Septembermord (Ein Fall für Bridge und Ward 1)
- Piper
- Erschienen: Juli 2026
- 6


Ein Dorf steht unter Verdacht.
Es ist ein unwirkliches Bild, das sich den Ermittlern nachts auf einer Küstenstraße nahe dem kleinen Dorf Fleetcombe bietet: Ein Leichnam wurde auf einen Holzstuhl gefesselt, die untere Körperhälfte steckt in einem Sack, auf dem Kopf ein riesiges Hirschgeweih. Das Opfer ist kein Unbekannter. Es handelt sich um Jim Tiernan, Pub Besitzer und Ex-Sträfling, der am Abend zuvor noch Streit mit seinen Gästen hatte. Kein einfacher Fall für Detective Sergeant Nicola Bridge, die erst vor einigen Wochen aus Liverpool in ihre Heimat nach West Dorset zurückgekehrt ist.
Zusammen mit dem noch unerfahrenen Detective Constable Harry Ward muss sie bei ihren Ermittlungen feststellen, dass beinahe jeder im Dorf verdächtig erscheint. Dabei stoßen beide auf eine Wand des Schweigens. Was ist wirklich in der verhängnisvollen Nacht geschehen und wer könnte ein Motiv haben? Erst die Zeugenaussage eines kleinen Mädchens bringt Bridge und Ward auf die richtige Spur. Doch der Fall ist komplexer, als es das Ermittlerteam erwartet hat, denn nichts scheint ein Dorf mehr zu vereinen als Geheimnisse.
Erfinder der „Broadchurch“-Reihe
Chris Chibnall ist ein erfolgreicher Drehbuchautor. Zu seinen bekanntesten Werken gehören „Doctor Who“, „Agatha Christie’s Seven Dials“ und die Krimi-Drama-Serie „Broadchurch“, mit der der nun im Piper Verlag erschienene Debütroman „Septembermord“ gleich mehrere Parallelen aufweist. Beides spielt in einem fiktiven Küstenort im Südwesten Englands, deren Bewohner im Mittelpunkt rund um die Geschehnisse in einem Mordfall stehen. Ebenso wie in der Serie müssen sich die Ermittler auch im Roman durch ein Dickicht aus Lügen, Misstrauen und Geheimnisse kämpfen, um dem Täter auf die Spur zu kommen.
Ein klassischer englischer Whodunit vor bekannter Krimikulisse, der zwar weder inhaltlich noch hinsichtlich der Erzähltechnik Neues zu bieten hat, aber mit einer gelungenen Atmosphäre, einem wendungsreichen Plot und vor allem einem sympathischen Ermittlerteam zu überzeugen weiß, auch wenn dessen Darstellung etwas klischeehaft erscheinen mag. Dass Chibnall Drehbuchautor ist, merkt man dem Roman an: Auf der einen Seite versteht es der Brite, wunderbar szenisch zu schreiben und starke Dialoge zu entwickeln, auf der anderen Seite gerät die Figurendarstellung oftmals etwas skizzenhaft. Insgesamt funktioniert die Darstellungsweise dennoch. Chibnalls Debüt bietet solide und unterhaltsame englische Krimikost.
Interessantes Ermittlerteam
Der Roman stellt den Auftakt einer Reihe rund um das Ermittlerduo Nicola Bridge und Harry Ward dar. „The Parkwood Murders“, der zweite Band der Serie, erscheint aktuell in Großbritannien. Der erfahrene Drehbuchautor Chibnall versteht es, nicht nur in Bezug auf den Mörder, sondern auch das neue Ermittlerteam „Spuren“ zu legen, denen man in den nächsten Bänden noch folgen darf.
Die 38-jährige DS Bridge war in Liverpool eine Spezialistin für Bandenkriminalität und eine angesehene Kommissarin. Warum die erfahrene Ermittlerin mit ihrem Mann und Sohn Ethan nun wieder in ihre Heimat zieht, bleibt zunächst unklar. Zu ihrer eigenen Überraschung erhält sie aus Umstrukturierungsgründen die Aufsicht über gleich drei Grafschaften. Zusätzlich bekommt es Bridge mit dem unerfahrenen, aber enthusiastischen und lernwilligen Harry Ward zu tun, einem Quereinsteiger, dessen Familie ebenfalls aus der Gegend stammt. Die Furcht vor seiner neuen Chefin weicht zunehmend, während der gegenseitige Respekt wächst.
Da es an dem nötigen Geldern fehlt und sich der Bau der neuen Dienststelle über Jahre verzögert, muss Bridge zusammen mit ihrem Team in ein leerstehendes Bankgebäude umziehen. Zur Einheit gehört neben Bridge und Ward noch Mel Hardiman, ein schüchterner, zurückhaltender Polizeibeamter, der für den Papierkram und die Analyse von Dokumenten zuständig ist, was ihm aber große Freude macht. Der stets etwas missmutig auftretende Hardiman leistet aber exzellente Arbeit, was ihm zunehmend die Anerkennung und Wertschätzung seiner Kollegen einbringt. Die Heterogenität des Ermittlerteams sorgt für die nötige Dynamik und Unterhaltung innerhalb der Handlung.
Mörder aus der Dorfgemeinschaft
Der Roman lebt neben dem starken Ermittlerteam und dessen guter Ermittlungsarbeit besonders von der Darstellung der Dorfgemeinschaft und deren Verbindungen untereinander. Durch wechselnde Perspektiven erfährt man zunehmend mehr über die einzelnen Figuren und deren Geheimnisse. Gleichzeitig nutzt Chibnall diese, um geschickt Spuren zu legen und beinahe jeden im Dorf als potentiellen Mörder darzustellen. Auch wenn dieses Prinzip auf Dauer wenig überraschend erscheint, trägt es doch zu einer interessanten Jagd nach dem Täter bei, dessen Motiv am Ende weniger spektakulär ist, als es der vermeintliche Ritualmord zunächst vermuten lässt. Alles andere würde aber auch gar nicht zu diesem Roman passen.
Fazit
„Septembermord“ bietet klassische britische Krimiunterhaltung. Auch wenn Chris Chibnall auf gewohnte Inhalte und Figuren zurückgreift, setzt er die Handlung packend und temporeich um. Der insgesamt gut funktionierende Krimi fesselt den Leser und erinnert in seiner Gestaltung an einen klassischen Whodunit des Golden Age. Ein gelungener Reihenstart, der durchaus Lust auf mehr macht.

Chris Chibnall, Piper

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