Mein ist die Stunde der Nacht

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • Köln: Random House Audio, 2004, Seiten: 6, Übersetzt: Franziska Pigulla, Bemerkung: gekürzt
  • Augsburg: Weltbild, 2005, Seiten: 431

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Peter Kümmel
Zum Eintauchen und sich fesseln lassen

Buch-Rezension von Peter Kümmel Jul 2004

Mit einem Klassentreffen beginnt Mary Higgins Clark ihren Roman "Mein ist die Stunde der Nacht". Nach 20 Jahren reist die berühmte Historikerin und Bestsellerautorin Jean Sheridan wieder in ihre Heimatstadt. Nicht nur, um ihre ehemaligen Klassenkameraden wieder zu treffen, sondern auch, um eine Ehrung in Empfang zu nehmen. Doch sie ist nicht die einzige ihres Jahrganges, die es mittlerweile zu großen Erfolgen gebracht hat. Mit ihr zusammen werden weitere Mitschüler hervorgehoben: ein Fernsehproduzent, ein Psychotherapeut für Jugendliche, ein bekannter Kabarettist und Imitator, ein Theaterautor, eine Schauspielerin sowie die Chefin einer Schauspielagentur.

Letztere jedoch kann ihren Preis nicht mehr persönlich in Empfang nehmen, denn sie ertrank wenige Tage vorher in ihrem Swimmingpool. Daß sie jedoch umgebracht wurde, das weiß aus dem Eingangskapitel nur der Leser. Und daß sie bereits das fünfte Opfer ihrer Klasse wurde, das erfahren die ehemaligen Schüler auch erst auf dem Treffen. Zu siebt haben die Mädchen in der Schule immer an einem Tisch gesessen und sich über ihre Klassenkameraden lustig gemacht. Jean, Laura und fünf Mädchen, die mittlerweile tot oder verschwunden sind.

Der Leser weiß mehr, aber nicht alles

Der Leser weiß, was passiert, denn der Mörder offenbart sich in kurzen Kapiteln und teilt seine Motive mit. Er ist die "Eule". Bei der Schulaufführung konnte er sich seinen Text nicht merken und machte sich in die Hose. Nur Hohn und Spott haben sie während der Schulzeit für ihn übrig gehabt, doch jetzt schlägt er zurück und rächt sich an jeder einzelnen von ihnen. Auch Laura hat er nun in seiner Gewalt. Doch der Name des Täters, der wird nicht verraten. Es muß einer der 42 auf dem Treffen Anwesenden sein, vermutlich jedoch einer der oben erwähnten Geehrten. Denn für deren Vorstellung nimmt sich die Autorin zunächst 100 Seiten lang Zeit.

Aber was hat der Mord an Karen Summers vor 20 Jahren, der den Detective Sam Deegan bis zu seiner bevorstehenden Pensionierung nicht losgelassen hat, mit der ganzen Sache zu tun?

Uninteressant, wer der Täter ist

Ohne sonderlich realistisch zu sein, wird "Mein ist die Stunde der Nacht" sehr schnell zum Pageturner. Kurze Kapitel, leicht lesbarer und verständlicher Schreibstil, oftmalige Perspektivwechsel und chronologischer Ablauf, das ist es, was man von der routinierten amerikanischen Autorin kennt. Eine attraktive Frau, die von einem Psychopathen bedroht wird, das ist auch nichts Neues bei Mrs. Clark. So baut sie schnell einen Spannungsbogen auf, der bis zum Ende nicht mehr abreißt. Man weiß als Leser mehr als jeder andere, aber zum Glück nicht alles.

Ganz im Gegensatz dazu steht leider die oberflächliche Beschreibung ihrer klischeebeladenen Charaktere, die sich hier doch allzu ähnlich sind. Alles Menschen mit Problemen in ihrer Kindheit, die es später zu großen Erfolgen gebracht haben. Zwar versucht sich mit kurzen Bemerkungen den Verdacht mal auf den einen, dann wieder auf den anderen zu lenken, doch hat es mich bis zum Schluß absolut nicht interessiert, wer denn der Täter ist, denn ich konnte die Figuren sowieso kaum unterscheiden. Für mich absolut kein Whodunit, sondern ein Thriller von bestem Unterhaltungswert.

Schnulziges Happyend

Natürlich spitzt sich die Handlung gegen Ende hin immer mehr zu und steigert sich bis zum Showdown mit schnulzigem Happyend, doch bleiben leider auch viele Fragen offen. Zwei willkürliche Morde, für die es kein erklärbares Motiv gibt, und die für den Plot völlig irrelevant sind. Ein durchgeknallter Mörder, der sich für seine Rache zunächst zwanzig Jahre Zeit nimmt und für den es dann plötzlich gar nicht schnell genug gehen kann.

Fazit: Ein Thriller für Leser, die einfach nur in ein Buch eintauchen, mitfiebern und sich fesseln lassen wollen, für die Realismus Nebensache ist und für die nicht alles haarklein erklärt und verständlich sein muß.

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