Der Schatz vom Barrier Reef

  • Blanvalet
  • Erschienen: Januar 2004
  • 4
  • München: Blanvalet, 2004, Seiten: 413, Originalsprache
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Thomas Kürten
32°1001

Krimi-Couch Rezension vonJul 2004

Bonds kleiner Bruder

Australien, der Kontinent am anderen Ende der Welt, übt auf so manchen Deutschen eine magische Anziehung aus. Einmal ausbrechen, alle Sorgen des Alltags hinter sich lassen und so weit weg wie möglich das Paradies suchen, ein Ziel für Abenteurer. Vielleicht hat sich der Deutsche Patric Sanders, der inzwischen an der amerikanischen Westküste lebt, ähnliches gedacht, als er als Schauplatz für seinen ersten Roman die australische Ostküste mit dem gewaltigen, vorgelagerten Great Barrier Reef und dem dschungelhaft bewachsenen Outback im Kakadu-Nationalpark gewählt hat.

Michael Reiker ist ein deutscher Abenteurer, der zufällig gerade in Australien weilt. Er hat mit dem Verkauf seiner Firma genug Geld gemacht, um sich ein sorgenfreies Leben gönnen zu können. In der Hafenstadt Cooktown begegnet er der Meeresbiologin Vanessa, die er in einer Hafenspelunke vor einigen finsteren Gesellen heldenhaft verteidigt. Ihre Peiniger sind Taucher von der Mega-Yacht "Digi Wave" und deren Besitzer, der Milliardär Bob Fences möchte sich angemessen entschuldigen und lädt sie auf ihr Schiff ein.

Vanessa aber fährt lieber mit ihrem Retter Michael und dessen Freund Jack in Richtung Lizard Island, wo sie befreundete Forscher treffen will. Auf der Insel finden die beiden eine Flaschenpost, die vor über 200 Jahren Captain Cook höchstpersönlich bei seiner Entdeckungsfahrt verbuddelt hat. Die Nachricht in der Flasche deutet auf einen Schatz hin. Zusammen mit Michaels schleunigst eingeflogenem Freund Jörg machen sich die beiden auf Schatzsuche. Aber die Digi Wave von Bob Fences sucht selbst im Riff mit modernstem Gerät nach antiken Reliquien und die Taucher haben nach der Kneipenprügelei mit Reiker noch eine Rechnung offen und trachten ihm nach dem Leben. Als der Anführer der Gang von dem Schatz erfährt, schmiedet er einen mörderischen Plan.

Charaktere zu eindimensional, ausführliche Beschreibung von Natur und Städten

Der Spannungsroman kann nicht so recht vom Hocker reißen. Während der Prolog, die Sturmfahrt von Captain Cooks Endeavour im Jahr 1770, noch recht interessant zu lesen ist, verliert sich der Auftakt der Handlung in sehr detail- und adjektivreichen Beschreibungen von Personen und Kulissen. Leider gewinnt man sehr schnell den Eindruck, es mit ausgesprochen eindimensionalen Charakteren zu tun zu bekommen. Auf der einen Seite Michael Reiker Superheld, auf der anderen Rufus Terhoeven Megafiesling und seine internationale Söldnertruppe, alles kampferfahrene Mordmaschinen. Dazwischen eine vollbusige Bikininixe, ein reicher, gieriger, aber auch naiver Milliardär, ein getreues Helferlein für Reiker, eine Art Moneypenny im Cook-Museum von Cooktown und allerorts hilfsbereite Leute, die Reikers umwerfendem Charme augenblicklich verfallen und ihm ihr Vertrauen schenken. Viel zu glatt, ohne irgendwelche Macken, kommt gerade der Protagonist herüber.

Und immer wieder Passagen, die eigentlich nur Kopfschütteln ernten können. Das eine kleine Prügelei in einer Hafenkneipe bei vier Gaunern Mordslüste wecken kann, sei mal dahingestellt. Man kann solchen Schurken ja nur vor den Kopf schauen. Aber dass ein Anschlag im Zentrum der Stadt und die anschließende Verfolgungsjagd offenbar von niemandem bemerkt wird und auch keine Polizei auf den Plan ruft, ist doch schon ein wenig merkwürdig. Dann ist eine als erfahren beschriebene Meeresbiologin bei einem Tauchgang gleich mehrfach unachtsam und begibt sich in Gefahr, so dass sie vom Superhelden gerettet werden muss. Wieso wird dem Leser über mehrere Seiten die Geschichte einer Schafsfarm erzählt, wenn der Farmer dann in einer einzigen trockenen Zeile aus dem Leben scheiden muss und fortan die Farm keine Rolle mehr spielt? Erstaunlich auch, wie Reikers deutscher Freund Jörg nach einem Überfall an Bord eines Schiffes, bei dem Menschen ermordet bzw. entführt wurden (wobei irgendwie klar war, wer entführt, wer ermordet und wer überleben würde), aus den Zutaten in der Kombüse ein schmackhaftes, original australisches Sandwich zaubern kann. Solche Seelenruhe bei einer Verbrecherjagd auf Leben und Tod ist wirklich zu bewundern. Es gibt noch mehr solcher erstaunlicher Passagen, die sich gegen Ende häufen.

Bei der Beschreibung von Landschaften über und unter Wasser kann der Autor durchaus punkten. Er kann mit sehr aufmerksamen Beobachtungen aufwarten und vermag dem Leser ein genaues Bild einer Stadt, des Outbacks oder aber eines Tauchgangs im Korallenriff zu vermitteln. Mitunter jedoch wirken die Beschreibungen sehr ausschweifend und die Kapitel aufgebläht. Ein paar Adjektive und Attribute weniger hätten bestimmt nicht geschadet.

Für Bond-Fans amüsant

Viel gewollt, aber durch eine Vielzahl von Klischees, eintönige Charaktere, vorhersehbare Handlung und aufgrund fehlender Überraschungsmomente nicht viel erreicht. Es gibt durchaus Kapitel, Passagen, in denen der Roman zu Gefallen weiß. Allerdings sind das eher die Abschnitte in denen wenig Action herrscht, wo doch ein Hauch der Taucherromantik am Great Barrier Reef rüber kommt. Dem Anspruch, durch Action und Spannung als Leser gefesselt zu werden, wird Der Schatz vom Barrier Reef leider nicht gerecht. Wenn man jedoch den Roman mit einem ähnlichen Humor lesen kann wie Ian Flemings James-Bond-Romane, dann mag man sich durchaus halbwegs gut unterhalten fühlen. Aber der echte Bond kommt irgendwie mehr in der Welt herum und hat noch bösere Gegner.

Der Schatz vom Barrier Reef

Patric Sanders, Blanvalet

Der Schatz vom Barrier Reef

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