das Buch tatsächlich nicht, aber dafür ein sehr raffiniert aufgebauter Krimi aus der Ich-Perspektive. Psychologisch ausgefeilt und sehr sorgfältig ausgearbeitet. Hier ist kein Wort zuviel oder zuwenig. Klare Leseempfehlung für jeden, der nach Lesestoff abseits des Mainstreams sucht.

21.06.2008 15:26:56
Ana

Ich liebe dieses Buch einfach nur!! :) Es ist das beste Buch, das ich je gelesen habe und für mich einfach nur genial. Es ist vielleicht kein actionreicher Thriller, aber genau das gefällt mir. Während ich genau dieses Fehlen von Psychologischem bei anderen Romanen vermisse und kritisiere, ist dies hier alles dabei. Besonders kommt die Schilderung der Gedanken und Gefühle rüber, da es in der Ich-Form erzählt wird und es zusätzlich Tagebuchaufzeichnungen sind (wobei ich aber ewig gerätselt habe, ob das nun alles ein Roman ist oder tatsächlich einfach abgeschriebene Tagebuchaufzeichnungen, wie ja im Vorwort beteuert. Hab immer gedacht, was im Vorwort steht, gehört auch nicht zur Geschichte und müsste dementsprechend auch wahr sein, aber ist wohl doch eher ein Trick der Schriftstellerin ;)).

Es ist schon länger her, dass ich es gelesen habe, aber ich hab es schon 2 mal gelesen und das wird auch nicht das letzte Mal sein! :)

21.06.2008 15:26:27
Ana

Ich liebe dieses Buch einfach nur!! :) Es ist das beste Buch, das ich je gelesen habe und für mich einfach nur genial. Es ist vielleicht kein actionreicher Thriller, aber genau das gefällt mir. Während ich genau dieses Fehlen von Psychologischem bei anderen Romanen vermisse und kritisiere, ist dies hier alles dabei. Besonders kommt die Schilderung der Gedanken und Gefühle rüber, da es in der Ich-Form erzählt wird und es zusätzlich Tagebuchaufzeichnungen sind (wobei ich aber ewig gerätselt habe, ob das nun alles ein Roman ist oder tatsächlich einfach abgeschriebene Tagebuchaufzeichnungen, wie ja im Vorwort beteuert. Hab immer gedacht, was im Vorwort steht, gehört auch nicht zur Geschichte und müsste dementsprechend auch wahr sein, aber ist wohl doch eher ein Trick der Schriftstellerin ;)).

Es ist schon länger her, dass ich es gelesen habe, aber ich hab es schon 2 mal gelesen und das wird auch nicht das letzte Mal sein! :)

28.09.2005 12:24:53
Minerva

Hallo,
Ich habe mir vor ein par Tagen diese Buch gekauft, bzw. schenken lassen. Ich finde es sehr gut, das die Autorin dieSache langsam angehen lässt, weil ich mich dadurch nicht mehr von diesem Buch losreißen kann. Und ich finde das dieses Buch sehr einfach geschrieben ist, so das man es gut verstehn kann.

14.07.2005 00:33:20
Anja S.

Ich kann mich dem Rezensenten der Krimi-Couch vollends anschliessen: Das ist hier ein recht gut gemachtes Psychogramm, aber leider nicht besonders spannend und etwas zu langgezogen.
Muss man nicht unbedingt lesen.

04.01.2005 10:47:53
phi99auc

Wer bei "Refugium" das gleiche wunderbar unbehagliche Gänsehaut-Lesegfühl wie bei "Schrei lauter Maureen" und "Die zweite Tote" erwartet (wie ich), wird sicher ein bisschen enttäuscht werden (wie ich). Habe ein bisschen gebraucht, um überhaupt in die Geschichte einzusteigen, die tatsächlich ein bisschen sehr in die Länge gezogen scheint. Lachlan, der Erzähler kommt nicht ausschließlich als der arme, mit dem Kind zurückgelassene Ehemann und Symphatieträger rüber, und so wird man beim Lesen immer wieder neu verunsichert - ein guter Zug. Die Twists am Ende sind durchaus spannend, obwohl dem geübten Krimileser durchaus bereits etwas geschwant hat. Ich denke, Mina hat mit der ungewöhnlichen Romanform experimentiert - ich selbst würde mich allerdings riesig freuen, in einem neuen Buch von Denise Mina, "the Glasgwegian lassie Marureen" hoffentlich recht bald wieder zu begegnen.