Die Totenklägerin

  • Lübbe
  • Erschienen: März 2026
  • 2
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Carola Krauße-Reim
78°1001

Krimi-Couch Rezension vonJul 2026

Eine ungewöhnliche Protagonistin betritt die Bühne.

Trauerrednerin und Anwältin Matilda Rizzo lebt im abgeschiedenen Reuth im Bayrischen Wald. In ihren Ansprachen nimmt sie kein Blatt vor den Mund, sagt ohne Skrupel die Wahrheit und legt damit so manches offen, was verborgen bleiben sollte. Dafür bedarf es genauer Recherche, die manchmal schon einer Ermittlung gleichkommt. Ausgerechnet eine 12-Jährige ist ihre nächste Auftraggeberin. Doch sie soll nicht nur die Totenrede für Oma Rezi halten, sondern auch herausfinden, wer diese umgebracht hat, denn Jacki ist von dem gewaltsamen Tod überzeugt. Zusammen begeben sich die beiden auf die Suche und finden Dinge heraus, die niemand geahnt hätte und die tief sitzende Wunden bei Matilda aufbrechen lassen.

Die Autorin

Greta Jung weiß wovon sie schreibt. Sie ist selbst Rechtsanwältin und muss in ihrer Funktion als Testamentsvollstreckerin Trauerreden halten. Da liegt eine ebensolche Protagonistin in ihrem Krimi-Debüt (ich habe jedenfalls kein anderes Buch der Autorin gefunden) nahe. Doch Matilda Rizzi ist noch viel mehr.

Die Protagonistin

Matildas familiärer Hintergrund ist alles andere als langweilig normal. Er führt uns in die gewaltsame Zeit der RAF-Anschläge. Ihre ungewöhnliche Kindheit und Jugend prägt Matilda und macht aus ihr eine unangepasste, eigenwillige Frau, die zwar ihre Grenzen kennt, sie aber immer wieder neu auslotet. Ihr zu folgen ist das wahre Vergnügen in diesem Krimi, zumal sie Geheimnisse mit sich trägt, die erstaunen machen. Und dann ist da noch Jacki, die es ebenfalls nicht leicht hat und Matilda manchmal an sich selbst erinnert. Die beiden sind ein unschlagbares Team, das so manche Überraschung bereit hält.

Nur bedingte Spannung

Jung konstruiert ihre Geschichte um ihre Protagonistin herum. Dadurch steht Matilda wesentlich mehr im Mittelpunkt als der Tod von Oma Rezi. Es ist ganz natürlich, dass dadurch die Spannung etwas kränkelt. Interessant ist es dennoch, denn auch Rezi hatte es nicht leicht und so viel über sich ergehen lassen – bis zum Schluss. Die Spannung nimmt dann auch zu, wenn man realisiert, dass Oma Rezi vielleicht zu lieb war. Erst im fortgeschrittenen Handlungsverlauf kommen Wendungen und Fragestellungen auf, die das Ganze dann wirklich packend machen. Der Schluss ist etwas zwanghaft, doch zeigt er Abgründe auf, die man nicht vorhersehen konnte und die eine aktuelle Frage in unserer Gesellschaft ansprechen.

Fazit

Ein gelungenes Krimi-Debüt, das zwar noch etwas Luft nach oben hat, aber dafür mit einer starken Protagonistin aufwarten kann. Gerne mehr von Greta Jung und Matilda Rizzo!

Die Totenklägerin

Greta Jung, Lübbe

Die Totenklägerin

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