Die letzten Tage von Hongkong

Erschienen: Januar 1996

Bibliographische Angaben

  • London: Hodder & Stoughton, 1997, Seiten: 336, Originalsprache
  • München: Malik, 1996, Seiten: 486, Übersetzt: Sonja Hauser
  • München: Piper, 2004, Seiten: 486, Bemerkung: Ungekürzte Taschenbuchausgabe
  • München; Zürich: Piper, 1998, Seiten: 486

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Wolfgang Weninger
Die Welt der Reichen und Korrupten, der Geheimdienste und Geheimbünde

Rezension von Wolfgang Weninger Mai 2004

Der Eurasier Chief Inspector Chan, väterlicherseits Ire und mütterlicherseits Chines ist Ermittler bei der Polizei von Hongkong. Als solcher wird er von seinen britischen Kollegen Charlie Chan genannt. Na ja, die Briten haben eben einen eigenartigen Humor, wie unser asiatischer Kriminalist findet. Dieser Humor vergeht den Herrschaften allerdings reichlich schnell, als sich in einem leerstehenden Gebäude ein Industriefleischwolf findet, durch den man drei menschliche Torsi bis zur Unkenntlichkeit bei lebendigem Leib zerstückelt hat. Und als unser Romanheld in einer höchst gefährlichen Aktion an Bord eines Polizeischiffes in den chinesischen Gewässern die in einen Plastiksack verpackten, verstümmelten Köpfe findet, vergeht allen das Lachen.

Wer steckt hinter diesen brutalen Morden? Ist es die chinesische Mafia, weitgehend identisch mit der Armee der Rotgardisten, die bald in Hongkong ans Ruder kommen werden? Oder sind es die mächtigen Triaden, deren uneingeschränkte Handlungsfähigkeit im Wirtschaftshexenkessel Hongkong gefährdet ist? Vielleicht haben auch kriminelle Organisationen aus Großbritannien oder Amerika ihre Finger im Spiel?

Alles ist möglich, denn viel zu viele Einmischungen von allen Seiten versuchen die Ermittlungsarbeit von Chief Inspector Chan zu beeinträchtigen. Egal ob es sich um seinen Schwager Jonathan Wong und dessen reiche Klientel oder die Verwaltung der britischen Oberhoheit, ja sogar den Polizeichef höchstpersönlich handelt, alle scheinen ein Interesse daran zu haben, dass dieser Fall ungeklärt bleibt.

Der Brite John Burdett kann in seinem Roman "Die letzten Tage von Hongkong" aus seinem umfassenden Wissen über die Situation vor dem 30. Juni 1997 reichlich Kapital schlagen. Burdett lebte jahrelang in Hongkong, arbeitete dort für die britische Regierung und machte sich schlussendlich dort mit einer eigenen Kanzlei selbständig.

Zum Einen weiß Burdett all diese Erfahrungen in oft lehrmeisterhaften Ton in die Geschehnisse einfließen zu lassen, was zu gelegentlichen Längen führt, zum Andern versucht er die asiatische Seele zu verstehen und zu interpretieren, was auch schon anderen Meistern der schreibenden Zunft nicht immer leicht gefallen ist.

Die Handlung ist schon von der Ausgangssituation her eine interessante Situation und jemand mit Burdetts Kenntnissen müsste eigentlich daraus einen extrem spannenden Plot erzielen. Mord, Wirtschaft, Sex und Intrigen und ein sympathischer Inspector Chan machen allerdings aus diesem Roman um die Herrschaft des künftig chinesischen Hongkongs nur einen laschen Allerweltsroman, gespickt mit Hintergrundinfos. Das dies bedeutend besser geht, hat uns schon vor Jahren Eric van Lustbader bewiesen.

Wenn sich Burdett in die Welt der Reichen und Korrupten, der Geheimdienste und Geheimbünde begibt, kann er nie das Bild dieser Gesellschaft so zeichnen, dass der Leser eine Vorstellung bekommt, was sich in diesen Bereichen wirklich abspielt. Kenntnisse von Hongkong allein sind deshalb nicht ausreichend, wenn der intime Einblick in die verschiedenen Schichten der Lebenden fehlt. Am Besten scheint noch die britische Vertretung weg zu kommen, die so very british ist, dass es schon fast lächerlich wirkt.

Was Mr. Burdett auf 487 Seiten zum Besten gibt, ist durchaus interessant, relativ leicht lesbar, aber im Endeffekt haut es nicht vom Hocker. Hier wurde das exotische Ambiente des Fernen Ostens leider nicht genutzt, um den Leser zu fesseln. Dekadenz, Korruption und eine Kopulation unter Wasser reichen leider nicht aus, um aus diesem Buch einen hochklassigen Thriller zu machen.

Die letzten Tage von Hongkong

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