Bruderherz
- Goldmann
- Erschienen: September 2026
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Spannend, schmerzvoll, bewegend – Ein grandioser Thriller.
Von einem scheint Arlo Hackett überzeugt: Sein Leben hat nach zwölf Jahren der Haft im Long Bay Jail keinen Wert mehr. Als er in seine australische Heimatstadt Yulara zurückkehrt, schlägt ihm blanker Hass und Wut entgegen. Die Bewohner haben nicht vergessen, weswegen er einst angeklagt wurde: Arlo soll seinem Bruder Luke zur Flucht verholfen haben, nachdem dieser angeblich ein junges Mädchen vergewaltigt und getötet haben soll. Doch bis heute ist Arlo davon überzeugt, dass sein autistischer Bruder nicht zu einer solchen Tat fähig ist. Trotz aller Feindseligkeit will er herausfinden, was damals in der verhängnisvollen Nacht wirklich geschehen ist. Während er versucht, zusammen mit der Anwältin Camille Gutterson neuen Hinweisen nachzugehen, muss sich Arlo auch seinen eigenen schmerzvollen Erinnerungen stellen. Gleichzeitig ist es ein letzter Versuch, zwischen Schuldgefühlen und dem Wunsch nach Gerechtigkeit den Weg zurück ins Leben zu finden.
Mehr als ein Thriller
Über Autor Michael Robotham muss eigentlich nicht viele Worte verlieren. Der Australier gehört vor allem seit seiner Reihe um den renommierten Psychologen Joe O’ Loughlin und DI Vincent Ruiz zu den besten Thrillerautoren weltweit. Und doch überrascht Robotham mit seinem zwanzigsten Roman den Leser. „Bruderherz“ darf ohne Zweifel als „Schubladenroman“ bezeichnet werden, denn genau dort schlummerte er viele Jahre vor sich hin, nachdem Robotham 1982 mit dem Roman begonnen und ihn sechs Jahre später fertigstellt hatte. Es ist der persönlichste Roman des Autors, erinnert Yulara doch an die Stadt, in der er einst aufwuchs und seine Kindheit verbrachte. Vielleicht ist dies mit ein Grund dafür, dass der Roman kein klassischer Thriller ist, sondern auch Elemente des Coming-of-Age, verbunden mit einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte, enthält. Robotham beweist, dass er mehr als ein begnadeter Thriller-Autor ist.
Man erkennt in seinem „Debütroman“ – übrigens bislang der einzige, der in seiner australischen Heimat spielt - ohne Zweifel Robothams späteren Schreibstil wieder. Dies mag auch daran liegen, dass er in den letzten Jahren immer wieder am Stoff und den Figuren gearbeitet hat. Dennoch besitzt der Roman einen anderen Klang, denn es fällt auf, dass der Autor deutlich mehr Wert auf seine Figuren statt wie gewohnt auf Tempo und atemlose Spannung legt. Hier geht es in erster Linie nicht um schockierende Plot-Twists oder einen bestialischen Killer. Im Mittelpunkt steht weniger der Täter, sondern vielmehr der Umgang mit der schrecklichen Tat. Robotham setzt deswegen auf psychologische Tiefe und eine genaue Figurenzeichnung – und beides gelingt ihm in beeindruckender Weise.
Schuld und Sühne
Der Australier nutzt als Setting für seine Geschichte den Mikrokosmos Yularas, eines kleinen Ortes, in dem seit Jahrzehnten jeder jeden kennt. Auch zwölf Jahre nach der Tat haben sich Arlos Heimatstadt und deren Bewohner kaum verändert. Der Ort hat mit der damaligen Tat seine Unbeschwertheit verloren, aber gleichzeitig Schuld auf sich geladen. Dies gilt selbst für Instanzen wie den Pfarrer oder die Polizei, die eigentlich für Hilfe, Fürsorge und Schutz stehen sollten. Auch sie haben damals versagt. Weil keiner die Wahrheit sehen wollte. Weil der Täter für alle naheliegend war. Weil Ansehen mehr zählt als Gerechtigkeit. Seine Rückkehr reißt nicht nur bei Arlo, sondern bei allen Beteiligten alte Wunden auf. Als der auf Bewährung freigelassene Arlo dann auch noch einen rätselhaften Brief aus der Zeit des Mordfalls findet, ist seine Neugierde geweckt. Endlich scheint er einen Hinweis auf Lukes Unschuld in Händen zu halten. Doch mit seiner Suche nach dem wahren Täter setzt er eine Kette von Ereignissen in Gang, in deren Zentrum die Frage steht, was damals wirklich geschah.
Zwischen Gegenwart und Vergangenheit
Im Mittelpunkt des Romans steht neben dem 38-jährigen Arlo vor allem seine Beziehung zu Saxon, dem ermordeten Mädchen. Beide lernten sich wenige Monate vor der Tat kennen. Die 17-jährige ist ein wahrer Wildfang: unberechenbar, schlagfertig, hochemotional und ungestüm. Auch der damals sieben Jahre ältere Arlo kann sich ihrem Charme nicht entziehen. Dennoch bleibt er auf Distanz, auch wenn es ihm schwer fällt. Auf der Flucht vor ihrem gewalttätigen Vater, einem Parlamentsabgeordneten, findet Saxon bei Arlo, dessen autistischen Bruder Luke und deren Mutter Unterschlupf. Doch das wird nicht von allen im Ort gerne gesehen. Als Arlo nach seiner Rückkehr nun das Haus seiner Mutter, die mittlerweile nach einem Schlaganfall im Pflegeheim lebt, wieder in Stand setzt, entdeckt er ihm einstigen Zimmer Saxons deren Tagebuch. Während er sich anfänglich noch scheut, es zu lesen, hilft es ihm später bei der Suche nach der Wahrheit. Gleichzeitig begibt sich Arlo damit auf eine Reise in die Vergangenheit – voller Wehmut, Schmerz, aber auch unvergesslichen Momenten.
Fazit
Ein Roman, dessen sich langsam entfaltender Wucht man sich nicht entziehen kann. Spannung, Dialogführung, Figurenzeichnung, Timing: Hier stimmt einfach alles. „Bruderherz“ ist ein ebenso packender wie bewegender Roman, der voller Wärme ist, aber auch weh tut und schmerzt. Aber genau das zeichnet gute Thriller aus.

Michael Robotham, Goldmann

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