Geheimdienstthriller mit Insiderwissen.
Eine chinesische Delegation ist auf dem Weg nach Kopenhagen: 22 Teilnehmer, darunter mehrere Vertreter der Organisation Green Growth, sowie regierungsnahe Investoren aus dem Bereich Infrastruktur. Daniel Hartmann, Analyst des dänischen Militärgeheimdienstes FE, macht bei seiner Überprüfung eine beunruhigende Entdeckung: Eines der Delegationsmitglieder besitzt eine falsche Identität. Um mehr über den Unbekannten und das Ziel der Abordnung herauszufinden, plant der FE, kurzfristig die chinesische Informatikstudentin Jia Ling zu rekrutieren, deren Bruder ein hochrangiger Funktionär im chinesischen Staatsapparat ist. Gleichzeitig wird die junge Agentin Maja Birk, die sich gerade erst von einem gefährlichen Einsatz in der Türkei erholt, auf den Fall angesetzt. Nach und nach verdichten sich die Hinweise, dass die Abordnung besonders an einem Forschungsprojekt zum Nordpolarmeer vor Grönland interessiert ist. Birk wird in ein Netz aus politischer Intrige, internationaler Spionage und verdeckten Machtinteressen hineingezogen.
Ehemaliger Geheimdienstchef
Was den ersten Band der neuen dänischen Birk-Hartmann-Reihe auf den ersten Blick sehr interessant macht, ist einer der beiden Autoren, denn Lars Findsen war ab 2015 Chef des dänischen Geheimdienstes FE (Auslandsnachrichtendienst und zugleich der Militärnachrichtendienst). 2021 wurde er international bekannt, als er unter dem Vorwurf der Weitergabe von Staatsgeheimnissen festgenommen wurde. Nach mehreren Monaten in Haft wurde die Anklage gegen ihn schließlich fallengelassen.
Während Findsen eher die Expertise und das Hintergrundwissen für den Thriller beigesteuert haben dürfte, war Jacob Weinreich sicherlich federführend für den Schreibprozess verantwortlich. Der Däne veröffentlichte bereits unter anderem als Teil eines Autorenduos unter den Pseudonymen A. J. Kazinski und Anna Ekberg eine Reihe von Kriminalromanen und Thrillern. Außerdem verfasste er Drehbücher für mehrere international erfolgreiche Filme.
Aktuell und interessant
Der Thriller, der bereits 2024 in Dänemark veröffentlicht wurde, könnte thematisch kaum aktueller sein. Seit US-Präsident Donald Trump aus geostrategischen Gründen Anspruch auf Grönland erhebt, ist die Insel in aller Munde. Auch in „Dunkelmann“ spielt das autonome, selbstverwaltete Territorium, das rechtlich zum Königreich Dänemark gehört, neben Chinas „neuer Seidenstraße“, der Belt-and-Road-Initiative, eine wichtige Rolle. Ausgangspunkt für die Handlung sind (geo-)politische Spannungen vor allem zwischen der Volksrepublik China und dem Westen. Der Roman bietet darüber hinaus einen „literarischen“ Einblick in die Strukturen, Abläufe und Arbeitsweisen (u.a. Datenanalyse, Überwachung, Cyber‑Intelligence) des dänischen Geheimdienstes FE und zum Teil auch des PET, des polizeilichen Nachrichtendienstes. Auch wenn die Darstellung sicherlich aus erzählerischen Gründen angepasst und zugespitzt wurde und streckenweise etwas zu „analytisch“ und faktenorientiert erscheint, weiß der Roman besonders hier zu überzeugen.
Unpassende Nebenhandlungen
Der Thriller bedient leider in einem zu großen Maße das gängige Klischee, dass unter der Arbeit für den Geheimdienst die Ehe bzw. die Lebenspartner zu leiden haben. Dies wird gleich in doppelter Hinsicht bei Maja Birk und auch bei Daniel Hartmann deutlich. Das mag so gar nicht zu einem Geheimdienstthriller passen, bei dem eigentlich Action, Tempo, interne Machtkämpfe und Spionage im Vordergrund stehen sollten. Wenn Birk aufgrund eines gefährlichen Auslandsaufenthalts schwerverletzt wieder nach Hause kommt und ihr Mann Jonas mit der Geheimniskrämerei nicht mehr einverstanden ist und sich vernachlässigt fühlt, wirkt das Ganze unfreiwillig komisch. Gleiches gilt für die teilweise unbeholfenen Rekrutierungsversuche, mit denen man die Studentin Jia Ling für sich zu gewinnen hofft. Dass die junge Frau auf recht simple Weise merkt, worum es geht, passt leider ins Bild der zum Teil schwächeren Erzählweise. Dazu gehört ebenfalls, dass die Geschichte um Birks Informanten Ramin - nachdem beide Opfer eines Anschlags wurden und er sich dem Zugriff der türkischen Polizei nur durch Flucht entziehen konnte - immer wieder in Zwischenkapiteln weitererzählt wird, ohne dass dies in irgendeiner Weise für die Handlung relevant wäre.
Zu wenig Thriller
Insgesamt verspricht der Roman teilweise mehr, als er halten kann. So mangelt es nach dem furiosen Einstieg vor allem an Tempo. Der Erzählfluss ist oftmals zu langsam bzw. zu stark auf die internen FE-Abläufe fokussiert. Wer einen klassischen, actionreichen Spionagethriller erwartet, wird eher enttäuscht, auch wenn es durchaus packende Episoden im Roman gibt. Die Figurenzeichnung wirkt teilweise zu blass, da es den Figuren oftmals an Tiefe fehlt. Dies gilt besonders für Daniel Hartmann. Dafür weiß die Darstellung Maja Birks und des operativen Leiters der FE, Gregers Schmidt, durchaus zu gefallen. Die Nebenfiguren erscheinen dagegen wie sie oft in Agententhrillern eher funktional.
Fazit
„Dunkelmann“ lebt besonders vom interessanten Einblick in die Geheimnisdienststrukturen. Die Expertise des ehemaligen FE-Chefs Lars Findsen und die literarische Umsetzung von Jacob Weinreich reichen aber nicht, um aus dem Roman einen durchweg packenden Thriller zu machen. Dafür fehlt es an Überraschungen und Tempo. Insgesamt ein solider Auftakt der neuen dänischen Thrillerreihe.

Lars Findsen, Jacob Weinreich, Scherz


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