Tod zur Teestunde

  • Insel
  • Erschienen: November 2025
  • 1
Tod zur Teestunde
Tod zur Teestunde
Wertung wird geladen
Thomas Gisbertz
80°1001

Krimi-Couch Rezension vonDez 2025

Horowitz ist einfach ein fantastischer Erzähler.

Die arbeitslose Lektorin Susan Ryeland hat Kreta und ihrer Beziehung endgültig den Rücken gekehrt und wagt in London einen Neuanfang. Sie erhält vom Causton Books Verlag die Möglichkeit, als freie Mitarbeiterin wieder in ihrem alten Job tätig zu sein. Michael Flynn, ihr neuer Verleger, hat auch gleich eine interessante Aufgabe für die 55-jährige Lektorin: Nach dem tragischen Tod von Alan Conway, dem Autor der erfolgreichen Atticus-Pünd-Reihe, sollen nun weitere Romane erscheinen. Susan soll dem hierfür auserkorenen jungen Autor Eliot Crace beim ersten Roman unter die Arme greifen, da sie zuvor bereits für Conway als Lektorin tätig war und dessen Stil bestens kennt. Der erste Band mit dem etwas unglücklichen Titel ,,Atticus Pünds letzter Fall'' handelt vom überraschenden Tod der schwerreichen Lady Chalfont, die anscheinend von einem Familienmitglied vergiftet wurde.

Zu Susans Überraschung stellt sich heraus, dass Eliot Crace der Enkel der weltberühmten Kinderbuchautorin Miriam Crace ist, die 15 Jahre zuvor verstarb – angeblich vergiftet, wie Eliot behauptet. Je weiter Susan in die Story eintaucht, desto klarer wird ihr, dass Eliot in Atticus Pünds letzter Fall die Geschichte seiner eigenen Familie und des Todes seiner Großmutter erzählt. Irgendwann überschlagen sich die Ereignisse und es kommt nicht nur zu einem Mord, sondern Susan gilt auch noch als Hauptverdächtige.

Literarisches Multitalent

Der englische Autor Anthony Horowitz zählt ohne jeden Zweifel zu den produktivsten und erfolgreichsten Autoren Großbritanniens und ist insofern einzigartig, als er zugleich in zahlreichen Medienbereichen tätig ist. Als wahres Multitalent jongliert er mühelos zwischen dem Schreiben von Büchern, Fernsehserien (u.a. Inspector Barnaby), Filmen, Theaterstücken und journalistischen Arbeiten. Horowitz verfasste über 50 Bücher, zu denen auch die erfolgreiche Jugendbuchreihe ,,Alex Raider'' sowie drei Sherlock-Holmes-Romane zählen.

Neben den sehr unterhaltsamen Kriminalfällen um den exzentrischen Privatdetektiv Daniel Hawthorne, bei dessen Ermittlungen Anthony Horowitz selber stets mitspielt, erscheint aktuell ebenfalls im Insel Verlag der dritten Band der Susan-Ryeland-Reihe. „Tod zur Teestunde'' schrieb Horowitz auf Wunsch der englischen Schauspielerin Lesley Manville, die die Figur der Susan Ryeland in den bereits verfilmten ersten beiden Fällen verkörperte und gerne noch einmal in diese Rolle schlüpfen wollte. Horowitz zeichnet sich darüber hinaus auch für die Drehbücher der jeweils als Mini-Serie adaptierten Romane verantwortlich.

Besondere Erzählebenen

Wer die Susan-Ryeland-Reihe noch nicht kennt, der sollte zwei Dinge berücksichtigen: Zum einen beziehen sich die Bände fortlaufend aufeinander, so dass man zunächst den ersten Teil ,,Die Morde von Pye Hall'' lesen sollte. Zum anderen gibt es kaum einen Autor, der es so gut versteht, eine komplexe Erzählstruktur einfach erscheinen zu lassen. Man bekommt nämlich bei allen Bänden einiges geboten: einen Erzählstrang, der die aktuellen Ereignisse aus der Sicht der Autorin darstellt, einen fiktiven Erzählstrang, diesmal in Form eines literarischen Manuskripts, sowie zuletzt auch zahlreiche reale Bezüge aus der Lebenswelt Anthony Horowitz'. Dadurch erhält der Roman die für den Autor so typische Meta-Ebene. Man braucht aber keine Angst zu haben, denn die Verknüpfung der Erzählebenen gelingt dem englischen Autor erneut meisterhaft. Allerdings sind sämtliche Bände der Reihe keine Leichtgewichte, umfassen sie doch alle um die 600 Seiten. Aber die Lektüre lohnt sich.

Buch im Buch

Man merkt beim Lesen die Freude des Autors, die er beim Schreiben hatte, mit jeder Seite mehr. Wenn man so möchte, bekommt man als Leser zwei Romane in einem: Die Suche nach dem angeblichen Mörder von Eliot Craces Großmutter und das Manuskript, das sich stark am Leben des Autors anlehnt. Und noch etwas unterscheidet beide Fälle: Während die ,,reale'' Handlung in der Gegenwart spielt, befinden wir uns in der Romanvorlage in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Und Atticus Pünd erinnert - wie könnte es bei Horowitz auch anders sein - an Agatha Christies Hercule Poirot. Das ,,Buch im Buch'' ist ein klassischer, gut konstruierter und humorvoller Kriminalroman, der für sich schon lesenswert ist. Horowitz gelingt es hierbei, eine nostalgische Krimi-Atmosphäre zu erschaffen.

Fazit

„Tod zur Teestunde'' ist ein cleverer Kriminalroman von Anthony Horowitz, der auch Fans klassischer Whodunits anspricht und durch seine Meta-Ebene besticht. Besonders das Miträtseln, welche Verbindungen es zwischen der realen Handlung und dem Manuskript gibt und was sich tatsächlich abgespielt haben könnte, macht den besonderen Reiz nicht nur dieses Romans, sondern der gesamten Reihe aus.

Tod zur Teestunde

Anthony Horowitz, Insel

Tod zur Teestunde

Ähnliche Bücher:

Deine Meinung zu »Tod zur Teestunde«

Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

Dr. Drewnioks
mörderische Schattenseiten

Krimi-Couch Redakteur Dr. Michael Drewniok öffnet sein privates Bücherarchiv, das mittlerweile 11.000 Bände umfasst. Kommen Sie mit auf eine spannende und amüsante kleine Zeitreise, die mit viel nostalgischem Charme, skurrilen und amüsanten Anekdoten aufwartet. Willkommen bei „Dr. Drewnioks mörderische Schattenseiten“.

mehr erfahren