Nichts ist vergessen
- HarperCollins
- Erschienen: Juni 2026
- 0


Ein rätselhafter Todesfall, ein dunkles Geheimnis und eine Spur in die Vergangenheit.
Die Kölner Kommissarin Franziska Löwe vom KK11 ist von ihrem neuen Kollegen Tom Herbst alles andere als begeistert. Viel Zeit, sich aneinander zu gewöhnen, bleibt nicht, denn beide bekommen es direkt mit einem rätselhaften Mordfall an der Otto-von-Schlier-Schule in Lövenich zu tun. Eine achtzehnjährige Schülerin erstach während eines Ferienkurses an der renommierten Privatschule ihren Englischlehrer. Seitdem schweigt sie aber zu der Tat und ihrem Motiv. Im Rahmen der Ermittlungen finden Löwe und Herbst schnell heraus, dass es bereits 1990 an der Lehranstalt zu einem Todesfall kam, als während einer Studienfahrt in die Eifel ein Schüler unter mysteriösen Umständen verstarb. Der Kommissarin geht der Fall persönlich nahe, denn ihr kürzlich verstorbener Vater Walter war Lehrer an der Otto-von-Schlier-Schule – und begleitete einst die Schülergruppe bei der tragischen Stufenfahrt. Als Franziska Löwe dann noch bei ihrer Tante im Nachlass ihres Vaters auf einen rätselhaften Hinweis stößt, muss die Kölner Ermittlerin erkennen, dass beide Todesfälle in Verbindung zu stehen scheinen. Um den Fall zu lösen, muss das Team der KK11 zunächst herausfinden, was auf der Studienfahrt vor mehr als 35 Jahren wirklich geschah.
Krimiautor aus dem Rheinland
Über Autor Jo Adler ist wenig bekannt. Laut der Verlagsseite von HarperCollins studierte der Rheinländer zunächst Literaturwissenschaft, bevor er sich dem Schreiben widmete. Da ein Großteil der Familie im Polizeidienst steht oder stand, ist es beinahe logisch, dass Adler nun Kriminalromane verfasst. Seinen familiären Hintergrund merkt man der Schreibweise des Autors und damit auch dem Roman an, vor allem wenn es um Regularien und Vorschriften bei der Ermittlungsarbeit geht – oder besser gesagt, wie man diese elegant umgehen kann. Mit „Nichts ist vergessen“ erscheint nun ein spannender, kurzweiliger Krimi um Schuld und Verdrängung. Ein Roman, der inhaltlich klug aufgebaut ist, vor allem in der Darstellung des Ermittlungsteams aber auch kleinere Schwächen besitzt.
Vielfältiges Ermittlerteam
Im Mittelpunkt der Handlung steht mit Franziska Löwe eine erfahrene Ermittlerin, die vor wenigen Monaten bei der Neubesetzung der Kommissariatsleitung übergangen wurde und dem Alphatiergehabe sowie der männlichen Bevorzugung ihres Vorgesetzten ausgesetzt ist. Als sie dann auch noch mit Tom Herbst, der gerade erst aus dem Sauerland an den Rhein gezogen ist und die Polizeischule als Jahrgangsbester abgeschlossen hat, einen neuen männlichen Kollegen an ihre Seite gestellt bekommt, ist Franziska mehr als bedient. Dass sie diesen dann aber direkt zurechtweist und ihn gelinde gesagt als Blödmann in Sachen Ermittlungsarbeit darstellt, wirkt dann doch etwas überzogen. Zumindest trägt ihre Warnung vor dem Chef bei Tom Früchte. Adler kritisiert hier überdeutlich die patriarchalen Strukturen des Polizeiapparats.
Auch wenn Löwe und Herbst zunehmend besser zusammenarbeiten, treten sie nicht immer als Team auf. Vielmehr tauschen sie sich bei ihren Treffen darüber aus, wer was gerade herausgefunden hat. Insgesamt wirkt die Figur des jungen Ermittlers Tom Herbst aufgrund ihres vor allem zu Beginn unbeholfenen Auftretens etwas befremdlich. So ist unter anderem sein schon ehrfürchtiges Auftreten Susanna, der charismatischen Chefin der Spurensicherung und einer Frau mit Albinismus, gegenüber ebenso überzogen wie sein Gestammel, wenn er sie um ein privates Treffen bitten möchte. Auch Erkan, Susannas homosexueller Kollege bei der Spurensicherung, neckt Tom gerne, was diesen zusätzlich verunsichert. Insgesamt erscheint das Auftreten des Ermittlerteams aufgrund seines oftmals flapsigen Umgangs nicht immer überzeugend. Die Darstellung der Jugendlichen gelingt dafür deutlich besser.
Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart
Der Roman spielt auf zwei Zeitebenen. Franziska Löwe und ihr Team ermitteln nicht nur im aktuellen Mordfall, sondern müssen auch Klarheit in den Fall des vor 35 Jahren verstorbenen Schülers bringen. Dieser zweite Handlungsstrang ist glaubwürdig ausgearbeitet. Die Dynamik der Schülergruppe wirkt ebenso authentisch wie die dargestellten Spannungen unter den Jugendlichen. Hinzu kommt das rätselhafte Auftreten eines Lehrers. Jo Adler versteht es ausgezeichnet, verschiedene Gründe hierfür anzudeuten, sodass bis zum Schluss unklar bleibt, was das wahre Geheimnis des Lehrers ist. Mehr und mehr webt der Autor im Laufe der Handlung die beiden Parallelgeschichten miteinander und bringt damit Licht in die damaligen Geschehnisse, über die das Ermittlerteam rätselhafter Weise trotz des Todesfalls weder bei der Polizei noch bei der Presse eindeutige Informationen finden kann. Dass darüber hinaus beinahe sämtliche Personen, die an den Geschehnissen rund um die Stufenfahrt beteiligt waren, inzwischen tot, dement oder vollkommen abweisend sind und über den Vorfall nicht reden können bzw. wollen, wirkt auf Dauer dann doch etwas ermüdend.
Fazit
Ein insgesamt gelungener Kriminalroman um ein dunkles Familiengeheimnis, das niemals aufgedeckt werden sollte. Zwar wirkt die Figurendarstellung und das Auftreten der Protagonisten nicht immer überzeugend, dennoch entwickelt Jo Adler eine spannende Geschichte rund um die traumatischen Ergebnisse bei einer Stufenfahrt in die Eifel, die das Leben zahlreicher Personen für immer verändern sollte.

Jo Adler, HarperCollins

Deine Meinung zu »Nichts ist vergessen«
Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!