Am helllichten Tag

  • Heyne
  • Erschienen: Februar 2026
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Monika Wenger
75°1001

Krimi-Couch Rezension vonFeb 2026

Das kriminalistische Vorgehen im Fokus.

Die freiberufliche Journalistin Antonia Papin lebt in München, weit weg von Pirmasens. Dort hat sie ihr eigenes Leben. Das Verhältnis zu ihrem Vater ist eher schwierig. Lange hatten sie keinen Kontakt, und auch jetzt, wo ihr Vater sie immer wieder telefonisch zu erreichen versucht, kann sich Toni nicht überwinden, die Anrufe entgegenzunehmen. Bis das Krankenhaus in Pirmasens sie über die Einlieferung ihres Vaters informiert.

Zu spät

Da sie davon ausgeht, dass es sich nur um einen kurzen Aufenthalt handeln wird, macht sich Toni auf den Weg in ihre Heimatstadt. Doch sie kommt zu spät. Das Verhältnis zu ihrem Vater war nie einfach, dennoch trifft sie sein Tod auf besondere Weise. Unvermittelt wird sie von der Vergangenheit und den damit verbundenen Gefühlen eingeholt.
Bei der Durchsicht von Erwin Papins Hinterlassenschaft findet Toni auf dem Schreibtisch ihres Vaters einen angefangenen Brief an sie, der eine unsägliche Last andeutet. Ihr journalistisches Interesse ist mit einem Schlag geweckt. Bei ihrer Suche nach Antworten stösst sie auf Hinweise zu drei in den sechziger Jahren verschwundenen Kindern. Doch was hat ihr Vater damit zu tun?
Auf der Beerdigung ihres Vaters lernt sie den Polizisten Leo kennen. Seine Anwesenheit bei der Trauerfeier wirft weitere Fragen auf.

Zu viele einzelne Handlungen

In seinem Roman greift Peter Probst das Verschwinden von drei Kindern im Alter zwischen acht und zehn Jahren in den sechziger Jahren in Pirmasens auf. Rund um diese nie aufgeklärten Fälle konstruiert er eine fiktionale Erzählung, die auch ein Stück Stadtgeschichte Pirmasens beinhaltet. Durch den Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart werden die unterschiedlichen gesellschaftlichen Werte und Ansichten hervorgehoben. Die aktuelle Entführung eines Teenagers verdeutlicht zudem die Arbeitsweise der Kriminalisten von heute im Vergleich zu den sechziger Jahren. Dazu zieht sich die angedeutete grosse Bürde, die Erwin Papin sein Leben lang getragen hat, wie ein roter Faden durch die Erzählung.

Obwohl das Aufrollen der alten Fälle spannend ist, verbinden sich die vielen Handlungsstränge nicht vollständig zu einem Ganzen. Es sind einfach zu viele Themen. Da sind die echten Cold Cases aus den Sechzigern, die unterschiedlichen Arbeitsweisen der Ermittler, die gesellschaftlichen Strukturen, Tonis private Geschichte und schliesslich die gegenwärtige Entführung eines Teenagers. Ausserdem erscheint das Verhalten der Protagonistin teilweise naiv und eigenmächtig. Von einer Journalistin würde man ein etwas ausgefeilteres Gespür für Menschen und Situationen erwarten. Auch ihr Handeln auf eigene Faust will nicht so recht zur Figur passen. Das macht es schwer, sie sympathisch zu finden. Trotz dieser Einwände ist der Roman interessant und streckenweise spannend, wenngleich die wahren Cold Cases bis heute ungelöst sind, was ein Gefühl der Leere hinterlässt.

Fazit

Dass es wichtig ist, diese Fälle wieder ins Gedächtnis zu rufen, ist unbestritten. Diesem Anliegen wird Peter Probst in diesem Roman auf jeden Fall gerecht. Dank seiner intensiven Recherchen wird die Atmosphäre rund um die wahren Ereignisse sehr realistisch dargestellt. Schade ist nur, dass die Hauptfigur der Geschichte einen eher schwachen Eindruck hinterlässt. Abgesehen von den teils vorhersehbaren Wendungen ist die Lektüre gut lesbar und auch unterhaltsam, auch wenn es kein hochspannender Thriller ist.

Am helllichten Tag

Peter Probst, Heyne

Am helllichten Tag

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