Mörderney - Das Grab im Sand
- Rowohlt
- Erschienen: Januar 2026
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Unterhaltsamer Inselkrimi.
Der Holzhaufen für das traditionelle Osterfeuer auf Norderney am Ostersamstag ist bereits errichtet. Einheimische und Urlauber fiebern dem jährlichen Event am Westbadestrand entgegen. Doch unter dem Holz findet man den Leichnam von Matthes, dem einzigen Obdachlosen der Insel. Jemand hat den Mann nicht nur erschlagen, sondern ihm 50.000 DM in die Taschen gestopft. Die ermittelnden Kriminalbeamten vom Festland zeigen wenig Interesse am Fall. Ganz in Gegensatz zur einheimischen Journalistin Tilla Flock. Es ist noch keine vier Monate her, dass die Tochter des ortsansässigen Polizisten Enno zusammen mit dem stets kränkelnden Pfarrer Hark Herforth, der noch immer Urlaub auf der Insel macht, den Fall um den ermordeten Wattführer Josef Monningen löste. Die chaotische Tilla bewegt anscheinend als einzige das traurige Schicksal des Obdachlosen. Und so begibt sich das ungewöhnliche Ermittlerduo erneut auf Tätersuche. Eine erste ernstzunehmende Spur führt beide auf die Nachbarinsel Baltrum. Dann wird auf das Redaktionsgebäudes des „Küstengrußes“, einem Anzeigenblatt, das Tillas Schwester Ariane hauptverantwortlich herausbringt, ein Brandanschlag verübt. Als schließlich auch noch Hark eines nachts von einem Unbekannten angegriffen und verletzt wird, müssen Tilla und ihr Freund erkennen, dass Matthes Mörder nicht davor zurückschreckt, weiter zu töten.
Fortsetzung der Mörderney-Reihe
Nach „Der tote Wattführer“ erscheint aktuell der zweite Band der Mörderney-Reihe des gebürtigen Weselers Joachim F. Kuck im Rowohlt Verlag. Erneut ermittelt das ungleiche, aber ungemein sympathische Duo Tilla und Hark in einem rätselhaften Todesfall auf Norderney. Wie schon bei seinem Debütroman setzt der Autor dabei auf viel Inselflair, Humor, unterhaltsame Figuren und ein ungewöhnliches Opfer. Die Reihe lebt aber vor allem von der besonderen Beziehung zwischen der chaotischen, aber äußerst mutigen Tilla und dem sensiblen, psychisch labilen Hark.
Die äußerst impulsive Tilla, die gerade erst ihren Job beim „Küstengruß“ gekündigt hat, steht sich oft selbst im Weg und kann sich selbst kaum ausstehen. Die sprunghafte junge Frau wirkt zwischen den hohen Ansprüchen ist Vaters Enno, der der jüngeren Schwester Ariane mehr zugeneigt erscheint, und ihrer Mutter, die schwer erkrankt ist, orientierungslos. Mal selbstbewusst und aufbrausend, mal schwermütig und nachdenklich wankt Tilla immer noch recht ziellos durch ihr Leben. Ausgerechnet der selbst psychisch und deswegen auch physisch angeschlagene Pfarrer Hark, der mit Gott nicht selten hadert - erlitt er doch vor kurzer Zeit einen schweren persönlichen Schicksalsschlag -, ist für Tilla so etwas wie ein Rettungsanker. Im Gegenzug verhilft Hark die ungestüme Art seiner Freundin, wieder stärker im Leben zu stehen.
Die Rebellin und der Seelsorger
Wie so oft bei Ermittlerduos ergänzen sich die beiden Protagonisten bestens: Tilla ist die treibende Kraft bei der Suche nach dem Mörder des Obdachlosen Matthes. Ungerechtigkeiten konnte sie bereits als Kind nicht ausstehen. Ihrer Initiative ist es zu verdanken, dass überhaupt jemand im Mordfall ermittelt. Hark dagegen ist eher zurückhaltend. Der sehr reflektierte, sachliche Pfarrer, dessen seelische Fragilität sich wiederholt in einem körperlichen Unwohlsein äußert, wird aber zunehmend mit dem „Tilla-Virus“ infiziert. Die Folge: Er wird mutiger und selbstbewusster, bleibt aber letztendlich ein eher analytischer Gegenpol zur jungen, aufbrausenden Journalistin.
Beide scheinen gar nicht zu bemerken, wie nah sie sich zunehmend als Menschen kommen. Auch wenn sich noch alles auf einer platonischen Ebene abspielt, ist die emotionale Nähe und Verbundenheit zwischen beiden längst zu spüren.
Zu viel des Guten
Der eigentliche Kriminalfall gestaltet sich diesmal leider zu unrund. Joachim F. Kuck bietet den Lesern eine ungewöhnliche Geschichte, die aber etwas zu weit hergeholt erscheint. Alles wirkt diesmal insgesamt recht überkonstruiert und daher zu unglaubwürdig. Dabei würde ein einfacher, weniger spektakulärer Mordfall für diese Art von Inselkrimi vollkommen ausreichen. Regionalkrimis leben von ihren Protagonisten und ihrem besonderen Flair. Daher ist beim Motiv und der Mörderwahl oftmals weniger doch mehr. „Das Grab im Sand“ überzeugt stattdessen immer dann, wenn die besondere Ermittlungsarbeit Tillas und Harks im Mittelpunkt steht, etwa wenn beide bei der Befragung einer Informantin genötigt werden, dem hochprozentigen Inselschnaps zu trinken, was ihr Urteilsvermögen stark einschränkt. Dies ist nicht nur äußerst unterhaltsam, sondern vermittelt auch die liebevollen Eigenarten der Eilandbewohner.
Fazit
Wer unterhaltsame, kurzweilige und sehr amüsante Inselkrimis mag, der muss die Reihe um die doch etwas konfuse, aber charmante Tilla und den gutherzigen Hark lieben. Ein Cosy-Krimi, wie er sein muss: mit viel Lokalkolorit, mitunter skurrilen Figuren und einem wunderbaren Ermittlerduo der besonderen Art. Dass Joachim F. Kuck bei allem Humor und feinem Dialogwitz aber auch leise, nachdenkliche Töne in seinem Roman anspielt, spricht für den Autor.

Joachim F. Kuck, Rowohlt


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