Der Fall Galton

  • Rowohlt
  • Erschienen: Januar 1964
  • New York: Knopf, 1959, Titel: 'The Galton Case', Seiten: 242, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1964, Titel: 'Ein schwarzes Schaf verschwindet', Seiten: 185, Übersetzt: Egon Lothar Wensk
  • Zürich: Diogenes, 1976, Seiten: 275
Der Fall Galton
Der Fall Galton
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Thomas Kürten
84°

Krimi-Couch Rezension vonJan 2004

Wenn es was zu erben gibt

Selten nur tritt Lew Archer einen Fall unmotiviert an. Im Fall Galton macht er eine Ausnahme, denn die Aussicht, den vor über 20 Jahren verschwundenen Anthony Galton wieder zu finden, ist auch optimistisch betrachtet nur verschwindend gering. Dessen Mutter jedoch ist Witwe eines Ölbarons und wünscht, vor ihrem Tode Frieden mit ihrem Sohn zu schließen. Archer wird von ihrem Anwalt mit der Suche nach Anthony beauftragt, der seinerzeit Schriftsteller werden wollte und in die Gegend von San Francisco gezogen war. Als Archer noch relativ lustlos erste Fährten aufnimmt, wird der Butler des Anwalts ermordet. Sprungartig steigt das Interesse des kalifornischen Detektivs.

Im verschlafenen Örtchen Luna Bay erfährt Archer von einem Arzt, dass er offenbar nicht der einzige auf der Suche nach Anthony Galton ist. Galton nannte sich hier John Brown, hatte vor über 20 Jahren hier ein Haus, eine Frau und einen zwei Monate alten Sohn, ehe die junge Familie hier plötzlich über Nacht verschwand. Ein junger Mann, der sich als John Brown jun. ausgibt, sucht nun ebenfalls nach Spuren seines vermeintlichen Vaters. Ist dieser junge Mann wirklich ein Millionenerbe oder nur ein äußerst geschickter Hochstapler, der es sich zunutze machen will, dass niemand über den Verbleib Anthony Galtons Bescheid weiß?

Lew Archer on the road

Der Fall Galton nimmt eine Einzelstellung in der Lew Archer Reihe ein, denn es ist wohl der Roman mit dem wenigsten psychologischen Tiefgang. Die Motive für die Verbrechen liegen in diesem Fall auf der Hand und lassen sich auch nicht durch überraschende Wendungen in ihr Gegenteil verkehren: Es ist die Gier nach Geld und Macht, die treibende Kraft für die Morde ist.

Archer kommt weit rum in diesem Fall. Aus den Vorstädten San Franciscos führen Spuren nach Reno, später sogar nach Detroit und Kanada. MacDonald schickt seinen Serienhelden entlang der amerikanischen Westküste, um zum einen der Geschichte des John Brown jun. nachzuspüren, zum anderen den Spuren des Mörders des Butlers nachzugehen. Er soll mit seiner frühen Vermutung, dass das Verschwinden Galtons und die beiden Fälle miteinander zu tun haben, Recht behalten.

Was macht diesen Roman vielleicht noch einen Tick besser als seine Vorgänger? MacDonald hat hier einen wunderbar durchdachten und hervorragend gestrickten Kriminalfall beschrieben. Und er schafft es, die Spannungskurve schon ab einem frühen Zeitpunkt auf hohem Niveau zu halten. Neben der Frage um das Verbleiben von Anthony Galton sorgen die Frage um die wahre Identität des John Brown jun. sowie die Verstrickungen des toten Butlers in beide Fälle für einen stets präsenten Nervenkitzel. Egal was Lew Archer unternimmt, in keinem der Vorgängerromane sind Spuren so brisant und Indizien so breit gestreut, dass der Leser sich vor einem großen 1000-Teile Puzzle fühlt, bei dem er früh erkennen kann, was er zusammen setzt, die richtige Lösung allerdings erst mit dem letzten Steinchen offenbart. Das ist höchst unterhaltsam und damit landet der Autor beim Leser Punkte. Das MacDonalds psychologischer Ansatz dabei ein wenig ins Hintertreffen gerät, tut in diesem Fall dem Roman nicht weh.

Der Fall Galton

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