Der Mörder von Greenwood

Erschienen: Januar 1998

Bibliographische Angaben

  • London: Headline, 1993, Titel: 'The assassin in the greenwood', Seiten: 217, Originalsprache
  • München: Droemer Knaur, 1998, Seiten: 251, Übersetzt: Holger Wolandt

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Jörg Kijanski
Zurück zu Robin Hood und dem Sheriff von Nottingham

Buch-Rezension von Jörg Kijanski Nov 2003

1302: König Edward I. von England erhält von seinen Spionen Hinweise auf einen bevorstehenden Angriff König Philips IV. von Frankreich gegen Flandern. Würde dieser gelingen, wäre für England ein wichtiger Schifffahrtsweg versperrt. Edwards bester Spion, Hugh Corbett, soll die Pläne Philips auskundschaften, und schickt seinen Mitarbeiter Ranulf-atte-Newgate nach Paris. Dieser gelangt dort an ein wichtiges Pergament, welches die Pläne Philips enthält. Doch das Schriftstück wurde vom französischen König persönlich codiert...

Währenddessen wird der oberste Steuereintreiber Edwards, Matthew Willoughby, mit seinem Geleittrupp im Sherwood Forrest von einer Bande Räuber angegriffen, deren maskierter Anführer sich als Robin Hood zu erkennen gibt. Willoughby kann zwar entkommen, doch die Steuereinnahmen sind weg und sämtliche seiner Begleiter ermordet. Edward, der einen Angriff auf den schottischen Rebellen William Wallace vorbereitet, befielt zunächst die Nachschubwege nach Norden zu sichern, und daher Robin Hood zu töten oder dingfest zu machen. Doch dieser hat längst wieder zugeschlagen und den Sheriff von Nottingham vergiften lassen. Hugh Corbett und seine Mitarbeiter Ranulf und Maltote reisen nach Nottingham, um in dem Mordfall zu ermitteln. Schnell steht fest, dass sich der Mörder in der Burg befinden muss...

Robin Hoods alter Widersacher Guy of Gisbert bietet Corbett seine Hilfe an und reitet mit seinem Trupp, ohne die Zustimmung Corbetts abzuwarten, direkt in den Sherwood Forrest. Und gerät prompt in einen Hinterhalt...

Doch nicht genug damit: Vor seiner Abreise nach Nottingham hat Corbett vom König erfahren, dass die Franzosen, um ihren Geheimcode zu schützen, einen Meuchelmörder nach England entsandt haben mit dem Ziel, Corbett und alle, die ihn unterstützen, zu ermorden...

Paul Harding liefert mit "Der Mörder von Greenwood" einen zwar kurzen, aber sehr gelungen historischen Roman vor dem Hintergrund der Robin-Hood-Legende. Doch der Leser reibt sich verwundert die Augen: Ist es tatsächlich Robin Hood, der maskiert im Sherwood Forrest sein Unwesen treibt, in dem er nicht nur den Reichen ihr Geld abnimmt, sondern auch rücksichtslos beispielsweise die Gefolgsleute des Steuereintreibers umbringen lässt?

Harding gelingt eine interessante Mixtur aus Kriminalroman, Geschichtsstunde und Robin-Hood-Story, deren atmosphärisch sehr dichte Erzählweise den Leser direkt ins Mittelalter zurückführt. Äußerst plastisch werden die Lebensverhältnisse geschildert und auch der eigentliche Krimiplot als solcher vermag zu überzeugen. So erfährt der Leser am Ende wie der Kampf zwischen Edward und Philip ausging; wer den Sheriff von Nottingham ermordet hat; was (und warum) aus Robin Hood wurde und - natürlich - was sich hinter dem geheimnisvollen Code verbirgt.

Die Ränkespiele zwischen England und Frankreich hätten freilich mehr Raum ausfüllen dürfen. So dienen sie in erster Linie als historische Hintergrundinformation. Für alle Fans von Robin Hood und Leser mit Interesse am Mittelalter oder Geschichte im Allgemeinen ist dieses Buch sehr empfehlenswert.

