Aus Liebe zur Kunst

Erschienen: Januar 1990

Bibliographische Angaben

Vierzig Jahre seines Lebens hat der beliebte Kommunalpolitiker Wiljam Akesson für seine schwedische Heimatstadt Västeras gearbeitet. Doch von seinem Ruhestand hat er nichts, denn als er sich aus der aktiven Politik zurückzieht wird er noch am gleichen Abend in seinem Haus erschossen. So hatte sich Elina Wiik ihren Einstand als frisch gebackene Inspektorin der Kriminalabteilung sicher nicht vorgestellt. Doch nachdem sie bereits ein Jahr zuvor auf spektakuläre Weise einen Mordfall aufgeklärt hat, soll sie gemeinsam mit ihrem Chef John Rosén nun den Mord an Akesson untersuchen.

Leider gibt es jedoch keinerlei brauchbare Spuren oder Zeugen. Akesson lebte nach seiner Scheidung vor vielen Jahren allein und zurückgezogen. Offenbar galt sein ganzes Streben nur der Politik. Auch sein privates Foto- und Zeitungsarchiv gibt keine nennenswerten Auskünfte über die Person Akesson. Lediglich ein altes Foto aus den 1960er Jahren, dass Akesson mit einem anderen Man zeigt, fällt aus der Reihe. Doch selbst dem Politiker nahe stehende Menschen wissen nicht, wer der Fremde ist.

Während die Ermittlungen auf der Stelle treten, wird wenige Tage später in Göteborg der Industrieboss Erland Bergenstrand in seinem Haus ermordet. Wie sich herausstellt ist er der unbekannte Mann auf dem Foto und zudem wurde Bergenstrand mit der gleichen Waffe wie Akesson erschossen. Doch was haben ein sozialdemokratischer Lokalpolitiker und ein Industrieboss, die nie zusammen gesehen wurden, gemeinsam? Die Spur führt einige Jahrzehnte zurück und auch in ein fernes Land...

Interessante Einblicke in Politik und Machtbestrebungen.

Sing wie ein Vogel des schwedischen Autors Thomas Kanger ist ein klassisch angelegter Kriminalroman. Recht schnell gibt es den ersten Toten und danach widmet sich die Handlung der sehr detailliert geschilderten Ermittlungsarbeit. Diese ist zweifellos die Stärke des Plots, denn der Mörder selbst ist schnell enttarnt, zumindest aus der Sicht des Lesers. Die haarkleine Routinearbeit der Polizei, das mühsame Suchen nach Spuren, zieht einen dennoch durchaus in seinen Bann. Allerdings sollte man sich ein klein wenig für Politik im Allgemeinen und Kommunalpolitik im Besonderen interessieren, denn dann wird der Roman erst richtig gut.

Eine Abrechnung mit der schwedischen Sozialdemokratie und deren Machtbestrebungen in den 60er und 70er Jahren.

Wiljam Akesson war Politiker durch und durch. Ein Privatleben gab es so gut wie nicht und so finden die Polizisten auch keinen richtigen Einstieg in die Ermittlungen. Immer tiefer graben sie in Akessons Vergangenheit, finden heraus, dass er in den 60er Jahren mal kurzfristig in der Stadt Lulea an einer Versammlung von Sozialdemokraten und Wirtschaftsvertretern teilnahm und sich außerdem während des Vietnamkrieges mehrmals dort aufhielt. Langsam, ganz langsam setzt sich das Puzzle zusammen und gibt einen schockierenden Einblick in die Vergangenheit der sozialdemokratischen Bewegung Schwedens, die unter dem Deckmantel der sozialen Gerechtigkeit zahlreiche Karrieren zerstörte. Auch das ist Politik möchte man meinen und dennoch überrascht die Offenheit, mit der der schwedische Autor diese Thematik angeht.

Skandinavische Ermittler ohne private Probleme. Ja, es gibt sie!

Angenehm sind die Charaktere der beiden Protagonisten Elina Wiik und John Rosén. Während zahlreiche skandinavische Autoren Figuren erschaffen, die sämtliche Probleme der Welt zu schultern haben, einschließlich zumeist völlig verkorkster Familienverhältnisse, erfrischen Wiik und Rosén mit ihrem Privatleben. Sie haben nämlich nahezu gar keines. Rosén konzentriert sich nach einer Scheidung voll auf seinen Beruf und hält sich gegenüber den Kollegen merklich zurück, gilt als unnahbar. Wiik hat mit ihrem letzten Freund Schluss gemacht nachdem klar wurde, dass dieser sich nicht von seiner Frau trennen würde. Seitdem herrscht in Wiiks Privatleben ebenfalls Stillstand. Wunderbar, endlich mal keine total depressiven Ermittler mit drogenabhängigen Kindern, so dass man sich ganz auf die Frage konzentrieren kann, wie denn wohl die beiden Morde zusammen hängen. Schade nur, dass man so frühzeitig den Mörder kennen lernt.

Sing wie ein Vogel ist ein ruhig gehaltenes Werk, das mehr auf Tiefgang setzt. Hier bei der Beleuchtung des politischen Backgrounds, den ich aber aus sicher verständlichen Gründen hier nicht weiter darstellen möchte. Wer sich für die (politische) Geschichte Schwedens interessiert muss zugreifen, alle anderen Krimifans sollten dem Autor eine Chance geben.

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"Aus Liebe zur Kunst" des Katalanen Andreu Martín ist der einamlige Glücksfall eines Kriminalromans, der den Leser als Zeitgenossen Ernst nimmt (die Realität ist tatsächlich so böse) und der als Roman dennoch so subtil und spannend erzählt ist, dass auch die Schachspieler auf ihre Kosten kommen.

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