Der Tote mit dem Silberzeichen

  • Blanvalet
  • Erschienen: November 2025
  • 4
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Sabine Bongenberg
65°1001

Krimi-Couch Rezension vonFeb 2026

Beziehungseiertanz und ein verworrener Krimi.

Es gibt wieder Arbeit für die Detektei Strike und Ellacott! Die gut situierte Decima Mullins trägt einen ungewöhnlichen Auftrag an sie heran: Sie sollen belegen, dass es sich bei einem ermordeten und verstümmelten Einbrecher, der im Keller eines Silberwarengeschäftes aufgefunden wurde, nicht um einen namentlich benannten Gewohnheitstäter, sondern um ihren verschwundenen Freund Rupert Fleetwood handelt. Eigentlich – so sollte man meinen: Ein einfacher Fall, denn wenn die Polizei ja schon den Namen des Gefundenen veröffentlicht hat, dürfte die Sache ja völlig klar sein.

Unglücklicherweise verhält sich die Ermittlungsbehörde in diesem Fall jedoch sehr zurückhaltend und schreckt vor einer endgültigen Festlegung zurück. Strike und Kollegin, sowie Teilhaberin Robin Ellacott, bleibt daher nur die klassische Vorgehensweise: Sie müssen selbst in den Fall eintauchen und herausfinden, wer denn der Tote im „Silberladen“ war. Denkbar wäre natürlich auch, den verschwundenen Fleetwood zu finden – aber von dem fehlt tatsächlich jede Spur. Freunde und Familie sind mit der Aussage zufrieden, dass er „irgendwo in New York“ sei.

Die Privatermittler nehmen so ihre Untersuchungen auf - und auf was sie da alles stoßen, hätten sie in ihren kühnsten Träumen nicht erwartet. Aber das ist nicht das einzige Problem, das sich im Unternehmen Strike & Ellacott auftut. Cormoran Strike ist sich endlich über seine Gefühle gegenüber seiner Kollegin sicher und würde sich ihr gerne offenbaren. Aber da gibt es ein kleines Problem - und das ist Robins Freund Ryan Murphy, der sich offensichtlich nicht gerne aus dem Geschäft drängen lässt. Es ist alles sehr, sehr kompliziert…. 

Cormoran Strike ein bekannter Name unter den Ermittlern

Seit dem ersten Auftreten Cormoran Strikes hat seine Leserschaft seine Ermittlungen seit acht Bändern verfolgt und seit dem ersten Band dürfte auch klar sein, dass sich eine besondere Anziehungskraft zwischen Strike und seiner Mit-Geschäftsführerin Robin Ellacott entwickelt hat. Fans der Serie haben deswegen seit dem letzten Band „Das strömende Grab“ ungeduldig auf die Antwort der einen großen Frage gewartet: Wird aus den beiden jetzt endlich, endlich, endlich ein Paar? 

Dennoch – vor dieser Lösung kommt natürlich erst einmal die Suche nach einem Mordopfer oder – wenn es denn nach den Ermittlern geht – nach einem hoffentlich lebendigen Gesuchten. Aber diese Suche gestaltet sich alles andere als einfach. Da ist zum einen schon einmal der Schauplatz an dem die Leiche, deren Identität zu klären ist, gefunden wurde. Es handelt sich um einen Juwelier, bei dem insbesondere Stücke, die im Zusammenhang mit der Freimaurerloge stehen, verkauft werden. Hier muss natürlich dann auch erwähnt werden, dass der Verstorbene nicht einfach „nur so“ im Keller lag, sondern sich zeitgleich ein spektakulärer Diebstahl ereignete. 
Waren die immer noch recht geheimnisumwitterten Freimaurer an den beiden Taten beteiligt? Aber wie stehen die beiden Verbrechen in Zusammenhang? Diese Frage beantwortet Robert Galbraith auf 1242 Seiten mit dünnem Papier und recht engem Druck - und wer jetzt schon einmal vorbeugend meint, das sei doch jetzt wirklich sehr viel Text für einen einzigen Roman, dem kann ich nur Recht geben.

Viele Personen, viele Namen, viele böse Taten – das ist verwirrend

Galbraith lässt eine Vielzahl von Personen mit vielen verschiedenen Motiven und überhaupt auch unterschiedlichen Untaten auftreten. Ehrlich gesagt, irgendwann hatte ich komplett den Überblick verloren. Im Laufe der langen Geschichte geht es nicht mehr nur um den verschwundenen Rupert, sondern auch um weitere Personen, deren Schicksal ungeklärt ist und die möglicherweise weiteren Verbrechen zum Opfer fielen. 
Da wird gemordet, gedroht, geklaut, erpresst und viel geklatscht, den jeder scheint alles Schlechte mit jedem zu debattieren. Regelmäßig eröffnet sich aber wieder ein neuer Verdächtigen- und Täterkreis und es wäre vielleicht von Anfang an nicht verkehrt gewesen, sich ein paar Notizen zu machen, um den Überblick zu behalten. 
Für mich war auch nicht nachvollziehbar, aus welchem Grund die Berührung mit den „Freimaurern“ so maßgeblich war, scheint es sich dabei doch, anders als im letzten Band, nicht um eine gefährliche Sekte zu handeln. Nervig war aber dabei dennoch, dass der Begriff „Freimaurer“ in vielen Kapiteln gefühlt vielfach auf vielen Seiten erschien und man es irgendwann wirklich nicht mehr lesen mochte. Als immer wieder irritierend empfand ich auch die Nebenstränge, bei denen über die anderen Fälle der Detektei berichtet wird. Hier scheint sich mittlerweile ein regelrechtes Panoptikum versammelt zu haben und manchmal drängte sich mir der Eindruck auf, dass Strike & Ellacott alles aufnehmen, solange die Kohle stimmt.

Immerhin, zu Beginn entschädigt die mögliche Liebegeschichte zwischen Strike und Ellacott, auf die viele Leser*innen seit langem lauern. Aber auch hier ist es alles andere als einfach. Strike wird von seinen seit langem ad acta gelegten Beziehungen verfolgt. Auch der großen Liebe seines Lebens zu der verstorbenen Charlotte wird ein großer Raum eingeräumt. Als wäre das nicht genug, sieht sich auch Robin zwischen Gefühlen zu Strike und ihrem Freund Ryan hin und hergerissen. Bei dem einen leugnet sie ihre Gefühle, den anderen will sie aus verschiedenen Gründen nicht verlieren. Vielleicht weil er ihr in schweren Zeiten beigestanden hat, vielleicht aber auch, weil er aussieht wie Paul Newman. Richtig wird das nicht klar. Aber dennoch hat der/die Leser*in in beiden Beziehungen manchmal das Gefühl, dass er einer Gruppe von Teenagern beim Balzen zusieht. Vieles wird nicht ausgesprochen, mal ist der eine beleidigt, mal der andere gekränkt und generell ist das Ganze ein großer Eiertanz.

Fazit

Robert Galbraith erzählt auf 1242 Seiten eine laaange, komplizierte Geschichte und vielleicht wäre die gar nicht mal so schlecht gewesen, wäre mutig gekürzt und gestrafft worden. Das teenagerhafte Verhalten der Hauptdarsteller würde dann zwar immer noch nerven, aber immerhin wäre dann der Krimi mitreißend und vor allem nachvollziehbar erzählt.

Der Tote mit dem Silberzeichen

Robert Galbraith, Blanvalet

Der Tote mit dem Silberzeichen

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