Die Insel der nackten Frauen

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Norstedt, 2002, Titel: 'De nakna Kvinnornas ö', Seiten: 329, Originalsprache
  • München: btb, 2004, Seiten: 383, Übersetzt: Paul Berf
  • München: btb, 2005, Seiten: 383

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Thomas Kürten
Ein Thriller ohne Thrill

Buch-Rezension von Thomas Kürten Jun 2004

Schriftsteller Tobias ist Ende September auf den väterlichen Hof gefahren, um dort seiner Stiefmutter Sabina zur Hand zu gehen. Seinen Vater hat er jahrelang nicht mehr gesehen, nach einem Unfall ist er ans Bett gefesselt und kann momentan nicht selber anfassen. Um die Rinder einzutreiben, muss Tobias mit Sabina, deren schwachsinnigen Sohn Adam und dem Hilfsarbeiter Hardy auf die Insel Skamön, die Insel der nackten Frauen übersetzen. Die Situation ist spannungsgeladen, Hardy und Tobias haben nur eines gemein: gegenseitige Ablehnung. Was hat Sabina, die in Tobias Augen äußerst attraktive Sabina, bloß bewogen, den ehemaligen Häftling als Hilfsarbeiter einzustellen und wieso verteidigt sie ihn immerzu?

Tobias Situation ist schwierig. Midlife Crisis. Sein Privatleben zerrüttet. Als kleiner Junge ist er mit seiner isländischen Mutter vom Hof des Vaters fortgezogen und in einer Stadt aufgewachsen. Seine eigene Ehe ist an den Depressionen seiner Frau zerbrochen, die heranwachsende Tochter lebt bei der Mutter und pubertiert zum Punk. Er lebt in einer Beziehung zu einer Bibliothekarin, aber Liebe empfindet er nicht für sie. Und dann sind da auf einmal einerseits Ingelize, ehemalige Schulfreundin, die immer noch auf ihn steht, und andererseits diese Frau in seinem Alter, Sabina, die nun mit seinem Vater verheiratet ist und ihn merkwürdiger Weise stark erregt. Seine Triebe übermannen ihn und plötzlich und unerwartet kommt es auf Seite 110 doch noch zu einem Mord. Oder etwa doch nicht?

Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen

Plätscher, plätscher, plätscher. Die Handlung kommt einfach nicht in Fahrt. Man kann Frimannson eigentlich gar nicht vorwerfen, langatmig zu erzählen, denn was sie schreibt ist -betrachtet man jedes Kapitel einzeln - halbwegs gut und angenehm zu lesen. Aber bis dann endlich mal was passiert, hat man die Hoffnung auf so etwas wie Spannung schon dreimal aufgegeben. Das Landleben ist vielleicht einfach ein wenig zu mühsam und zu beschaulich. Nach dem Mord lässt die Autorin Tobias in die Stadt zurückfahren und ihn an seinem Buch arbeiten. Vielleicht hatte sie ähnliche Schreibblockaden wie ihr Protagonist, denn ihr Roman kommt immer noch nicht in Fahrt.

Wenn man dem Roman ein Attribut verpassen will, dann dass er psychologisch angehaucht ist. Wirklich restlos jedem auftretenden Charakter versucht die Schriftstellerin ein hohes Maß an psychologischem Tiefgang zu verpassen. Da wechselt sie die Erzählperspektive im Schnitt alle 6 bis 8 Seiten, berichtet aus der Vergangenheit jeder Figur ellenlang und alle 30 Seiten fällt mal sprichwörtlich ein Sack Reis um. Als wäre der Köchin das Salzfass komplett in die Suppe gefallen, hier drängt sich dem Leser einfach der Eindruck auf, dass die Autorin mit weniger Psycho eindeutig besser gefahren wäre. Vielleicht wäre die Geschichte dann aber auch auf einem Viertel der 380 Seiten bereits vollständig erzählt gewesen.

Welche Rolle spielt eigentlich die "Insel"?

Und dann dieser Titel: "Die Insel der nackten Frauen". Okay, das klingt reißerisch, da mag man so einige nicht ganz jugendfreie Assoziationen wecken. Sex sells. Aber sieht man dann mal auf die Handlung, war das wohl eine ganz verzweifelte Aktion der Autorin oder ihres Verlags, Käufer zu reizen. Okay, ganz am Anfang spielen 30 Seiten (auf denen beinahe nichts passiert) auf jener Insel. Punkt. Aber der Name der Insel stammt laut Roman aus dem Mittelalter, als verstoßene Frauen dort ausgesetzt wurden. Nackte Frauen hat man dort wohl seit mehreren Jahrzehnten, wenn nicht gar Jahrhunderten gesehen. Von der Insel hört man dann übrigens auf den letzten 350 Seiten des Buches auch so gut wie nichts mehr.

Um Klartext zu sprechen, es ist mir vorher ein Rätsel gewesen, wie man eine äußerst dünne Story auf 380 Seiten ausrollen kann. Wenn einem aber u.a. 40 Seiten vor dem Ende noch erklärt wird, wie die Mutter der Geliebten des Schriftstellers vor dreißig Jahren jeden Samstag die Wohnung gesaugt hat (auf ca. 2 Seiten Länge) und wenn bei jeder Nebenrolle über ein Kapitel ein Rückblick in die Kindheit gemacht werden muss, dann füllen sich sehr schnell die Seiten. Die Autorin schreibt zwar sehr angenehm, aber sie weiß nichts Interessantes zu erzählen und verdirbt dann durch fortwährende Perspektivwechsel die Leselust. Dieses Buch beweist, dass ein Psychothriller nicht nur von Psycho allein leben kann. Der "Insel der nackten Frauen" fehlen die Thriller-Elemente. Von daher kann er nur unterdurchschnittlich unterhalten.

Die Insel der nackten Frauen

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