Blut für Blut
- Scherz
- Erschienen: September 2026
- 5


Steigende Spannung und überstürztes Ende.
Sophie Roth hat ihre Flucht aus einer schwierigen Beziehung genau geplant und nur das Nötigste mitgenommen. Sie sucht Schutz in einem alten Bauwagen, den sie bei einer Fotoreportage entdeckt hat. Obwohl ihr Ex-Partner diesen Ort nicht kennt, hat Sophie das Gefühl, beobachtet zu werden.
Die Last der Vergangenheit
Für Sophie ist der Neuanfang nicht leicht. Mit größter Vorsicht beginnt sie ihr neues Leben, ohne dass ihr Ex-Partner sie gleich finden kann. Als Fotografin hat sie bereits früher im Auftragsverhältnis gearbeitet. Auf dieser Grundlage richtet sie eine neue Internetseite mit Bildern ihres Könnens ein. Unerwartet rasch trifft eine Anfrage für Aufnahmen einer wohlhabenden Familie ein. Obwohl sie keine Porträtfotografin ist, nimmt sie den großzügig bemessenen Auftrag an. Als Sophie die ersten Fotos entwickelt, entdeckt sie darauf etwas, das sie zutiefst irritiert und schockiert. Sie fühlt sich um zwanzig Jahre in ein Ereignis zurückversetzt, das sie tief in ihrem Inneren vergraben hat.
Zu viele Fährten
Der Prolog zu Anna Schneiders erstem Psycho-Thriller bleibt rätselhaft. Erst viel später wird klar, was es damit auf sich hat. Die Autorin schildert Sophies Flucht in ein neues Leben zunächst ruhig und lässt noch offen, was die junge Frau alles hinter sich gelassen hat. Aus unterschiedlichen Perspektiven baut Anna Schneider dann die Spannung auf. Sie springt zwanzig Jahre zurück, um dann wieder in die Gegenwart zurückzukehren. Mal ist sie die Ich-Erzählerin, mal die Betrachterin. Unregelmäßig taucht eine weitere geheimnisvolle Person auf, die ebenfalls Details aus der Vergangenheit preisgibt. Die zahlreichen Hinweise und Sichtwechsel sind faszinierend, wirken aber stellenweise überfordernd. Dennoch fesselt die Geschichte, doch das Ende enttäuscht leider. Die Auflösung wirkt konstruiert und wie ein hastiger Schlusspunkt, der die sorgfältig aufgebaute Spannung abrupt beendet.
Fazit
Die schnellen Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart sind gewöhnungsbedürftig. Der Spannungsaufbau ist jedoch hervorragend gelungen. Leider verliert die Handlung zum Ende hin genau dieses Packende und fällt in sich zusammen. Der wahre Reiz dieses Thrillers liegt eindeutig in seiner Atmosphäre, die aus der Ungewissheit, dem Nicht-Greifbaren und der langsamen Auflösung entsteht.

Anna Schneider, Scherz

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