Porcus (Die Moll-und-Mielcke-Reihe 1)
- btb
- Erschienen: Juni 2026
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Düsterer Reihenauftakt aus Dänemark.
Kopenhagen, 2. November: Investigativjournalist Mickael „Mick“ Moll hat schon deutlich bessere Zeiten erlebt. Vor Jahren noch mit einem Preis für seine journalistische Arbeit ausgezeichnet befindet er sich seitdem in einer beruflichen wie privaten Abwärtsspirale. Seine Ehe wurde vor zwei Jahren geschieden und große Storys fehlen ebenso wie das Vertrauen seiner Redaktionschefin Pernille Hvid. Moll selbst hat die Hoffnung auf Besserung eigentlich bereits aufgegeben, als plötzlich das Feuer in ihm neu geweckt wird. Mit gleich zwei Geschichten über Søren Poulsen, den größten Schweinezüchter Dänemarks, macht er plötzlich wieder von sich reden und hofft auf den großen Scoop. Wie ein Besessener arbeitet Moll daran, Poulsen Steuerbetrug und Beziehungen zu einem zwielichtigen russischen Oligarchen nachzuweisen. Doch dann verschwindet der bekannte Schweinezüchter plötzlich spurlos.
Als Moll eines nachts einen anonymen Brief auf seiner Fußmatte mit dem Hinweis findet, dass sich Poulsen mit ihm auf einem verlassenen Hof im Nordjütland treffen möchte, überschlagen sich die Ereignisse. Vor Ort findet der Investigativjounalist die äußerst brutal zugerichtete Leiche des Schweinzüchters. Auf dessen Rücken klebt auf einem Stück Pappe eine Botschaft, die nicht nur detailliert darauf hinweist, wie Poulsen vor seinem Tod gequält und gefoltert wurde, sondern auch, wie er letztendlich den Tod fand: „Søren Poulsen starb wie ein Schwein“.
Schnell geraten radikale Tierschützer unter Verdacht. Sogar der dänische Geheimdienst PET schaltet sich ein, handelt es sich doch bei der Ermordung möglicherweise um einen Terrorakt. Agentin Christiane Mielcke wird mit dem Fall beauftragt. Schnell kommen ihr jedoch Zweifel an der Täterschaft der Tierschützer. Als sie auf eigene Faust ermittelt, kreuzt sich ihr Weg mit Mick Moll, dessen Tochter ebenfalls ins Visier der Ermittler gerät.
Journalist, Verlagsleiter, Autor
Autor Kim Hundevadt weiß, wovon er schreibt. Der 1960 in Møldrup geborene Däne war nicht nur von 2010-2024 Verlagsleiter beim Politiken Verlag, sondern arbeitete zuvor viele Jahre – wie seine Hauptfigur Mick Moll – als Investigativjournalist bei der größten dänischen Tageszeitung Jyllands-Posten. Hundevadt ist Verfasser mehrerer Sachbücher und widmet sich mittlerweile ganz dem Schreiben. 2025 erschien mit „Porcus“ sein erster Kriminalroman, der gleichzeitig den Auftakt der Moll-Mielcke-Reihe darstellt. Die Dänische Kriminalakademie zeichnete Hundevadt mit dem Debütantenpreis 2026 aus - und das mit 65 Jahren. Für Februar 2027 ist bereits der zweite Band „Fenris“ vom Münchener btb Verlag angekündigt.
„Porcus“ ist ein vielschichtiger Thriller, der Elemente des klassischen, düsteren Nordic Noir mit hochaktuellen gesellschaftlichen Themen sowie Einblicken in den investigativen Journalismus und Geheimdienst verbindet. Autor Kim Hundevadt erfindet den dänischen Thriller nicht neu, dennoch liefert er einen starken Reihenauftakt – atmosphärisch dicht, temporeich und thematisch brisant. Gleichwohl wirkt der Roman inhaltlich gerade wegen der Themenvielfalt und -dichte vereinzelt etwas überfrachtet. Vielleicht hätte man sich das ein oder andere private Problem des „Ermittlerduos“ für die nächsten Bände aufheben können. Dass sich der Roman dennoch überaus kurzweilig lesen lässt, ist sicherlich ein Verdienst des wunderbaren Erzählstils des Autors.
Von Massentierhaltung und bösen Russen
Die große Stärke des Romans ist ohne Zweifel die Darstellung zweier aktueller gesellschaftlich-politischer Problemfelder: Massentierhaltung sowie die Einflussnahme Russlands – trotz der Sanktionen – auf Wirtschaft und Politik. Während man sich bei der Darstellung russischer Oligarchen und Hintermänner doch insgesamt etwas mehr Tiefe und weniger Klischee wünschen würde, zeigt Hundevadt bei der notwendigen Diskussion über die dramatischen Zustände der Schweinezucht, wie man Realität und Fiktion perfekt miteinander verbinden kann. Hierbei kommt ihm die eigene investigative Arbeit zugute. Dabei übt der Autor nicht nur deutliche Kritik an der Intensivhaltung der Tiere, sondern auch am fehlenden politischen Willen, an dieser Situation nachhaltig etwas ändern zu wollen.
Der Journalist und die Agentin
Mick Moll als abgehalfterter Journalist und Christiane Mielcke als durchaus unkonventionelle Geheimdienstagentin bilden ein fesselndes „Ermittlerduo“. Vor allem Moll ist ein interessanter Charakter und wirkt als gescheiterte Existenz, in der das alte „Journalistenfeuer“ neu entfacht wird, die aber gleichzeitig ihr Privatleben nicht wirklich in den Griff bekommt, äußerst glaubwürdig. Das Besondere an Christiane Mielcke ist ihr Auftreten: Als Mitarbeiterin des Nachrichtendienstes ist es eigentlich ihre Aufgabe, der Bedrohung von Freiheit, Demokratie und Sicherheit der dänischen Bevölkerung entgegenzuwirken und nicht, Mordfälle aufzuklären. Dieser unbedingte Wunsch nach Gerechtigkeit und Strafe resultiert aus einem Ereignis aus ihrer Vergangenheit. Statt den Krisennarrativen ihres Chefs widerspruchslos zu folgen, nutzt Mielcke andere Wege, die sich durchaus im Graubereich bewegen und die Grenzen des Erlaubten auch schon einmal überschreiten.
Fazit
Kim Hundevadt gelingt ein durchweg unterhaltsamer, spannender Thriller in bester Tradition des Nordic Noir. Besonders die aktuellen Themen wie Massentierhaltung und der Einfluss Russlands verleihen dem Roman einen hohen Grad an Glaubwürdigkeit. Der Autor weiß, wovon er schreibt, und das spürt man beinahe auf jeder Seite.

Kim Hundevadt, btb


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