Tod im Apothekenhaus

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • München: Knaur, 2003, Seiten: 413, Originalsprache
  • Augsburg: Weltbild, 2005, Seiten: 413, Originalsprache
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2006, Seiten: 11, Übersetzt: Helmut Gentsch
  • Hamburg: Hamburger Abendblatt, 2010, Seiten: 404, Originalsprache

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Peter Kümmel
Historisch gut, Handlung schwach

Buch-Rezension von Peter Kümmel Mai 2004

Als Thesaurus war mir bislang nur ein Wörterbuch bekannt. In diesem Buch wird Thesaurus jedoch nicht als Sammlung von Wörtern, sondern als Sammlung von Schätzen gebraucht. Naturalien sind es, die der Apotheker Theodorus Rapp sammelt. Alleine wegen dieser großen Leidenschaft ist er von Thüringen nach Hamburg gezogen, weil er von den Seeleuten oft gute Fundstücke erhält.

Und dieser Thesausus ist der Grund für den Überfall auf den Apotheker Theodorus Rapp im Jahr 1716 in Hamburg.

 

"...das Ganze hängt damit zusammen, dass ich eine geheimnisvolle Sammlung besitze, ein Kabinett aus Tieren, Pflanzen und Steinen. Alle sind äußerst selten, so selten, dass man sie nirgendwo in Europa findet. Sie haben Farben und Formen, die selbst die kühnste Phantasie sich nicht ausmalen kann: kurios, bizarr, monströs. Es gibt Vögel, die wie Drachen aussehen, Wölfe mit zwei Köpfen und fünf Beinen, Fische, die so tief im Meer schwimmen, dass sie immer eine Laterne bei sich haben müssen. Es gibt Heuschrecken, die einem Zauberstab gleichen, Schmetterlinge so groß wie zwei Kehrbleche, Muscheln, in denen ein ganzes Schwein verschwinden könnte, und vieles, vieles mehr."

 

Zum Zeitpunkt des nächtlichen Überfalls kennt Rapp jedoch den Grund noch nicht. Er liefert seinen Widersachern einen harten Kampf, wird dann aber doch bewusstlos geschlagen. Als er wieder zu sich kommt, findet er neben sich zwei Leichen und ist davon überzeugt, dass er die beiden Männer getötet hat. In zerlumpter Kleidung, die man ihm angezogen hat, und ohne seine Apothekerjacke fleiht er vom Tatort und kehrt am Morgen völlig verstört zu seiner Apotheke zurück. Was er dort durch das Fenster erblickt, lässt ihn an seinem Verstand zweifeln. Er sieht sich selber hinter der Theke die Kunden bedienen. Zumindest glaubt er dies, denn der Apotheker scheint ein Doppelgänger - im Buch fortan "der Imitator" ganannt - von ihm zu sein.

Ratlos, was er nun tun soll, sucht er Unterstützung bei seinem ehemaligen Gehilfen. Durch dessen Tochter, der Schneiderin Mine, erfährt er, dass dieser mittlerweile verstorben ist. Dennoch bekommt er die dringend benötigte Hilfe von Mine, mit der er sich schnell anfreundet. In dem jungen Fixfööt, dem Schulmädchen Isi, dem beinamputierten "Opa" sowie dem jüdischen Arzt de Castro findet er weitere Freunde, mit denen er sein Geheimnis teilt und die ihm helfen, so gut sie können.

Zusammen mit Fixfööt findet er bald heraus, dass die Verbrecher es auf seinen Thesaurus abgesehen haben. In mehreren Nächten wird die umfangreiche Beute abtransportiert und Teo kann zunächst nichts anderes tun, als die Diebe zu verfolgen, um wenigstens den Verbleib seines Schatzes zu kennen, um ihn später zurückerlangen zu können.

Sprachlich passt sich Serno der Zeit der Handlung etwas an. So gewöhnt man sich schnell an Ausdrücke wie "Offizin" für die Apotheke. Heutzutage nicht mehr gebräuchliche Redewendungen wie "die Tageszeit entbieten", die einen zunächst stutzen lassen, sind glücklicherweise nur selten zu finden. Plattdeutscher Dialekt in den Dialogen ist dagegen sehr ausgiebig benutzt. Da könnte manch süddeutscher Bewohner leichte Probleme beim Lesen bekommen.

Hervorragend recherchiert hat der Autor zweifellos. Er versetzt seine Leser sehr realistisch in das Hamburg des frühen 18. Jahrhunderts zurück. Die Schilderungen des damaligen Lebens in der Hansestadt sorgt für Lesevergnügen. Doch die Handlung der Geschichte ist überaus konstruiert. Alleine die Naivität des Protagonisten - die seinem sonstigen Wesen konträr gegenüber steht - sorgt dafür, dass sich die Handlung über 400 Seiten hinweg hinziehen lässt.

Das Ende der Story dagegen wird relativ schnell abgehandelt und man fragt sich, warum die halbwegs intelligent handelnden Personen nicht schon 200 Seiten früher auf diese Lösung verfallen sind. Manches muß man am Schluß mehr erraten als sich logisch nachvollziehen lässt.

Die Charaktere sind zum Teil sehr originell, doch bleiben sie durchweg oberflächlich und in festgefügte Raster eingeteilt, die Milieuschilderungen bilden eindeutig die Stärke des Buches.

"Tod im Apothekenhaus" ist ein leicht zu lesender und kurzweiliger Roman, der es jedoch nicht nur an Tiefgang, sondern vor allem auch an Spannung missen lässt.

Tod im Apothekenhaus

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