Endstation für neun

Erschienen: Januar 1971

Bibliographische Angaben

  • Stockholm: Norstedt, 1968, Titel: 'Den skrattande polisen', Seiten: 240, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1971, Seiten: 218, Übersetzt: Eckehard Schulz
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000, Seiten: 269
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2005, Seiten: 269
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2008, Seiten: 299, Übersetzt: Paul Berf, Bemerkung: Vorwort von Kjell Ola Dahl

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Peter Kümmel
Kann in allen Belangen voll überzeugen

Rezension von Peter Kümmel Mai 2003

Die Streifenpolizisten Kvant und Kristiansson werden spätabends von einem Passanten auf einen Doppeldecker-Bus aufmerksam gemacht, der neben der Straße, an einen Zaun geprallt, dasteht. Im Bus finden sie ein Bild des Grauens vor: offenbar war hier ein Geistsgestörter am Werk. Neun Menschen finden sie niedergeschossen vor, nur einer davon ist noch am Leben. Einen der Ermordeten erkennen die Polizisten wieder, es handelt sich dabei um Åke Stenström, einen jungen Beamten der Kriminalpolizei aus dem Team von Kommissar Martin Beck.

Schon bei einem einzelnen Mordfall ist es für die Polizei nicht immer einfach, das Motiv zu finden. Nun steht sie zunächst einmal vor dem Problem, herauszufinden, wem der Anschlag mit der Maschinenpistole überhaupt gegolten hat. Zunächst einmal müssen die Insassen identifiziert werden. Das gelingt erst nach und nach bis auf eine Ausnahme. Bei einem Mann ist das Gesicht nicht mehr zu erkennen. Die meisten der Passagiere sind Durchschnittsbürger. So konzentrieren sich die weiteren Nachforschungen der Polizei zunächst auf die Identifizierung des Unbekannten, auf Gösta Assarsson, der in Rauschgiftgeschäfte verwickelt war sowie auf Åke Stenström, der gegenüber seiner Freundin Åsa oftmals vorgab, dienstlich unterwegs zu sein, obwohl er frei hatte und überdies meist bewaffnet war.

Da sich die Kriminalbeamten in der Zeit, in der wenig zu tun ist, gelegentlich mit alten ungeklärten Fällen befassen, lässt dies darauf schließen, dass Stenström auch privat in einem alten Mordfall ermittelt hat. Doch um welchen Fall ging es dabei? Hatte er vielleicht schon mehr herausgefunden, als dem Mörder lieb war? Oder galt der Anschlag doch dem nicht identifizierten Opfer?

Spätestens nach dem vierten Beck-Roman hat man sich an die zuweilen etwas merkwürdige Übersetzung wie "beide waren dienstfrei"oder "die Uhr war viertel nach zwölf" gewöhnt, und ich bin überzeugt, wenn ich alle zehn Bände hintereinander lesen würde, dann würde ich die Uhr zukünfig genauso ablesen.

"Endstation für neun" ist der erste Band der Reihe, der furios startet und den Leser gleich mit mehr Action konfrontiert als alle vorhergehende Romane zusammen genommen aufweisen.

Natürlich verlaufen auch hier die Ermittlungen wieder nach altbekanntem Schema: Fakten zusammentragen, Hypothesen aufstellen und auf den Zufall warten. Doch immerhin gibt es bei neun Opfern Ansatzpunkte zur Genüge und demzufolge auch wesentlich mehr Arbeit und natürlich auch mehr Spuren, die in die falsche Richtung führen. Zumindest aber merkt auch der Leser, dass diesmal mehr Handlung als bislang in das Buch gepackt wurde, das mit 218 Seiten jedoch nur unwesentlich umfangreicher ist als seine Vorgänger.

Doch nicht nur mehr Action und mehr Handlung sind hier zu bewundern. Die vierte Roman der Beck-Reihe ist endlich auch der erste, der mit einer gut durchdachten Geschichte aufwarten kann und nicht ganz so geradlinig verläuft wie die bisherigen. Abwechslung ist insofern vorhanden, dass jeder Krimi - sofern er sich nicht über Monate hinzieht - in einer anderen Jahreszeit spielt. Diesmal bekommt der Leser ein wenig von der Atmosphäre der Weihnachtszeit mit.

Natürlich wird der Leser auch wieder mit den persönlichen Problemen der Polizisten konfrontiert. Die Charaktere der Mitarbeiter von Kommissar Beck werden immer ausgeprägter. Insbesondere Kollberg mit seinem etwas brummigen Wesen wird mehr und mehr zum Sympathieträger, während Becks Privatleben doch gleichmäßig langweilig bleibt. Auch Gunvald Larsson, der bei seinen Kollegen nicht so beliebt ist, macht auf den Leser mit seiner Prinzipientreue einen positiven Eindruck. Mit Stenströms Freundin Åsa Torell wird wieder eine Figur eingeführt, von der zu vermuten ist, dass sie auch in den kommenden Bänden noch eine Rolle spielen wird.

Das Autorenteam lässt die Kriminalbeamten mittlerweile wesentlich lockerer miteinander umgehen als zuvor, wo alles ein wenig steif wirkte. So ist das Ganze auch wesentlich humorvoller geworden. Und mit dem sehr lebensecht dargestellten Einar Rönn hat das Team wieder Zuwachs bekommen. Schließlich ist es auch gerade dieser Rönn, der entscheidend zur Lösung des Falles beiträgt, indem er Stenströms Schritte nachvollzieht.

"Endstation für neun" ist der erste Krimi der Kommissar-Beck-Reihe, der in allen Belangen zu überzeugen weiß.

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