Voltaires Kalligraph

Erschienen: Januar 2004

Bibliographische Angaben

  • Barcelona: Destino, 2001, Titel: 'El calígrafo de Voltaire', Originalsprache
  • Zürich: Unionsverlag, 2004, Seiten: 192, Übersetzt: Claudia Wuttke
  • Zürich: Unionsverlag, 2005, Seiten: 192

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Jörg Kijanski
Ein skuriller, kurzweiliger, sprach- und bildgewaltiger Roman

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Dez 2003

Der junge Kalligraph Dalessius arbeitet bei Gericht, wo er unter anderem Niederschriften zu Todesurteilen fertigt. Als Madame de Béza zum Tode verurteilt wird, da sie ihren Mann vergiftet hat, verwendet Dalessius eine Tinte, die sich nach einiger Zeit selbst vernichtet und so kann die Hinrichtung auf dem Schafott nicht vollzogen werden, da statt der notwendigen Verfügungen nur noch das rote Amtssiegel zu sehen ist. Drei Monate später nach Absitzen einer Haftstrafe, Dalessius wurde als vermeintlicher Mittäter verurteilt, findet er eine neue Anstellung bei dem ebenso berühmten wie umstrittenen Philosophen Voltaire. Dieser schickt ihn nach Toulouse, um die Umstände, die zur geplanten Hinrichtung des Protestanten Jean Calas führten, zu untersuchen.

Auf der Fahrt nach Toulouse in einer Kutsche der nächtlichen Post, mit der üblicherweise die Leichen zu ihren Angehörigen transportiert werden, sieht er in einem Sarg die Leiche einer schönen jungen Frau liegen. In Toulouse angekommen, nimmt Dalessius erneut eine Stelle als Gerichtsschreiber an und erhält somit direkten Zugang zu dem Fall Calas. Dieser wird verurteilt, weil er angeblich seinen Sohn Marc Antoine umgebracht habe, der zum Katholizismus konvertieren wollte. In der Bevölkerung wird Marc Antoine als Märtyrer mit unheimlichen Kräften gefeiert, dessen Reliquien sehr wertvoll sind.

Eines Tages sieht Dalessius hinter einem Fenster die Frau aus der Kutsche wieder, höchst lebendig wie es scheint und kurz darauf fällt ihm im Rahmen seiner dienstlichen Tätigkeit ein Dokument in die Hand, wonach das Leben der geheimnisvollen Frau unmittelbar bedroht ist. Dalessius besucht die Frau, um sie vor dem geplanten Attentat zu warnen, doch noch während seines Vortrages erscheinen ihre Mörder, bringen die Frau um und entführen ihren Leichnam. Dieser explodiert nur wenige Minuten später.

Voltaire sieht Calas Fall als Teil weitreichender Geschehnisse, die mit einer Kette von Wundern in ganz Frankreich zu tun haben. Kurz entschlossen wird Dalessius nach Paris geschickt, um die Hintergründe zu ermitteln...

Wer zum ersten Mal ein Buch von De Santis in der Hand hält wird vermutlich ein wenig irritiert sein, denn der Autor verbindet geschickt historische Fakten (z. B. die Hinrichtung Calas und das Eingreifen Voltaires) mit eigenen mitunter mystischen Elementen. So ist "Voltaires Kalligraph" ein kurzweiliger, sprach- und bildgewaltiger Roman, der sich zu einer klassischen "gothic novel" entwickelt. Frankreich im Vorfeld der Revolution, in dem es um die Machtkämpfe des Klerus gegen aufklärerrische Enzyklopädisten (wie eben Voltaire) geht, bei denen sich schließlich die Gruppen der Jesuiten und Dominikaner gegenüberstehen.

