The Mailman
- Hoffmann & Campe
- Erschienen: März 2026
- 10


Ein ganz heißer Anwärter auf den besten Actionthriller des Jahres!
Den gemeinsamen Abend mit ihrem Mann Glenn hat sich die junge Anwältin Rachel Stanfield sicher ganz anders vorgestellt. Statt den Tag mit einem guten Glas Wein und einem köstlichen Abendessen ausklingen zu lassen, geraten beide wegen Glenns Tochter Abby in Streit. Als könnte es nicht schlimmer kommen, stürmen plötzlich vier maskierte Männer durch die Hintertüre das Haus und nehmen das Paar als Geiseln.
Die Gangster sind zum Äußersten bereit und drohen körperliche Gewalt für den Fall an, dass sie nicht unmittelbar eine Kopie einer eidesstattlichen Erklärung von Rachels Mandantin Stella Wolford erhalten. Darüber hinaus wollen sie wissen, wo Stella sich aufhält, und fordern eine Erklärung dafür, was es mit den Zahlen Zweiundzwanzig-Sieben auf sich hat. Für Rachel und ihren Mann spitzt sich die Situation immer mehr zu, da sie keine Antworten auf die Fragen der Gangster haben.
In dem Moment klingelt es an der Haustür. Draußen steht der freiberufliche Kurierfahrer Mercury „Merc“ Carter, der einfach eine Lieferung zustellen will. Zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort, möchte man meinen. Dies gilt aber nicht für Carter, sondern für die Gangster. Denn der Kurierfahrer hat seine ganz eigenen Vorstellungen von Regeln und Zuverlässigkeit – und das bekommen die Gangster durchaus handfest zu spüren. Als diese aber mit Rachel als Geisel entkommen, beginnt Merc gemeinsam mit Glenn eine rasante Jagd auf die Verbrecher quer durch den Mittleren Westen, um die entführte Frau zu retten, ein tödliches Komplott zu vereiteln und natürlich endlich seine Lieferung zuzustellen.
US-amerikanischer Autor
Andrew Welsh-Huggins ist Journalist, Herausgeber und Autor, der sich vorrangig mit Verbrechen auseinandersetzt, ob im Journalismus, im Sachbuch oder in seinen Thrillern und Krimis. Sein 2023 erschienener Krimi „The End of the Road“ (eine Hommage an Homers Odyssee) war für das Library Journal der beste Thriller des Jahres und wurde in amerikanischen Genrekreisen gefeiert. Neben seiner inzwischen neunbändigen Andy-Hayes-Krimireihe, in der ein ehemaliger Quarterback der Ohio State Buckeyes als Privatdetektiv ermittelt, verfasste Welsh-Huggins auch zahlreiche Kurzgeschichten, u.a. mit der Figur des Mercury Carter, dem Protagonisten seines aktuellen „Mailman“-Thrillers. Der Roman stellt gleichzeitig den Auftakt einer neuen Reihe dar, deren zweiter Band „The Delivery“ noch 2026 in den USA erscheinen wird. Man kann als Leser nur hoffen, dass weitere Bände mit ungewöhnlichen Kurierfahrer folgen werden.
Mehr als nur ein Kurier
Es kommt recht selten vor, dass ein Thriller den Leser noch so zu überraschen weiß wie Andrew Welsh-Huggins` Roman „The Mailman“, ein ebenso unterhaltsamer wie rasanter „Verfolgungsjagd-Thriller“. Dies liegt vor allem an der ungewöhnlichen Hauptfigur. Mercury Carter ist zwar ein einfacher Kurierfahrer, besitzt aber einen ganz speziellen Charakter und ungewöhnliche Fähigkeiten. Weil sein Traum vom Baseballprofi wegen einer schweren Verletzung platzte und er den Mord an seinem Vater, der eine wichtige Rolle im Leben Carters einnahm und ihn stark prägte, aufklären will, machte er zunächst eine Ausbildung zum Bundesagenten beim United States Postal Inspection Service (USPIS), bei der er spezielle Fähigkeiten (taktisches Denken, Ermittlungsarbeit, Kampf- und Überlebenstechniken) erwirbt. Nachdem er einen Mordanschlag auf ihn nur schwer verletzt überlebte und seinen Job aufgeben musste, arbeitet er nun als freiberuflicher Kurierfahrer mit durchaus ungewöhnlichen Aufträgen und Lieferungen. Ein Familienprojekt: Sein Onkel übernimmt die Organisation und Carter die Zustellung.
Mercury ist ein klassischer Antiheld, der einen ganz speziellen Charakter besitzt. Vor allem prägt ihn sein überbordendes Pflichtbewusstsein („Regeln sind Regeln“), das nicht nur bei den Gangstern Kopfschütteln auslöst, sondern ihn auch oftmals vor große Probleme stellt – und dadurch für jede Menge skurrile Situationen und witzige Dialoge sorgt. Obwohl Carter äußerst entschlossen und zielstrebig arbeitet – und im Notfall auch tötet -, besitzt er einen klaren moralischen Kompass und ist ein überaus liebevoller Charakter. Besonders diese Mischung aus Ernsthaftigkeit und Leichtigkeit sorgt trotz Brutalität und Härte für große Unterhaltung.
Klarer, temporeicher Schreibstil
Welsh-Huggins Sprache scheint stark von seiner Arbeit als Journalist geprägt: klar und auf den Punkt gebracht. Sein Erzählstil ist bewusst nicht literarisch, sondern funktional – ideal für Leser, die Spannung und Dynamik suchen. Dabei setzt der Roman mehr auf Action als auf psychologische oder gesellschaftliche Reflexion. Wer komplexe, tiefer gehende Thriller sucht, wird hier nicht unbedingt fündig werden. Dafür besticht „The Mailman“ mit einem wirklich überraschenden, mehr als wendungsreichen Plot, der ein wahnsinniges Tempo aufweist und nur so vor Überraschungen und Ideen sprüht. Ein Roman wie gemacht für eine Verfilmung – und für schlaflose Nächte.
Fazit
Wenn Sie glauben, den Roman aus den Händen legen zu können, dann viel Glück. Sie werden es aber nicht schaffen. „The Mailman“ ist ein mehr als schnörkelloser, rasanter Pageturner, den man gelesen haben muss. Einfach zurücklehnen und genießen. Beste Thrillerunterhaltung ist so sicher wie eine Zustellung durch Mercury Carter.

Andrew Welsh-Huggins, Hoffmann & Campe

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