Das schlafende Grab

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • München: btb, 2004, Seiten: 288, Originalsprache

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Jörg Kijanski
Mit Joseph Türk betritt erneut ein eigensinniger Ermittler die Bühne.

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Okt 2004

Kripohauptmeister Joseph Türk darf - nach einer Strafversetzung - nun im kleinen 29er-Revier im Osten Münchens als Polizeiobermeister wieder Streife fahren. So führt ihn ein Einsatz zum gastierenden Zirkus "Caloni", wo angeblich der Esel misshandelt wurde. Schnell stellt sich heraus, dass es sich um einen Fehlalarm handelt, doch nur wenig später wird er mit seinem Partner Baier erneut zum Zirkus gerufen. Der Clown Jascha Rosenberg ist in seinem Wohnwagen aus nächster Nähe erschossen aufgefunden worden und von seinem Partner Carl Rosenberg fehlt jede Spur. Für die Kripo übernimmt Horst Schranz die Ermittlungen. Ein ebenso übereifriger wie unfähiger Beamter, dem die erste Lösung zumeist gleich die beste ist und der maßgeblich an der Degradierung seines Kollegen Türk beteiligt war. Folglich herrscht eine gereizte Stimmung zwischen den Beiden. Während Schranz in dem flüchtigen Carl den Täter sieht, glaubt Türk nicht, dass es so einfach ist.

 

"Was sagt unser Doktor?"
"Immer langsam, sagt der. Dass das da an der Schläfe kein aufgekratzter Pickel ist, sehens auch ohne mich. Und dass ein Einschuss an dieser Stelle nicht zu überleben ist, ebenfalls. Für alles andere ist es noch zu früh."
"Aber wann er ungefähr gestorben ist, werden Sie doch schon abschätzen können."
"Könnt ich, tu ich aber nicht. Ein bissl Wissenschaft möchte schon noch sein, sonst holt euch das nächste Mal besser gleich eine Wahrsagerin."

 

Obwohl er sich unbedingt aus den Ermittlungen herauszuhalten hat, ist sein alter Spürsinn geweckt und so geht er auf eigene Faust dem Sachverhalt nach, wobei er es sich zeitweise mit nahezu allen seiner neuen Kollegen verscherzt, da diese auf Alleingänge jeglicher Art bestens verzichten können.

 

"Und schließlich hatte ihn auch der Schwab angewiesen, seine Kompetenzen bloß nicht zu überschreiten. Bedeutete nicht bereits zu intensives Mitdenken, dass man Aufgaben erledigte, die eigentlich der Kripo zufielen?"

 

Als der Filmsammler Ulmer in seinem hauseigenen Privatkino erschossen aufgefunden wird, ist auch hier für Schranz der Fall schnell geklärt. Ein Einbrecher war am Werk. Da Türk zufällig als Erster am Tatort war und sich diesen näher ansehen konnte, stößt er auf eine verschwundene Filmrolle. Ein Film, der Anfang der 1940er Jahre gedreht, aber nie abgeschlossen wurde und in dem es offenbar um Sinti ging. Jascha und Carl Rosenberg sind Sinti und so vermutet Türk einen Zusammenhang zwischen den beiden Morden und macht sich auf die Suche nach dem Geheimnis eines Films, der offenbar nicht mehr existiert…

Das schlafende Grab ist der erste Fall aus der Joseph-Türk-Reihe und wie schon bei der mehrfach preisgekrönten Inspektor-Kajetan-Serie steht auch hier ein dickköpfiger Ermittler, ein unerschrockener Einzelgänger mit diversen Ecken und Kanten im Vordergrund. Wie gewohnt versieht der Autor seine Arbeit mit viel Sprachwitz und, wie die Themen Sinti und 1940er Jahre schon andeuten, mit einer politischen Note. Wie sollte es bei Robert Hültner auch anders sein?

 

"Wir sind bei der Polizei. Ihr zieht schon wieder über die Kripo her, stimmt´s?"
"Nie! Über was sollten wir denn da herziehen?"
"Genau", warf Türk ein. "Hypothesen ohne Hand und Fuß aufzustellen, bloß weil’s so schön ins Klischee passt, das ist doch heute quasi Standard."

 

Joseph Türk ist ein ehrgeiziger, nörglerischer Ermittler mit ausgeprägtem Bauchgefühl und dem Bedürfnis, gerne mal mit dem Kopf durch die Wand zu rennen. Teamarbeit ist da eher ein Fremdwort. Von dem Privatleben des Ermittlers erfährt man bisweilen wenig, außer dass sein Bruder mal wieder im Gefängnis sitzt, seine Schwägerin "in Urlaub" fahren möchte und daher den sechszehnjährigen Neffen kurzerhand zu ihm geschickt hat. Weitere Probleme scheinen vorprogrammiert.

Der Plot ist durchgehend spannend, wenngleich man angesichts der starken Fokussierung auf das alte Filmmaterial aus der Nazizeit eine gewisse Vorahnung bekommt, wohin es in etwa gehen wird. Der klassisch aufgebaute Plot wird "ruhig" erzählt, Action jedweder Art ist bei Hültner ohnehin kaum zu erwarten. Dafür eine ausgefeilte Story mit ordentlicher Auflösung und überraschend wenig bayerischem Dialekt, was bei den Kajetan-Romanen ja noch ganz anders war. Fazit: Ein mehr als gelungener Start, der auf eine längere Serie hoffen lässt.

Das schlafende Grab

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Letzte Kommentare:
20.03.2009 09:21:56
koepper

Hültners "Schlafendes Grab" ist mein erstes Buch des Autors. Ein durchschnittlicher Krimi. Die Geschichte zieht sich hin, so recht viel Spannug wollte bei mir nicht aufkommen. Der Autor läßt sich viel Zeit die verschiedenen Protagonisten einzuführen. Der Held, Türk, ein störrischer, wortkarger Mensch. Schein Chef, ein unfähiger, mieser Charakter. Mir ist das etwas zu viel schwarz/weiß. Und da die Geschichte auch nicht gerade ein Knaller ist, hab ich das schnell weggelesen, ohne das viel Beeindruckendes haften geblieben ist.

01.11.2004 17:14:36
Andrea

Im Gegensatz zu den anderen Romanen Hültners spielt dieser in der heutigen Zeit. Josph Türk, Kripobeamter in München, fährt aufgrund eines Disziplinarverfahrens wieder Streife, kann es aber nicht lassen, auf eigene Faust zu ermittlen. Wie sein "Kollege" Kajetan aus den anderen Hültner-Büchern ist er Aufrechter, der sich mit Mißgunst und Unfähigkeit der Kollegen und Vorgesetzten herumschlagen muss. Ich fand dieses Buch sehr spannend, es gibt viele verschiedene Ansätze und läßt Platz für allerlei Spekulationen, bevor sich die Sache schließlich klärt. Abgesehen davon macht es Spaß, Bücher zu lesen, die in der Heimat spielen... Gibt es bald mal einen zweiten "Türk"-Fall???