Mord im Museum – Miss Molly Spencer ermittelt
- Ullstein
- Erschienen: Januar 2026
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Etwas überambitionierter Beginn einer Serie.
Katharina Schendel hat es nach Jahren im Ausland wieder zurück nach Thüringen gezogen. Dort hat sie ihrem Faible für Krimis mit Humor und kniffligen Taten nachgegeben und schon mehrere Krimireihen verfasst. Mit Molly Spencer hat sie eine neue Protagonistin ins Leben gerufen, die in Cornwall Bösewichten auf die Spur kommt.
Miss Marple kommt ein Arm abhanden
Molly erbt von entfernt verwandten Tanten ein 16-eckiges Haus an der Küste von Cornwall. Doch nicht nur die Hausform ist ungewöhnlich, der Inhalt auch. In einem lichtdurchfluteten Oktagon ist eine umfangreiche Sammlung zu Agatha Christie untergebracht. Von Originalschriften bis hin zu sehr ungewöhnlichen Objekten kann man hier alles Mögliche betrachten. Eines davon ist eine lebensgroße Miss-Marple-Wachsfigur, die sanft lächelnd die Besucher begrüßt. Doch dann wird eingebrochen und Miss Marple wird eines Armes beraubt. Der Täter kann fliehen, wird aber wenig später tot aufgefunden. Das ist der Anlass, den Strickclub der verstorbenen Tanten wiederzubeleben, denn dort wurde weniger gehandarbeitet als viel mehr kriminalisiert. Molly und die anderen Clubmitglieder, inklusive Hund Flambeau, begeben auf Mördersuche!
Alles etwas zu überambitioniert
Ein Cozy Krimi soll spannende Unterhaltung bieten, die eingebettet ist in ein idyllisches Ambiente und angereichert wird mit ungewöhnlichen Charakteren. Das hat Katharina Schendel durchaus berücksichtigt. Cornwall und ein ungewöhnliches Haus als Setting, dazu schrullige Figuren sind vorhanden und ein guter Ausgangspunkt. Doch dann ist die Autorin etwas über das Ziel hinausgeschossen. Die Handlung wird immer unglaubwürdiger und führt zu einem Schluss, der ebenso enttäuschend wie weit hergeholt ist. Auch in der skurrilen Figurenzeichnung wurde etwas zu viel des Guten versucht. Molly Spencer ist hier, als vor dem Altar sitzengelassene Braut, noch am wahrscheinlichsten. Ein Bestatter, der auch Bäcker ist und einen kleptomanischen Hund hat; ein überpenibler Polizist und ein völlig untalentierter Handwerker, der nur Aufträge bekommt, weil man ihm sein Selbstwertgefühl erhalten will, sind Beispiele für die weniger gelungenen, da völlig überzeichneten Charakter.
Unterhaltung ohne große Spannung
Auch wenn bei Cozy-Krimis andere Faktoren als die Spannung dominieren dürfen, kommt hier überhaupt keine auf. Zu sehr versumpft die Handlung zwischen den überzogenen Figuren. Der Krimi ist ganz offensichtlich als Beginn einer Reihe konzipiert und daher bleibt zu hoffen, dass andere Leserinnen und Leser vielleicht eher Gefallen an Molly und dem Strickclub gefunden habenund sich auf weiter Fälle aus Cornwall freuen.
Fazit
Ein Cozy-Krimi, der an zu viel Ambitionen der Autorin krankt und damit nur wenig fesselnd ist. Vielleicht sind die Folgebände mit ihren Fällen etwas weniger unrealistisch und die Serie damit doch noch etwas für Liebhaber und Liebhaberinnen von Krimis mit viel kuscheliger Atmosphäre und jeder Menge Tee.

Katharina Schendel, Ullstein

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