Home Before Dark

  • Kiepenheuer & Witsch
  • Erschienen: Mai 2026
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Carola Krauße-Reim
89°1001

Krimi-Couch Rezension vonSep 2026

Ein echter Ægisdóttir.

Marsibil hat einen geheimen Brieffreund. Als sie ihn endlich treffen will, schafft sie es nicht. In der gleichen Nacht verschwindet ihre ältere Schwester Kristín spurlos. Seitdem sind zehn Jahre vergangen, doch Marsibil lässt die Vergangenheit nicht los, Schuldgefühle plagen sie. Als sie wieder einmal in ihrem abgelegenen Heimatdorf ist, versucht sie mehr über diesen schrecklichen Abend herauszufinden. Sie erfährt Dinge, die sie erschüttern und ihre ganze Vergangenheit in Frage stellen.

1966 und 1977

Die Ereignisse aus dem Jahr 1977 lässt Ægisdóttir Marsibil aus ihrer Sicht erzählen. Die bis zur tragischen Nacht 1966 dagegen werden von Kristín wiedergeben. Das gibt uns einen Einblick, was in der Zeit vor dem Verschwinden geschah. Was sich kurz danach ereignete, erfahren wir wieder rückblickend von Marsibil. Das erzeugt Spannung, die allerdings im Mittelteil ziemlich abflacht, da immer wieder die gleichen Fragen gestellt und immer wieder neu durchgekaut werden, ohne dass viel Neues dabei herauskommt. Erst im letzten Drittel des Buches nimmt die Handlung und damit auch die Spannung an Fahrt auf. Jetzt überschlagen sich die neuen Entwicklungen fast und das Finale hält so einige Wendungen und Überraschungen bereit.

Marsibil hat große Probleme

Marsi leidet seit dem Verschwinden ihrer Schwester unter Schuldgefühlen. Die werfen sie ziemlich aus der Bahn. Ihr Studium schmeißt sie hin, beruflich ist sie seitdem ständig auf der Suche. Im Privatleben läuft es nicht viel besser. Sie trinkt viel zu viel, sucht Ablenkung durch ständig wechselnde Sexpartner und hat einfach die Bodenhaftung verloren. Das Verhältnis zu ihren Eltern, besonders zur Mutter, ist auch nicht das Beste. Unter diesen Voraussetzungen kehrt sie zum jährlichen Besuch in ihr Heimatdorf zurück und stellt sich nicht nur dem Verschwinden ihrer Schwester, sondern auch deren Persönlichkeit, die alle etwas anders sehen.

Kristín ist ein typischer Teenager, der allerdings einer Suche nachgeht, die ihr Interesse über Jungs, Mode und Malen hinaus zeigt. Interessanter aber ist Marsibil, die so sehr mit sich selbst zu kämpfen hat. Ihr Leben zeigt aber auch die Probleme von Jugendlichen in Island im Allgemeinen, die wohl auch heute noch existieren. Die fehlenden beruflichen Möglichkeiten außerhalb der Hauptstadt und das Problem des Alkohol- und Drogenkonsums ist allgegenwärtig und zeigt eine Gesellschaft, die sich am Abgrund bewegt. Alles zusammen betrachtet, hat Ægisdóttir wieder einen für sie typischen Thriller abgeliefert: Die Spannung nimmt erst recht spät zu und die Probleme in einer Familie stehen im Mittelpunkt.

Fazit

„Home before dark“ wird erst relativ spät richtig fesselnd, aber dafür lohnt sich das Durchhalten. Und soziale und familiäre Probleme dominieren wieder einmal das Geschehen. Damit hat Ægisdóttir abermals einen für sie typischen Thriller abgeliefert, den es zu lesen lohnt.

Home Before Dark

Eva Björg Ægisdóttir, Kiepenheuer & Witsch

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