Akte Nordsee (4) - Die letzte Predigt
- Lübbe
- Erschienen: Juni 2026
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Eine Dorfgemeinschaft und ihre Geheimnisse.
Das silberne Konfirmationsjubiläum findet in Estherwiek auf der der Halbinsel Eiderstedt statt. Viele Ehemalige haben sich angemeldet, darunter auch Lena Beyer. Sie ist bereits vor Jahren weggezogen, möchte jetzt aber die Gelegenheit nutzen, um mit ihrem Ex-Ehemann Wilko über das Sorgerecht für ihren gemeinsamen Sohn zu reden. Einen Tag nach der Feier ist Lena jedoch verschwunden.
So viele Verdachtsmomente
Allen ist klar, dass bei der Zusammenkunft nach fünfundzwanzig Jahren nicht nur die schönen Momente für Gesprächsstoff sorgen werden. Zur Sprache kommen auch alte, verletzte Gefühle. Besonders der Unfall von Marit, Lena Beyers Cousine ist Gesprächsthema. Doch auch nach so vielen Jahren halten alle zusammen und verraten nicht, was damals im Konfirmanden-Camp wirklich passiert ist. Gesichert ist nur, dass der heutige Pastor Tammo Gerdes damals als Teamer im Lager war. Nach einem vertraulichen Gespräch zwischen Lena und dem Pastor, hält dieser in seiner Kirche eine besonders intensive Predigt, in der es um Verrat geht.
Fentje Jacobsen besucht gemeinsam mit ihrer Großmutter den Gottesdienst und staunt über die Wortwahl des Pastors. Stunden später wird Tammo Gerdes tot im Watt aufgefunden. Alle Spuren deuten auf einen Mord hin. Auch Lena Beyer ist spurlos verschwunden. Von ihr, die den Pastor noch am Samstag vor der Feier besucht hatte, fehlt jede Spur. Nun gerät der Journalist Niklas John ins Visier der Ermittler. Er hat Lena am Samstagabend mit zu sich nach Hause genommen. Dieser Umstand macht ihn zum Hauptverdächtigen. Vor allem, da tatsächlich die Leiche Lenas gefunden wird. Obwohl sich Fentje erst vor Kurzem von Niklas getrennt hat, versuchen sie gemeinsam, seine Unschuld zu beweisen und den wahren Täter zu finden.
Wann kommt Spannung auf?
Der vierte Band der „Akte Nordsee“-Reihe startet mit einem Prolog, der den Absturz eines Bergsteigers in Norwegen schildert. Dann aber ändert sich der Ort der Handlung und die Geschichte verliert sich in vielen Nebenschauplätzen. Über fast die Hälfte des Romans hinweg wird über Beziehungen, Konfirmandenlager und verwandtschaftliche Verhältnisse berichtet. Probleme und Konflikte werden angedeutet und nicht weiterverfolgt. Erst nach und nach setzen sich die Teile zu einem Ganzen zusammen. Natürlich schreibt Eva Almstädt auch detailliert über das komplizierte Verhältnis von Fentje und Niklas.
Erst ab der zweiten Hälfte des Buches wird es dann tatsächlich spannend. Dann nämlich, wenn Fentje und Niklas ihre private Spurensuche aufnehmen und mit Hilfe von Freunden eher unkonventionell ermitteln.
Für angemessene Unterhaltung ist auf jeden Fall gesorgt. Das liegt auch daran, dass es Almstädt gelingt, die Atmosphäre der Halbinsel so gut einzufangen. Dazu gehören die Beschreibungen des funktionierenden Klatsch- und Tratschsystems sowie die unermüdlichen Bemühungen von Fentjes Oma, sie mit einem geeigneten Kandidaten zu verkuppeln.
Auch wenn es einige Kritikpunkte gibt, ist der Roman doch wendungsreich. Im Verlauf der Geschichte steigert Eva Almstädt das Tempo und nutzt dazu auch ein paar falsche Fährten, um die Handlung noch packender zu gestalten. Das Ende ist leider simpel und unrealistisch.
Fazit
Es sind die anfänglichen Längen zu Beginn, die etwas Geduld erfordern. Doch dann nimmt die Geschichte Fahrt auf und wird doch noch spannend. Der Roman hat viele Nebenschauplätze, bietet dafür aber viel Lokalkolorit. Der eher gemächliche Krimi unterhält dennoch. Allerdings nicht wegen der Ermittlungsarbeit, sondern wegen des Dorflebens und der persönlichen Dramen.

Eva Almstädt, Lübbe




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