Die Küste der Barbaren

Erschienen: Januar 1966

Bibliographische Angaben

  • New York: Knopf, 1956, Titel: 'The Barbarous Coast', Seiten: 247, Originalsprache
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1966, Titel: 'Sprungbrett ins Nichts', Seiten: 168, Übersetzt: Marianne Lipcowitz
  • Zürich: Diogenes, 1976, Seiten: 247

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Thomas Kürten
48 Stunden Californication

Buch-Rezension von Thomas Kürten Dez 2003

Lew Archer wird am frühen Morgen zum exklusiven Channel Club gerufen. Dessen Manager Clarence Bassett braucht einen Leibwächter, weil er von einem jungen Reporter namens George Wall bedroht wurde. Als Archer kurz davor ist, den Auftrag abzulehnen, dringt Wall in das Büro des Managers ein und es stellt sich heraus, dass dieser einen Hilferuf seiner jungen Frau Hester erhalten hat. Hester arbeitete zuletzt im Channel Club, wo sie mit ihren Künsten als Turmspringerin die Gäste der High Society unterhielt. Seit über drei Monaten aber will Bassett sie nicht mehr gesehen haben. Als Archer ein Foto von dem äußerst attraktiven Mädchen und ihrer ebenso hübschen, jedoch vor knapp 2 Jahren ermordeten Freundin Gabrielle, erwacht in ihm aber schließlich doch die Bereitschaft, Ermittlungen im Auftrag von George Wall zu übernehmen

Es dauert gar nicht lange, da kommt er Hester auch auf die Spur - nur noch eine geschlossene Autotür trennen die beiden. Doch das Mädchen gibt Gas und verschwindet. Was dem Detektiv gar nicht gefällt, ist das Umfeld in dem er sich inzwischen aufhält: Zwielichtige Filmproduzenten, deren private Bodyguards, gescheiterte Boxer und zweifelhafte Gestalten, die vom Filmbusiness bislang nicht so reichlich bedacht wurden wie andere. Alles Menschen, denen es gar nicht gefällt, dass Archer seine Nase in ihre Angelegenheiten stecken muss. Und darum bekommt er auch gleich mehrfach auf die selbige. Zwei Anrufe aus Las Vegas bringen ihn schließlich auf die richtige Spur.

Gefährlicher Verbrechenscocktail

Es ist geradezu haarsträubend, wie oft Archer und auch sein hitzköpfiger Auftraggeber George Wall in diesen 48 Stunden Prügel beziehen, wie oft ihre Wahrnehmung dämmert und wie galant sie sich trotzdem noch auf die Fährte Hesters machen können. Die paar Dollar, die er an diesem Fall verdient, sind wahrlich hart verdientes Geld. Aber Archer ist verdammt zäh. Ross Macdonald bringt durch die wirklich zahlreichen Kampfszenen immer eine gehörige Portion Action in die Handlung seiner Kriminalromane und zum Glück mutiert Archer nicht zu einem Superhelden, der stets die siegreichen Fäuste hat.

Auch in diesem Roman ist die Mischung an unterschiedlichen Verbrechen, denen der Detektiv begegnet, wieder einmal beträchtlich. Körperverletzung ist da noch das Geringste. Hinzu kommen 4 Morde (plus ein Mord vor rund 2 Jahren), Korruption, Erpressung, Geldwäsche, Hehlerei, Bestechung und Freiheitsberaubung. So versucht jeder sein Stück vom großen Kuchen, den es in Malibu Beach zu verteilen gibt, abzubekommen. Wiedereinmal erstaunlich, wie spielerisch es Macdonald schafft, all dies auf gerade mal knapp 250 Seiten unter zu bekommen.

Der Freudsche Ansatz

Macdonald ist aber nicht wegen seiner actionreichen Romane so bedeutsam für die Kriminalliteratur geworden. Seine Intention war es, nicht die Frage nach dem Mörder, sondern die Frage nach dem Motiv in den Mittelpunkt seines Finales zu setzen. Und da ein Motiv für Mord aus einem kranken Kopf entspringt, bewegt er sich nicht selten in den Abgründen der menschlichen Psyche. Das mag seinen Zeitgenossen nicht immer schlüssig gewesen sein, weswegen er in "Die Küste der Barbaren" durch einen literarischen Kunstgriff den Schlussfolgerungen Archers mehr Glaubwürdigkeit verleiht: Archer befragt einen Psychiater, ob bei seinen Verdächtigen die Psyche bestimmte Handlungsweisen nahe legt. So darf dieser Roman aus dem Jahre 1956 zu Recht als einer der ersten Psychothriller gewertet werden, der auch nach über 50 Jahren nach wie vor äußerst lesenswert geblieben ist.

Die Küste der Barbaren

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Letzte Kommentare:
20.07.2007 22:23:13
heinrich

mich fasziniert immer wieder die Zeitlosigkeit der Romane von Ross MacDonald. Auch 50 Jahre später kann man sich in das Geschehen hinein versetzen, wenn man einen Draht zum amerikanischen Kriminalroman oder -film hat.

06.01.2007 18:50:43
fabian

Allerdings stimme ich meinem Vorredner in der Tatsache zu,dass Raymond Chandler ein Genie war und seine Romane ebenso gut sind wie die von Ross Macdonald.Philip Marlowe ist auch cooler als Lew Archer,welchen ich aber auch sehr symphatisch finde.

06.01.2007 18:46:13
Fabian

nicht so schlecht, wie einige Leute diesen Roman reden.Mit Sicherheit ist die KdB nicht so gut wie der "Fall Galton",doch auf alle Fälle lesenswert.

03.09.2005 18:48:38
uttfi

bevor ich dieses buch gelesen habe, recherchierte ich überall, welcher autor in etwa einen schreibstil wie raymond chandler hat. hierbei stieß ich öfter auf den namen ross macdonald - klasse, dachte ich, weiterer lesestoff. das erste buch dieses schriftstellers habe ich jetzt hinter mich gebracht - und ich sage bewusst "hinter mich gebracht". so etwas dünnes habe ich seit langem nicht mehr gelesen. eine bis ins maßlose verzwickte handlung, lieblos beschriebene schauplätze und vor allem: untreffende formulierungen, wohin man blickt. was bei chandler gekonnt locker daherkommt, wirkt bei macdonald nichts anderes als gekünstelt.

hier einige kostproben, die ich auf die schnelle finden konnte:
"Seine Stimme war weich, wie mit Tränen gesalzene Butter" oder "Ich erkannte ihn an seinem hastigen, zaghaften Schritt" oder "Es legte sich wie Staub auf seine anthrazitgrauen Augen. Seine Gesichtsmuskeln verkrampften sich, so daß sie wie große und kleine Walnüsse in einem Lederbeutel aussahen, der ständig seine Form veränderte" ...

dies ist , wie gesagt, nur eine kleine auswahl. wer spaß an solchen unvorstellbaren formulierungen hat, lese das buch. vielleicht hat er ja sogar lust, ein paar von meinen ross macdonalds zu kaufen, ich gebe sie sehr günstig ab :)

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