Ans Dunkel gewöhnt

Erschienen: Januar 2001

Bibliographische Angaben

  • New York: St. Martin’s Press, 1996, Titel: 'Accustomed to the Dark', Seiten: 245, Originalsprache
  • München: dtv, 2001, Seiten: 292, Übersetzt: Klaus Schomburg

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Michael Drewniok
Gewaltsames Ende eines Wochenendes

Buch-Rezension von Michael Drewniok Aug 2003

Joshua Croft und Rita Mondragòn, seine Lebensgefährtin und Geschäftspartnerin in ihrer kleinen Detektei in Santa Fé, US-Staat New Mexico, freuen sich auf ein geruhsames Wochenende, als ein Gewehrschuss die trauliche Szene jäh beendet: Rita wird von der Kugel am Kopf getroffen.

Nach dem Täter muss der geschockte Croft nicht lange fahnden: Ernie Martinez ist zurück. Vor sechs Jahren hatte der psychopathischen Gewaltverbrecher schon einmal versucht Rita umzubringen. Bei ihrem Ehemann war ihm das auch gelungen. Croft, damals ein enger Freund des Paares, hatte Martinez gestellt und dabei fast umgebracht. Seitdem saß Martinez im Staatsgefängnis von New Mexico. Dort war er kurz vor dem Anschlag ausgebrochen, doch durch eine Verkettung unglücklicher Umstände hatte es die Polizei versäumt, Croft und Mondragòn davon in Kenntnis zu setzen und somit zu warnen.

Drei mörderische Musketiere

Rita kommt knapp mit dem Leben davon, versinkt jedoch im Koma. Der ebenso hilflose wie zornige Croft beschließt, Martinez auf eigene Faust zu verfolgen und auszuschalten. Die Polizei ist über die Einmischung wenig erfreut - und das ist noch untertrieben, als Croft die ersten Leichen entdeckt. Im Gefängnis hat sich Martinez mit dem Luiz Lucero zusammengetan. Der Drogendealer und sadistische Serienmörder verfügt über Geld und Verbindungen, was ihm und seinem Kumpanen ermöglicht, außerhalb der Schusslinie der Polizei zu bleiben - und ihrer Rache zu frönen: Kaum wieder frei, beginnen Lucero und Martinez damit, jene Unglücklichen umzubringen, die einst halfen, sie hinter Gitter zu bringen.

Das unheilige Trio wird komplettiert durch Sylvia Miller, eine scheinbar biedere, ja spießige Bankangestellte mittleren Alters, die - wie Croft herausfindet - ein bizarres Doppelleben führt und auf ihre Weise kaum weniger verrückt ist als Lucero und Martinez. Nun hat sie sich kompromisslos entschieden, den beiden Desperados zu folgen, und buchstäblich alle Brücken hinter sich verbrannt. Gemeinsam zieht man mordend durch den Süden der Vereinigten Staaten; eine irrwitzige Odyssee, die auch den rachsüchtigen Croft zunehmend in ihren Bann schlägt ...

Die im Dunkel sieht man doch ...

”Ans Dunkel gewöhnt sich, wem das Licht genommen wird”, schrieb einst Emily Dickinson (1830-1886) in einem ihrer Gedichte. Das ist zwar einerseits eine Binsenweisheit, doch andererseits auch schrecklich wahr, wie Walter Satterthwait im vorliegenden Roman eindrucksvoll zu begründen weiß. Ernie Martinez, Luiz Lucero und vor allem natürlich Sylvia Miller wandeln wahrlich auf der finsteren Seite des Lebens, aber auch Joshua Croft gerät zusehends in Gefahr, sich dort zu verirren, wohin ihn seine Rachegelüste treiben.

Die bittere Spirale der Gewalt

Crofts Jagd gewinnt bis zum bitteren Finale zusehends manische Züge. ”Ans Dunkel gewöhnt” ist nur auf den ersten Blick ein Kriminalroman. Die geradezu klassischen Elemente sind zwar alle vorhanden - Detektiv jagt psychopathische/n Serienmörder, ein Plot, der inzwischen fast zur eigenen Parodie verkommen ist. Aber Satterthwait schlägt aus dem stumpfen Lecter-Stein doch eine Menge neuer Funken. Zu einem `normalen' Thriller fehlen fast völlig die üblichen Action-Elemente, die Verfolgungsjagden und Schießereien. Erst wenn sich Jäger und Gejagte schließlich gegenüberstehen, wird es turbulent und damit konventionell; auch Satterthwait weiß diese Situation nicht anders als gewaltsam aufzulösen; allerdings dürften sich abgebrühte Gewaltverbrecher wie Martinez und Lucero kaum durch gutes Zureden zurück ins Gefängnis locken lassen ...

Reise durch ein düsteres Amerika

Bis es so weit ist, bleibt ”Ans Dunkel gewöhnt” eher ein literarisches Roadmovie; eine Reise durch ein Amerika fern des Hochglanzes, mit dem sich dieses Land gern seinen Besuchern präsentiert, und für Joshua Croft gleichzeitig eine Reise in die eigenen Vergangenheit.

