Ich, Dreyfus

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • London: Little, Brown, 1999, Titel: 'I, Dreyfus', Seiten: 276, Originalsprache
  • Bielefeld: Pendragon, 2001, Seiten: 319, Übersetzt: Gabriele Haefs
  • München; Zürich: Piper, 2003, Seiten: 318
  • Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2008, Seiten: 7, Übersetzt: Alexander Bandilla

Couch-Wertung:

84°
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Peter Kümmel
Langsam und feinfühlig werden die Emotionen des Lesers geweckt

Rezension von Peter Kümmel Aug 2003

Das Buch beginnt im ersten Wort mit einem Druckfehler: "Erster Buch". Zwar endet es auch mit einem solchen, denn das Kapitel zwischen dem 36. und dem 38. ist mit "33. Kapitel" überschrieben, doch was dazwischen liegt, ist ein erschütternder Roman bester Qualität, der den Leser mitfiebern und mitleiden lässt und ihn bis zum Schluß in seinem Bann hält.

Der Klappentext nimmt leider wieder einmal einiges von der Spannung. Denn der Roman tastet sich nur ganz langsam an das Verbrechen vor, für das der Schuldirektor Sir Alfred Dreyfus verurteilt wurde und erst in der Mitte des Buches erfährt der Leser, was denn genau der Grund dafür war, dass sich der Protagonist im Gefängnis befindet.

Der Name der Hauptfigur - Alfred Dreyfus - steht im Buch symbolisch für die ungerechtfertigte Beschuldigung eines Juden und antisemitische Stimmung. Die "Dreyfus-Affäre" brachte Frankreich vor hundert Jahren in eine schwere innenpolitische Krise, nachdem der jüdisch-französische Artillerieoffizier Alfred Dreyfus 1894 wegen Verrats militärischer Geheimnisse zu lebenslänglicher Deportation nach Cayenne verurteilt wurde.

Der Roman beginnt mit mehreren Briefen, in denen ein Verleger dem im Gefängnis sitzenden Alfred Dreyfus den Vorschlag unterbreitet, seine Geschichte aus seiner Sicht in einem Buch zu veröffentlichen. Dann beginnt besagter Alfred Dreyfus zu erzählen und der Leser darf an dessen Gedanken teilhaben und miterleben, wie er schließlich den Entschluß fasst, seine Geschichte zu erzählen.

Zur zweiten Hauptperson des Romans wird Sam Temple, ein Literaturagent. Seine Einführung im zweiten Kapitel lässt einen Charakter erwarten, der ein Geschäft gewittert hat und nun versucht, für sich selber den größten Nutzen zu ziehen. Doch seine weitere hervorragend dargestellte Entwicklung lässt ihn neben Dreyfus zum zweiten Sympathieträger werden. Es macht Spaß zu lesen, wie Dreyfus und Temple nur langsam Zugang zueinander finden und sich daraus eine enge Freundschaft entwickelt.

Fortan besteht das Buch aus dem stetigen Wechsel zwischen Dreyfus´ Erzählungen und dem Geschehen außerhalb des Gefängnisses, worin geschildert wird, wie Temple und Dreyfus´ Bruder mit großem Eifer bemüht sind, Beweise für dessen Unschuld zu finden und ein Wiederaufnahmeverfahren zu erreichen.

Viele der weiteren Charaktere werden zwar von der Autorin in ein Schwarz-Weiß-Schema gepresst, doch weckt neben der langsamen und feinfühligen Darstellung der Leiden des Inhaftierten gerade dies die Emotionen des Lesers. Beeindruckend die Schilderungen des Ich-Erzählers, der durch traumatische Erlebnisse in seiner Kindheit seinen Glauben verheimlicht und verleugnet, weil er überzeugt ist, sich anpassen zu müssen, um von seiner Umwelt akzeptiert zu werden.

Stark auch die Schilderung der Gerichtsverhandlung. Man hat dabei den Eindruck, der Roman spielt in einer früheren Zeit. Ob von der Autorin beabsichtigt oder nicht, sei dahingestellt.

Bernice Rubens´ Roman ist eine schriftstellerische Glanzleistung, die sich mit einfachen Mitteln mit dem immer noch aktuellen Thema Antisemitismus in England beschäftigt und eine Anklage gegen die Intoleranz der Bevölkerung darstellt. Dabei erzeugt sie die Spannung eher unterschwellig durch die Betrachtung der Gefühle der Charaktere und vermeidet effektheischende Szenen.

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