Der Mörder von Greenwood

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Letzte Kommentare:
24.09.2018 13:51:33
tassieteufel

Während Edward I von England und sein französisches Pendant Philipp offiziell Nettigkeiten austauschen, tobt hinter den Kulissen ein erbitterter Streit. Philipp von Frankreich plant einen Angriff auf Flandern, der englischen Kaufleuten einen wichtigen Seeweg versperren würde. Offiziell kann Edward den Flamen nicht helfen, doch seinen Spionen ist es gelungen, eine wichtige Chiffre abzufangen, nur kann diese keiner lesen, weil der Code fehlt. Auch innenpolitisch hat Edward reichlich Probleme. Der einst begnadigte Räuber Robin Hood ist scheinbar in den Sherwood Forrest zurück gekehrt und treibt dort wieder sein Unwesen. Ein wichtiger Steuereintreiber wurde überfallen und ausgeraubt. Als Hugh Corbett und sein Diener Ranulf in Nottingham eintreffen, müssen sie feststellen, dass auch der Sheriff vergiftet wurde und man dieses Verbrechen ebenfalls Robin Hood zur Last legt.

Der dritte Teil in deutscher Übersetzung und 7. Teil in der englischen Originalversion bietet eine originelle Version der Robin Hood Legende, doch schon am Anfang wundert man sich sehr über den Rächer, der ja bisher den Reichen nahm und den Armen gab, nun ist er plötzlich ein grausamer Mörder, der nicht nur den Großteil der Beute für sich behält, sondern auch durch besondere Brutalität auffällt. Hier rätseln sowohl der Leser als auch Hugh Corbett, der Ermittler des Königs, der wieder mal mehrere Aufgaben gleichzeitig für Edward erledigen muß, was es mit dem gänzlich verändert Robin auf sich hat. Corbetts erbitterter Gegner, Amaury de Craon hat zudem einen Meuchelmörder auf Hugh angesetzt und die Entschlüsselung der chiffrierten Nachricht aus Paris will auch nicht so recht gelingen. Die Lage in der Burg in Nottingham ist auch reichlich prekär, der Sheriff ermordet, auf den Untersheriff wurde ebenfalls ein Giftanschlag verübt und es mehren sich seltsame Vorkommnisse und weitere Anschläge. Es scheint unmöglich, den Räuber im Wald zu schlagen, selbst Robin Hoods alter Gegner Guy of Gisborne scheitert und bezahlt den Versuch mit dem Leben.
Hugh Corbett muß sich hier ganz schön anstrengen, um dem verzwickten Rätsel auf die Spur zu kommen und hier hat der Autor erneut bewiesen, dass er knifflige und komplexe Geschichten ganz hervorragend konstruieren kann. Mit dem Mord am Sheriff gelingt Paul Doherty zudem ein klassischer Mord im verschlossenen Raum, der dann ebenfalls sehr gut gelöst wird. Auch das Szenario auf der reichlich verlotterten Burg ist wirklich gut gelungen und verstärkt die recht düstere Atmosphäre noch. Finstere Keller, Geheimgänge, ein undurchdringlicher Wald in dem die Räuber hausen, nächtliche Feuerpfeile und dreiste Angriffe der Banditen, hier merkt man deutlich, dass der Autor ein Händchen für spannende Szenarien hat. Die Auflösung am Ende ist stimmig, zwar ahnt ein geübter Krimileser, was es hier mit Robin Hood auf sich hat, doch trübt das die Lesefreude gar nicht, denn wer und was sich hinter allem verbirgt, das hat der Autor gut versteckt und enthüllt es am Ende recht spektakulär.
Im Nachtwort gibt es einige interessante Erläuterungen zum Robin Hood Mythos, zu Fakten und Fiktion und der Autor erläuterte ebenfalls, warum er „seinen“ Robin gut 100 Jahre später leben läßt als in den meisten Geschichten rund um den Rächer vom Sherwood.
Im Hintergrund des Krimifalles läuft wieder gelungen das intrigante Ränkespiel zwischen Edward von England und Philipp von Frankreich ab und bietet so einen gelungenen historischen Rahmen für den Krimifall. Der kurzweilige Schreibstil des Autors führt wieder dazu, dass man hier auf sehr unterhaltsame und spannende Weise viel Wissen über eine längst vergangene Zeit geboten bekommt und beim Lesen ins frühe 14. Jahrhundert abtauchen kann.

