The Woman in Suite 11

  • dtv
  • Erschienen: Dezember 2025
  • 5
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Thomas Gisbertz
70°1001

Krimi-Couch Rezension vonJan 2026

Solider Thriller, der aber mehr will, als er halten kann.

Seit der Geburt ihrer Kinder und der überstandenen Pandemie möchte die Reisejournalistin Laura „Lo“ Blacklock einen Neuanfang wagen. Da kommt die überraschende Einladung zur Presseeröffnung des luxuriösen „Grand Hôtel du Lac“ am Ufer des Genfer Sees gerade recht. Lo hofft, dort ein Interview mit dem exzentrischen Hotelbesitzer Marcus Leidmann führen zu können. Nach einigem Zögern macht sich die Journalistin auf den Weg in die Schweiz. Doch bereits beim Flug geschehen seltsame Dinge, die sie sich nicht erklären kann. Als sie am ersten Abend müde vom Dinner auf ihr Zimmer geht, findet sie eine rätselhafte Nachricht auf ihrem Nachttisch: „Bitte kommen Sie so bald wie möglich in Suite 11.“ Lo ist zwar skeptisch, aber ihre Neugier ist schließlich stärker. Als sie an die Tür der Suite klopft, ist sie umso überraschter: Lo wird von einer Frau empfangen, die sie allzu gut kennt und die sie seit Jahren in ihren Albträumen verfolgt. Die Frau behauptet, die Geliebte des Hotelbesitzers zu sein und sich in Lebensgefahr zu befinden. Daher muss sie so schnell wie möglich fliehen - doch dafür braucht sie Los Hilfe.

Fortsetzung des Bestsellers

Die britische Autorin Ruth Ware ist seit vielen Jahren eine feste Größe im Bereich des Thrillers. Die vor allem beim Lesepublikum und bei Communitys beliebte Schriftstellerin wuchs im südenglischen Lewes auf und lebte nach ihrem Studium an der Manchester University eine Zeit lang in Paris. Sie hat als Kellnerin, Buchhändlerin, Englischlehrerin und Pressereferentin für einen großen Verlag gearbeitet. Mit ihren Werken ist sie zu einer der erfolgreichsten internationalen Bestsellerautorinnen geworden.

„The Woman in Suite 11“ ist die Fortsetzung ihres 2016 erschienen Romans „The Woman in Cabin 10“, der als Verfilmung seit Oktober 2025 als Netflix-Produktion mit Keira Knightley in der Hauptrolle zu sehen ist. Die Handlung des zweiten Bandes setzt zehn Jahre nach den traumatischen Ereignissen und albtraumhaften Erfahrungen, die Lo auf dem Kreuzfahrtschiff „Aurora“ in den norwegischen Fjorden machen musste, ein. Über diese merkwürdige Episode in ihrem Leben schrieb die Reisejournalistin später sogar einen Roman, der recht erfolgreich war und der ihr helfen sollte, alles zu verarbeiten.

Einige Parallelen

Der neue Thriller Ruth Wares ähnelt in gewisser Weise - und dies sicherlich nicht ohne Grund - dem Erfolgsroman von 2016: Neben dem Titel ist das Setting vergleichbar (luxuriöses Kreuzfahrtschiff - Luxushotel) und als Antagonist tritt jeweils ein reicher, manipulativer Mann. Darüber hinaus tauchen gleich mehrere Personen auf, die ebenfalls auf der „Aurora“ waren, im „Grand Hôtel du Lac“ und tauschen sich zusammen mit Lo über die gemeinsamen Erlebnisse auf dem Schiff und deren Folgen aus. Dieser Einstieg gerät recht lang, da Ware bereits hier beinahe nach dem Gießkannenprinzip falsche Fährten streut. Ein Vorgehen, welches sich durch den ganzen Roman zieht.

Erst nach etwa 100 Seiten nimmt der Thriller wirklich Fahrt auf. Lo trifft eine alte Bekannte wieder, die sie wenig überraschend ebenfalls von der „Aurora“ kennt und die ihre Hilfe benötigt. Schnell wird deutlich, dass sie von ihrem Mann, dem Hotelbesitzer und Chef der Leidmann Group, seit Jahren unter Druck gesetzt wird. Lo erklärt sich nach anfänglichem Zögern bereit, der Bekannten zu helfen - auch wenn ihre Erinnerungen an sie nicht durchweg positiv sind. Es beginnt eine recht temporeiche Jagd von der Schweiz über Frankreich nach England. Es versteht sich von selbst, dass ein Machtmensch wie Marcus Leidmann seine Frau nicht einfach gehen lässt.  Nach langer Flucht kommt es in einem weiteren Luxushotel zu einem dramatischen Ereignis, bei dem nicht nur ein Toter auftaucht, sondern Lo sogar als Mörderin verdächtigt wird.

Flüssiger Schreibstil

Eins muss man neidlos anerkennen: Ruth Ware versteht es, unterhaltsam und kurzweilig zu schreiben. Man folgt den Protagonisten gerne auf ihrer Verfolgungsjagd durch Europa. Gleichwohl macht die Autorin aber unnötiger Weise auch wenig relevante Nebenschauplätze auf, die ab und an etwas langatmig wirken, da sie die Handlung ohne erkennbaren Gewinn unterbrechen. Dass die Protagonistin es selber schafft, den gegen sie erhobenen Verdacht zu entkräften, weil die Polizei zu dumm dafür erscheint, kennt man aus anderen Romanen nur allzu gut. Die Handlung am Schauplatz des englischen Luxushotels wirkt wie aus einem Agatha-Christie-Roman entnommen, ohne jedoch dessen Charme zu besitzen. Jeder wird einmal verdächtigt und den, den man von Beginn an ausschließt, ist es schließlich. Auch wenn Ruth Ware am Ende noch die ein oder andere Überraschung parat hält, wirkt alles zu einfach, zu harmlos und zu routiniert. Dadurch entsteht immer wieder der Eindruck, es mit einem britischen Gesellschaftsroman zu tun zu haben - was durch das Setting noch unterstrichen wird.

Fazit

Ruth Ware gelingt ein solider, handwerklich gelungener Thriller, dem es aber am gewissen Etwas fehlt. Ihr zehnter Roman gehört sicherlich nicht zu den besten der Autorin. Auch wenn man bei der Lektüre gut unterhalten wird, mangelt es insgesamt doch etwas an Spannung und dem Unerwartetem. Der Roman löst sich doch zu wenig von seinem Vorgänger. Ruth Ware hätte hier mutiger sein müssen, aber ähnlich wie ihre Protagonistin wirkt sie zu passiv und zu wenig zielstrebig.

The Woman in Suite 11

Ruth Ware, dtv

The Woman in Suite 11

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