Alarm in Sköldgatan

Erschienen: Januar 1984

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Norstedt, 1969, Titel: 'Brandbilen som försvann', Seiten: 249, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1986, Seiten: 183, Übersetzt: Eckehard Schultz
  • Berlin: Volk und Welt, 1984, Seiten: 219
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000, Seiten: 283
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005, Seiten: 283
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008, Seiten: 302, Übersetzt: Susanne Dahm, Bemerkung: Vorwort von Leif GW Persson

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Peter Kümmel
Die Reihe wird zunehmend humorvoller

Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Sköldgatan ist eine kleine schmale Straße, eigentlich eher ein Feldweg, mitten in Stockholm, in der es nur ein einziges Wohnhaus gibt. In diesem Wohnhaus mit insgesamt vier Wohnungen lebt Göran Malm.

Gunvald Larsson aus dem Team von Kommissar Beck jagt normalerweise Mörder. Doch da in ihrer Abteilung momentan wenig zu tun ist und die Überwachung von Personen zu Larssons Spezialgebieten zählt, ist er neben seinem normalen Dienst einer anderen Abteilung unterstellt, um eben diesen Göran Malm, wohnhaft in Sköldgatan, zu überwachen. Aus welchem Grund er das tun soll, das interessiert Larsson überhaupt nicht. Alles ist ruhig im Haus, als Larsson an einem eiskalten Winterabend im März um kurz nach elf den Polizisten Zachrisson ablöst. Doch dann explodiert mit einem ohrenbetäubenden Knall das ganze Haus und steht im Nu in Flammen.

Nun wird Larsson zum Helden, denn er rettet alleine acht der Bewohner aus den Flammen und erleidet dabei selber eine Gehirnerschütterung, die ihn die nächsten Tage außer Gefecht setzt. Drei Personen kommen ums Leben, darunter auch das Objekt der Beschattung. Nachdem kein Fremdverschulden nachgewiesen werden kann, soll der Fall abgeschlossen werden. Doch dann kommt aus der Gerichtsmedizin die überraschende Nachricht, dass Malm bereits tot war, als der Brand ausbrach. Vermutlich hat sich Malm selber umgebracht, indem er die Gasleitung öffnete, was schließlich auch den Brand auslöste.

Zum zweiten Mal soll der Fall zu den Akten gelegt werden, als das Labor wieder mit einer Neuigkeit aufwarten kann: In der Matraze von Göran Malm wurde ein Zeitzünder entdeckt, der die wirkliche Ursache für die Explosion war. Nun erst beginnt sich auch Becks Team für den Toten zu interessieren, der mit seinem Selbstmord seiner Ermordung nur ganz kurz zuvor kam. In Autoschiebergeschäfte war er verwickelt. Über ihn wollte man an seinen Boss Bertil Olofsson gelangen, dem nichts nachzuweisen war. Nun ist Olofsson, der außerdem auch in Rauschgiftgeschäfte verwickelt ist, verschwunden und der Hauptverdächtige für den Anschlag.

Aktuell immer noch sehr beliebt ist das Stilmittel, das Maj Sjöwall und Per Wahlöö bereits in den Sechzigern anwandten: das Buch mit einer Begebenheit zu beginnen, die zunächst zusammenhanglos zur folgenden Geschichte ist, dann dem Leser in Vergessenheit gerät, um erst zu einem relativ späten Zeitpunkt wieder aufgegriffen und in den Plot integriert zu werden.

Was außer dieser nicht mal eine Seite langen Episode auf der ersten Seite auffällt, ist die entgegen den anderen Büchern der Reihe mikroskopisch kleine Schrift (zumindest bei der mir vorliegenden Ausgabe von 1995). Vielleicht einzig zu dem Zweck, die Seitenzahl im bisherigen Rahmen von knapp unter 200 Seiten zu halten. Leser mit Sehschwäche sollten zumindest vor dem Kauf einen Blick ins Buchinnere werfen.

Einen Mangel an Abwechslung kann man den schwedischen Autoren auf keinen Fall vorwerfen, geschweige denn fehlende Originalität. Denn ein Mann, der sich umbringt, um seiner Ermordung zuvor zu kommen, ist noch nicht mal in Kriminalromanen alltäglich. Allerdings weiß der fünfte Roman aus der Kommissar-Beck-Reihe eher durch hervorragende Charakterstudien denn durch eine schlüssige Story zu überzeugen.

Altbewährte Qualität mit nüchtern geschilderter Ermittlungsarbeit und dem Warten auf den entscheidenden Hinweis zur Lösung des Falles kennzeichnet auch "Alarm in Sköldgatan". Nachdem die Hälfte des Beck-Zyklus gelesen ist, hat sich mittlerweile ein rundes Bild des Lebens im Schweden der 60er Jahre ergeben, die restliche zweite Hälfte verbleibt für die 70er. Und so sehr unterscheidet sich dieses Bild, das man gewinnt, gar nicht von der Aktualität, die man zum Beispiel in den Romanen eines Mankell oder Edvardsson vorfinden kann. Drogenabhängige bevölkern die schwedische Hauptstadt, Prostituierte, Autodiebe und Kleinkriminelle, die in wilden Sexparties ihre Erfüllung finden.

Humorvoller ist das Autorenteam geworden. Oftmals sind ironische Untertöne heraus zu lesen und allein die Frotzelein des Ermittlerteams um Martin Beck, allen voran Lennart Kollberg, machen das Buch zu einem Lesevergnügen. Im Mittelpunkt steht dabei zu Beginn Gunvald Larsson, wenig beliebt im Team, um so beliebter beim Leser, dessen Charakterzüge diesmal deutlicher hervortreten als bislang. Auch Fredrik Melander sowie Per Månsson, der Gast aus Malmö, werden diesmal näher beleuchtet, so daß man nach und nach auch von den bislang eher im Hintergrund gebliebenen Charakteren ein sehr deutliches Bild bekommt.

Das Ende zieht sich leider zäh wie Kaugummi, bis es zu guter letzt dann noch zu einem furiosen Finale kommt, das nicht vollauf befriedigen kann, aber fast einen brauchbaren Cliffhanger abgibt.

Für "Alarm in Sköldgaten" wurde das Autorenduo Sjöwall/Wahlöö mit dem Edgar-Allan-Poe-Preis ausgezeichnet. Warum gerade für diesen Roman, ist mir unklar, denn an den Vorgängerband reicht seine Qualität nicht ganz heran.

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