Denn er hat viel Zeit, während er dem Attentäter, dem Lustmörder und der Gangsterbraut folgt. Im Auto und in schäbigen Hotels denkt er daher immer wieder zurück und durchlebt noch einmal seine Anfänge als Detektiv im heißen Süden der Vereinigten Staaten - und den Beginn der Beziehung zu Rita Mondragòn, die sich - ebenfalls sehr klassisch - unter Schmerzen und aus einem Dreiecksverhältnis heraus entwickelte.

Ernie Martinez hat die enge Verbundenheit zwischen Croft und Mondragòn mit unfehlbarem Instinkt erkannt; deshalb rächt er sich auch nicht an Croft, der ihn mehrfach gedemütigt und schließlich ins Gefängnis gebracht hat, direkt, sondern an dem Menschen, der Croft der wichtigste auf der Welt ist. Martinez' Rache ist sogar abgefeimter, als Croft dies erkennen kann: Statt am Krankenbett zu verharren und der Polizei die Hatz auf den Meuchelmörder zu überlassen, lässt sich Croft auf einen ebenso sinnlosen wie gefährlichen Einmann-Feldzug locken. In gewisser Weise ist er also nicht besser als sein Gegner, und genau das werfen ihm seine Freunde vor. Und je länger die Verfolgung dauert, um so deutlicher erkennt Croft, dass im Grunde er selbst es war, der den Startschuss für Ernie Martinez' Terror gegeben hat.

Auch Söldner lieben Barbiepuppen!

Es menschelt mächtig in diesem Thriller. Aber keine Sorge: Unter der psychologisch etwas überfrachteten Story leidet der Unterhaltungswert an keiner Stelle. ”Ans Dunkel gewöhnt” ist einfach gut geplottet, gut geschrieben und immerhin leidlich gut übersetzt. (Der Verzicht auf einige "Yeahs” würde die Lektüre bereits deutlich angenehmer gestalten ...) Auch Humor kommt wohl dosiert zum Zuge in der Figur eines Barbiepuppen sammelnden, eisenharten Söldners.

Schrecklich gern würde man wissen, ob und wie es denn nun weitergeht mit Joshua Croft und Rita Mondragòn. Leider hat sich Walter Satterthwait nach diesem fünften Roman der Reihe anderen Themen zugewandt. Ohnehin ist er eher ein gründlicher als ein schneller Autor, so dass die Pause durchaus noch eine Weile dauern könnte. In Interviews weist Satterthwait außerdem gern darauf hin, dass er die Croft/Mondragòn-Reihe erst einmal zu einem logischen Ende geführt hat; er kann sie von daher tatsächlich ruhen lassen, doch als Leser hofft man sehr, er werde sich bald eines anderen besinnen: nicht der schlechteste Eindruck, den eine Lektüre hinterlassen kann!

Ans Dunkel gewöhnt

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Letzte Kommentare:
10.05.2011 00:05:28
koepper

Ich mag Satterthwait. Allerdings ist "Ans Dunkel gewöhnt" eine Enttäuschung. Das Buch ist weder Fisch noch Fleisch. Die Geschichte, die Satterthwait erzählt ist nicht sonderlich orginell und wird auch nicht spannend dargeboten. Zwei Gangster brechen mit Hilfe einer scheinbar unbescholtenen Frau aus dem Gefängnis aus, schießen auf die Freundin von Joshua Croft und verletzen sie derart, dass sie nach einer Notoperation im Koma liegt. Croft begibt sich auf die Jagd. Die Jagd findet hauptsächlich auf der Straße statt. Satterthwait beschreibt, wie er mit dem Auto von A ´nach B kommt und das ist für Ortskenner schon mäßig spannend, für Menschen, die die örtlichen Gegebenheiten nicht kennen, ist das einfach ermüdend. Nervig ist auch die schlampige Übersetzung mit den unzähligen " Yeahs". Auch die Auflösung bietet nichts Überraschendes. Insgesamt wird eine einfache Geschichte erzählt, die weder sprachlich noch inhaltlich etwas besonderes hergibt. Satthertwait kann wesentlich mehr. Dieses Buch ist nichts besonderes, keine Empfehlung.

10.02.2008 14:35:30
Luca

Ein gutes Buch.
Eigentlich ist man die ganze Zeit über mit dem -ich.erzähler Joshua Croft auf der Jagd nach dem Täter.
Erst gegen ende kommt Action auf.
Was nicht heißen soll,das das Buch vorher langweilig ist,es ist durchaus interessant Crofts anfänge in Santa Fe,mitzuerleben.


89%.

08.09.2004 04:43:08
manu

wer mehr sucht als nur einen 08/15 krimi, der wird in diesem buch fündig. spannung ohne die üblichen actionelemente, interessante charaktere, logischer aufbau, guter plot, eine prise psychologie, usw.
alles in allem: ein lesenswerter krimi
störend wirkt allenfalls die stark amerikanisierte übersetzung....

06.08.2003 16:49:43
Anja S.

Ziemlich gut, aber "Miss Lizzie" ist viiiiiel besser.

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