FaziT: wieder gelingt es dem Autor einen spannenden Krimi in dass reale historische Geschehen Anfang des 14. Jh. einzubetten und mit dem Robin Hood Mythos zu verknüpfen. Alle die gut recherchierte und lebendig erzählte Mittelalter Krimis mögen, sollten hier zugreifen. Nur schade dass der Verlag die ersten und letzten Bände der Serie nicht übersetzt hat.

26.05.2010 13:53:28
Stefan83

In den letzten Jahren habe ich so einige ältere Autoren wieder entdeckt, deren Werke, trotz ihrer großen Qualität, leider seit längerer Zeit nicht mehr unter den lieferbaren weilen. Zu ihnen muss nun auch Paul Harding alias Paul Charles Doherty gezählt werden, der mich mit „Der Mörder von Greenwood“, dem siebten Band der „Sir-Hugh-Corbett“-Reihe, endgültig als treuen Leser gewonnen hat. Eigentlich erstaunlich, sind doch seine Bücher allesamt sehr einfach und schlicht konzipiert, und, im Vergleich zu heutigen historischen Kriminalromanen, von auffälliger Kürze. Das hierin jedoch die Würze liegen kann, hat Harding augenscheinlich früh erkannt. Ohne den historischen Kontext unnötig aufzublähen, hat er mit „Der Mörder von Greenwood“ erneut eine äußerst kurzweilige und vor allem atmosphärische Geschichte aufs Papier gebracht, welche sich diesmal intensiv der Legende um Robin Hood widmet. Allerdings äußerst erfrischend aus völlig anderer Sicht betrachtet:

Wir schreiben den Sommer des Jahres 1302: König Edward I. von England und König Philip IV. von Frankreich tauschen in der Öffentlichkeit diplomatische Nettigkeiten aus, während hinter den Kulissen auf beiden Seiten intensiv für den Krieg gerüstet wird. Dieser tobt, wenn auch bisher nur heimlich, bereits unten den Agenten, die in den Straßen von Paris und London alles daran setzen, Informationen für ihren jeweiligen Herrscher zu gewinnen. Sir Hugh Corbett, Obersekretär und Geheimsiegelbewahrer König Edwards, hat alle Hände voll zu tun, um die Aktionen seiner Spione zu koordinieren, zumal ihm langsam die Zeit davon läuft. Philip plant den englischen Bündnispartner Flandern, von dessen Wolle man wirtschaftlich abhängig ist, anzugreifen und zu besetzen. Doch wo genau wird er zuschlagen? Corbett gelingt es zwar, die Geheimpläne auszukundschaften, muss jedoch erkennen, dass diese mit einem Code verschlüsselt sind, den nicht einmal er zu knacken vermag.

Gleichzeitig ziehen auch an anderer Stelle grauen Wolken auf. Im Sherwood Forest ist es zu mehreren Angriffen auf Händler und königliche Steuereintreiber gekommen. Begangen von niemand geringeren als Robin Hood. Vor vielen Jahren hatte dieser an der Seite Simon de Montforts im Bürgerkrieg gegen den König gekämpft und eine Niederlage erlitten, worauf er sich in die dichten Wälder zurückzog, um von dort gegen Männer in Rüstung, Ritter, Sheriffs und Wildhüter vorzugehen. Er bestahl die Reichen und gab es den Armen. Er wurde zum Geächteten. Und da der Ruhm Robin Hoods bald in aller Munde war, begnadigte ihn der König. Robin kämpfte für „Longshanks“ in den Kriegen gegen die Schotten, bis er des Gemetzels überdrüssig wurde und darum bat, aus dem Militärdienst entlassen zu werden. Ab da verlor sich seine Spur. Nun scheint er wieder da zu sein, allerdings völlig verändert … Jetzt werden arm und reich gleichermaßen beraubt und die Opfer allesamt getötet. Niemand im Gebiet des Sherwood Forest ist mehr sicher.

