Blendfeuer (Ein Fall für Benjamin & Tong 2)
- Droemer
- Erschienen: Mai 2026
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Einer der besten skandinavischen Politthriller der letzten Jahre.
Oslo, 17. Mai: Die ganze Stadt ist auf den Beinen, um den norwegischen Nationalfeiertag zu begehen. Doch während die Bewohner ausgelassen feiern, geschehen nahezu unbemerkt zwei dramatische Ereignisse: In der Tiefgarage eines Hotels im Zentrum der Stadt wird ein unbekannter Mann kaltblütig hingerichtet. Währenddessen explodiert ein Militärflugzeug über der Ostsee. An Bord befanden sich acht ukrainische Soldaten einer Spezialeinheit. Schnell gerät Russland in Verdacht, die Maschine abgeschossen zu haben. Aber beide Fälle sind weitaus komplexer, als es zunächst den Anschein macht – und hängen doch beide zusammen.
Als Liselott Benjamin vom Polizeilichen Sicherheitsdienst PST die Ermittlungen in der Tiefgarage übernehmen will, wird sie vom Nachrichtendienst ausgebremst. Auch ihr Chef der Antiterroreinheit, Theobal Polka, erwartet, dass Benjamin und ihr Kollege Martin Tong die Finger vom Mordfall lassen und sich stattdessen um die Flugzeugexplosion kümmern. Der Fall ist politisch äußerst brisant, finden nahe Oslo doch gerade geheime Friedensverhandlungen zwischen der Ukraine und Russland unter der Federführung Norwegens statt. Diese dürfen unter keinen Umständen gefährdet werden. Während der Ermittlungen gerät jedoch auch die norwegische Regierung und vor allem der neue Justizminister Jens Meidell in Visier von Benjamin und Tong. Hat er etwas mit der geheimen Operation Nickel zu tun? Als die PST endlich eine heiße Spur verfolgt, überschlagen sich die Ereignisse rund um die Friedensverhandlungen.
Zweiter Band einer Trilogie
Nachdem 2024 im Droemer-Verlag mit „Echokammer“ der Auftakt der neuen Thriller-Trilogie des norwegischen Autors Ingar Johnsrud erschien, war die Vorfreude groß. Schließlich wurde der Roman in Norwegen für den Riverton-Preis nominiert und gewann den „Sølvkniven“-Krimipreis. Leser und Presse schienen gleichermaßen begeistert. Dennoch konnte der Thriller nicht restlos überzeugen, da Johnsrud thematisch zu sehr zwischen Politthriller und Spannungsroman über rechtsextremen Terrorismus schwankte. Während der „terroristische“ Handlungsstrang ein hohes Tempo und Dramatik aufwies, bremste das politische Gezanke und Gezeter rund um den norwegischen Wahlkampf die aufkommende Spannung immer wieder aus. Erst als die Parallelhandlungen zum Ende hin zusammengeführt wurden, gewann der Thriller deutlich an Dramatik.
Wenn man den nun erschienenen zweiten Band der Benjamin-Tong-Trilogie liest, spürt man erst recht, dass der Vorgänger „Echokammern“ überwiegend expositorische Funktion besaß, indem die Protagonisten eingeführt und politische Konflikte sowie innerparteilichen Zwistigkeiten aufgezeigt wurden. Einmal von der Leine gelassen, stellt Johnsrud nun unter Beweis, warum er bereits vor Jahren zu einem der hoffnungsvollsten skandinavischen Thrillerautoren zählte. Zudem könnte „Blendfeuer“ kaum aktueller sein. Der Roman thematisiert nicht nur den Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine, sondern rückt die daraus resultierenden individuellen Schicksale und familiären Tragödien in den Mittelpunkt. Auch im zweiten Band der Reihe kennt die politische Kabale keine Grenzen, wenn sich die Regierungsvertreter gegenseitig hintergehen, sexuelle Intrigen stattfinden und persönliche Ziele sowie die Gier nach Macht wichtiger erscheinen als das Wohlergehen des Volkes.
Typisch skandinavisch
Ingar Johnsrud bietet seinen Lesern alles, was man sich von einem skandinavischen Politthriller wünscht: tiefgreifende Einblicke in die Ränkespiele der Politik, geheimdienstliche Ermittlungen, diplomatische Verwicklungen, ein rasantes Erzähltempo und eine düstere Atmosphäre. Dass es der Autor darüber hinaus versteht, Spannung zu erzeugen und mit seinem Plot zu überzeugen weiß, rundet den gelungenen Roman ab. Im Mittelpunkt steht dabei der erbarmungslose Krieg zwischen Russland und der Ukraine, der thematisch nicht nur im Rahmen der Friedensgespräche aufgegriffen wird. Denn auch eine Gruppe von ukrainischen Müttern, deren Kinder von russischen Truppen entführt und verkauft wurden, spielen als sogenannte „Schwarze Witwen“ (so auch der Originaltitel des Romans) ebenso eine wichtige Rolle wie undurchsichtige russische Diplomaten. Besonders das Schicksal der Mütter wird trotz eines hohen Tempos und einer großen Dynamik erstaunlich feinfühlig vom Autor behandelt. Dass es dem Roman dennoch etwas an der nötigen Tiefe für dieses ernste Thema fehlt, lässt sich bei einem Thriller durchaus verschmerzen. Zusätzlich gewinnt der Roman durch die geografische Nähe beider Länder und der daraus resultierenden realen Gefahr an Authentizität und Glaubwürdigkeit.
Fazit
Nachdem die neue Politthriller-Trilogie von Ingar Johnsrud beim ersten Teil noch etwas unrund erschien, liefert der Autor mit dem zweiten Band der Reihe einen packenden, temporeichen und hochaktuellen Thriller, der ungemein gut geplottet ist und auch mit seiner düsteren Atmosphäre für jede Menge Spannung sorgt. Genau so müssen skandinavische Politthriller sein!

Ingar Johnsrud, Droemer


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