Ein weiterer Schwerpunkt ist das Aufkommen der Mechanik bzw. die Entwicklung von Maschinen ("mechanischen Menschen"). So versucht der ehemalige Henker Kolm, der im Verlauf der Geschichte zu Dalessius Helfer wird (ein Kalligraph und ein Henker als Helden - reichlich grotesk), eine mechanische Henker-Maschine zu entwickeln. Der Versuch endet für Kolm (zwangsläufig) fatal, denn die perfekte Tötungsmaschine entwickelte bekanntlich ein gewisser Dr. Joseph-Ignace Guillotin (der wiederum nicht nur Professor der Literatur, sondern auch - ironischerweise - ein Gegner der Todesstrafe war).

Pablo De Santis nimmt die historischen Fakten, verschiebt sie in kleinen Nuancen und ermöglicht somit einen neuen Blick auf die Geschehnisse des 18. Jahrhunderts oder wie der Unionsverlag in seiner Werbung schreibt: "Pablo De Santis erzählt uns die Zeit vor der Französischen Revolution so, wie wir sie garantiert noch nie gesehen haben." Wohl wahr und so ist es bei diesem Buch weit mehr als bei anderen historischen Romanen Geschmacksache, ob man Zugang zu dieser Geschichte findet.

Linienkutschen zum Leichentransport, erfindungsreiche Henker, merkwürdige Schlösser, Teiche voller giftiger Fische, Machtkämpfe des Klerus und vielseitige Einblicke in die Welt der Kalligraphie lohnen die manchmal etwas skurril anmutende Geschichte zu lesen.

Voltaires Kalligraph

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Letzte Kommentare:
24.04.2009 14:50:45
Edith Staschke

Bei der Leküre war ich zwischen Amüsement und Langeweile hin- und hergerissen. Diese Erzählung gleicht den mechanischen Menschen in diesem Buch. Sehr perfekt, sehr gelungen aber letzten Endes fehlt ihnen halt doch das Blut. Eine intellektuelle Spielerei für intelligente gut unterrichtete Leser, die Freude haben, Bekanntes neu zusammengewürfelt zu sehen. Ich war nicht traurig, dass das Buch zu Ende ging, es wird auch gegen das Ende immer schwächer.

31.12.2006 00:10:15
c_plus_plus

Ich habe "Die Fakultät" von Pablo de Santis gelesen, was mir ziemlich gut gefallen hatte. Als ich jedoch dieses Buch las, war ich etwas enttäuscht.

Hauptgrund ist wohl die komprimierte Erzählweise. Man muss jeden Satz aufmerksam lesen, um in der Handlung mitzukommen, die teilweise stark surrealistische Züge annimmt. So habe ich leider mehrmals den Faden verloren. Ab und an wäre ein kurzer, erläuternder Satz hilfreich gewesen.

Letztendlich kann man sagen, dass es ein interessantes, intelligentes, teilweise humorvolles Buch ist, das jedoch seine Tücken hat. Zum einem die eben erwähnte surrealistisch angehauchte Handlung (ich bezeichne das jetzt mal als „Tücke“), zum anderen die Notwendigkeit des ständigen aufmerksamen Lesens. Schnell hat man etwas überlesen und kommt nicht mehr mit, was in Frustration enden kann.

Wer mal etwas von Pablo de Santis lesen möchte (was ich nur empfehlen kann), dem würde ich zum Einstieg eher zu "Die Fakultät" raten, was einfacher zu lesen und meiner Meinung nach spannender ist. Trotzdem ist „Voltaires Kalligraph“ durchaus lesenswert (meine Warnungen bitte bedenken ;-)).

10.10.2006 21:45:44
Sven Lorenz

Keinen Roman habe ich je verschlungen wie diesen. Der Kalligraph ist aus meiner Sicht eindeutig de Santis Meisterwerk (und auch das der Übersetzerin).
Das Buch entführt uns in ein düsteres 18. Jahrhundert, welches von kafkaesken Begebenheiten durchsetzt ist. Jede Seite, jeder Satz, jedes Wort will mit Bedacht aufgenommen werden, um keinen Aspekt der Geschichte zu überlesen. Gerade durch ihre karge, kaum ausgeschmückte Sprache, faszinieren diese 180 Seiten mehr als 500 Seiten anderer Autoren

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