König Edward schickt deshalb Corbett nach Nottingham, um die dortigen Mordfälle aufzuklären, welche selbst die Burgbewohner und den dortigen Sheriff nicht verschont haben. Gemeinsam mit seinen Gefährten Ranulf und Maltote stellt des Königs bester Mann Nachforschungen an, wobei er gleichzeitig alles daran setzt, die Chiffre zu enträtseln, um Flandern vor Frankreichs kommenden Angriff zu retten. Eine mehr als gefährliche Mission, da sich ein Verräter innerhalb der Burgmauern aufhält und außerdem ein französischer Attentäter Corbetts Fährte aufgenommen hat …

Simon de Montfort? Edward „Longshanks“ I.? Was haben die mit Robin Hood zu schaffen? Wo sind Richard Löwenherz und sein unfähiger Bruder John? Der ein oder andere Leser wird sich vielleicht verwirrt diese Fragen stellen und verwundert die Augen reiben, hat doch Paul Harding die Geschichte Robin of Locksleys um mehr als 150 Jahre nach hinten verlagert und damit in die Kulisse des Schottlandfeldzugs eingebettet. Bevor jedoch Schreie der Entrüstung aufkommen, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass bis zum heutigen Tage die Existenz Robin Hoods, und damit auch die Epoche in der er lebte, nicht zweifelsfrei geklärt ist. Die künstlerischen Freiheiten, welche sich Harding hier also genommen hat, sind somit vollkommen berechtigt, zumal er sie aufs Beste zu nutzen weiß und eine Legende aus anderer Perspektive erzählt, ohne dabei deren Glanz und Mystik zu zerstören. Im Gegenteil: Zum möglicherweise ersten Mal werden Vergangenheit und Taten des Robin Hood historisch glaubwürdig dargestellt. Für mich, seit Walt Disneys herrlicher Verfilmung an dieser sagenumwobenen Figur interessiert, macht allein diese Tatsache Hardings „Mörder von Greenwood“ schon zu einem äußerst empfehlenswerten Lesevergnügen.

Neben diesem historisch akkurat skizzierten Hintergrund stellt der Autor aber auch in Punkto Plotten seine Fähigkeiten erneut unter Beweis. Von Beginn an übt die Handlung eine schon fast unheimliche Anziehungskraft aus, welche durch den mysteriösen Mord in einem geschlossenen Raum (John Dickson Carr lässt herzlich grüßen) noch zusätzlich verstärkt wird. Düstere Kellergewölbe, schattige Wälder, vermummte Waldläufer in Baumkronen, sonnenbeschienene Lichtungen. Hardings bildreiche Sprache ist einfach herrlich stimmungsvoll und macht zumeist auch vergessen, dass die Lösung des Rätsels um den Mörder doch ziemlich offensichtlich geraten ist. Das liegt letztendlich an der überschaubaren Zahl der Figuren, welche zudem schon ziemlich deutlich gezeichnet wurden. Wer böse und wer gut ist, das hat man schnell herausgefunden. Dem Lesespaß tut das keinen Abbruch. Jeder der sich vor historischer Kulisse mit leichtem Schauerfaktor und Gruseleffekten unterhalten lassen kann, ohne jedwedes Detail zu hinterfragen, kommt hier voll auf seine Kosten. „Der Mörder von Greenwood“ regt die Fantasie an, wobei die historischen Ereignisse am Rande stets mit dem großen Zusammenhang verknüpft bleiben. Deswegen mein Rat: Die Serie sofern möglich unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen.

Insgesamt ist „Der Mörder von Greenwood“ der bis hierhin beste Band der „Sir-Hugh-Corbett“-Reihe. Eine echte, allerdings mittlerweile auch sehr rare Empfehlung für alle Freunde von historischen Kriminalromanen, die eine spannende Lektüre für düstere Abende suchen. Mit Sicherheit kein Meisterwerk, aber gute, bodenständige Unterhaltungsliteratur für zwischendurch.