Das Gesetz der Familie

Erschienen: Januar 2003

Bibliographische Angaben

  • Woodstock, NY: Overlook Press, 2001, Titel: 'Paradise Salvage', Seiten: 384, Originalsprache
  • München; Wien: Nagel & Kimche, 2003, Seiten: 443, Übersetzt: Eike Schönfeld
  • München: dtv, 2005, Seiten: 443

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Peter Kümmel
Unterhaltsamer Familienroman ohne großen Tiefgang

Buch-Rezension von Peter Kümmel Sep 2003

Bisher ist John Fusco nur als Drehbuchschreiber in Erscheinung getreten. Nun legt er seinen ersten Roman vor. Man musste deshalb befürchten, dass man einen verfilmbaren Krimi nach bester Hollywood-Manier zu lesen bekommt. Um so größer die Überraschung, dass "Das Gesetz der Familie" so völlig anders ist. Fusco zeigt sich als brillanter Erzähler, mitunter verlässt er dabei sogar den Pfad des Realismus und erinnert an große Schriftsteller wie Marquez.

Bei der Story, die Fusco aus der Sicht eines 13-jährigen Jungen erzählt, geht es zwar um eine Leiche, um Gangster und Betrug im großen Stil, doch ist der Roman nur in zweiter Linie Kriminalroman, vorrangig beschreibt der Autor die Geschichte einer Jugend und einer Stadt, in der Ende der 70er Jahre die verschiedensten Kulturen neben- und miteinander leben.

Mit 13 Jahren ist für den aus einer italienischen Familie stammenden Annunziato Paradiso, genannt Nunzio, die unbeschwerte Kindheit in der neuenglischen Kleinstadt Saukiwog Mills vorbei. Ab jetzt muß er im väterlichen Schrotthandel mitarbeiten. Im Familienbetrieb mit dabei ist außer seinem Vater Big Dan auch noch sein 19-jähriger Bruder Little Dan, und auch der Großvater hilft noch mit. Der Schock bei Nunzio sitzt tief, als er gleich an seinem ersten Tag im Kofferraum eines zu verschrottenden 73er Pontiac Bonneville eine männliche Leiche entdeckt. Vor Schreck erstarrt kann er nicht mehr verhindern, dass das Auto in die Schrottpresse wandert. So glaubt ihm außer seinem Bruder Danny keiner die Geschichte von dem Toten im Kofferraum.

Also machen sich die beiden Brüder auf eigene Faust auf. Um herauszufinden, wer der Tote ist, kontaktieren sie einen Verwandten, der aus unbekannten Gründen aus der Familie verstossen wurde, Nunzios Paten Angelo, einen ehemaligen Polizisten, der an den Rollstuhl gefesselt ist. Zusammen mit einem Äffchen, das den Gelähmten betreut und der Taxifahrerin Johnny bilden die drei ein ungewöhnliches Team.

Doch auch unter den anderen Charakteren sind einige schräge Vögel zu finden. Mit viel Liebe zum Detail führt uns Fusco in die im Umbruch befindliche heruntergekommene Stadt ein. "Renaissance City" heißt das Projekt von Bürgermeister Longo, durch das Saukiwog Mills nach dem Niedergang der Messingindustrie wieder bessere Zeiten erleben soll. Sicher kein einfaches Unterfangen bei den vielen verschiedenen Gruppierungen, die in der Stadt leben. Die Italiener haben mit dem "kleinen Stiefel" ein eigenes Viertel geschaffen, aber auch Litauer und Puertorikaner sind zahlreich vertreten.

Nunzio sieht sich selber als Amerikaner, doch stehen die italienischen Traditionen der Familie im Vordergrund. Dies ist teilweise ganz interessant und auch amüsant, doch durch die außerordentlich detaillierte Beschreibung bringt Fusco leider einige Längen in das Buch.

Es wird an vielen Stellen deutlich, dass der Autor im Filmgeschäft zu tun hat. So nimmt er Anleihen an verschiedenen Mafia-Filmen und sorgt auch dafür, dass sein Roman zur Hommage an Robert de Niro und insbesondere dessen Film "Taxi Driver" wird.

"Das Gesetz der Familie" ist eine amüsante Erzählung zwischen Mafia-Thriller und Milieustudie mit viel Atmosphäre, bei der jedoch über weite Strecken die Spannung fehlt. Am meisten Spaß machen die flapsigen Dialoge und die amüsanten Randgeschichten. Doch nicht immer fügen sich alle Szenen harmonisch in die Handlung ein.

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