Es ist noch nicht vorbei
- Piper
- Erschienen: Oktober 2025
- 0


Wenn Vergangenheit zur Gegenwart wird.
Die ehemalige Detective Inspector Julia Harte hat den perfekten Ort gefunden, um zu verschwinden und ihr altes Leben hinter sich zu lassen. In dem kleinen, abgeschiedenen Dorf Cuan Beag an der Ostküste Irlands versucht die 60-jährige ehemalige Ermittlerin zu vergessen und ihre Ängste zu besiegen. Sie braucht die Einsamkeit ihrer Existenz, sie ist ihr Buße. Noch heute verfolgen sie in der Dunkelheit die Erinnerungen an einen 30 Jahre zurückliegenden Fall. Vor allem plagen sie nach der Zeit immer noch Schuldgefühle, den von einem brutalen Killer getöteten jungen Frauen seiner Zeit nicht geholfen zu haben.
Als Harte durch die Nachrichten erfährt, dass der damalige Täter im Gefängnis verstorben ist, hofft Julia, endlich mit diesem Kapitel abschließen zu können. Doch dann verschwinden erneut junge Frauen und werden auf dieselbe Weise wie damals getötet und zur Schau gestellt. Julia kehrt zusammen mit ihrem ehemaligen Vorgesetzen, Chief Superintendent Des Riordan, aus dem Ruhestand zurück, um die Ermittlungen zu unterstützen. Doch die einzige Verbindung zwischen den alten und neuen Fällen scheint Julia zu sein. Will der Mörder sich an ihr rächen? Harte und Riordan müssen sich beeilen, denn der Täter hat sein nächstes Opfer bereits ausgewählt.
Thrillerdebüt
Die irische Thrillerautorin Amy Jordan arbeitete einige Jahre als Dozentin an der Munster Technological University in Cork. Anschließend war sie im öffentlichen Dienst tätig, bevor sie ihrer Leidenschaft für das Schreiben von Kriminalromanen nachging. ,,Es ist noch nicht vorbei'' ist ihr Debütroman und wurde von der irischen Presse gefeiert. Der Roman erscheint nun hierzulande im Piper Verlag.
Traumatisierte Ermittlerin
Auch wenn der Plot des Romans nicht neu ist, besitzt es sicherlich seinen Reiz, wenn eine ehemalige Ermittlerin in ihrem aus mehrerlei Hinsicht persönlichsten Fall wieder tätig wird. Allerdings stellt sich bereits hier die Frage, warum eine pensionierte Polizistin überhaupt als Beraterin hinzugezogen wird, zumal Harte endlich mit ihrer Vergangenheit abschließen wollte und der damalige Mörder, der ohne jeden Zweifel als Täter feststeht, verstorben ist. Der Fall vor 30 Jahren, bei der Harte als junge Polizistin von Anfang an auf tragische Weise involviert war, hat nicht nur Spuren hinterlassen, sondern sie schwer traumatisiert. Es ist offensichtlich, dass es sich bei den neuen Mordfällen um einen Nachahmungstäter handeln muss. Aber scheinbar ist eine traumatisierte und persönlich involvierte ehemalige Ermittlerin zusammen mit ihrem damaligen Chef notwendig, um den Fall zu lösen.
Wer ist hier der Chef?
Amy Jordan erzählt ihren Roman auf zwei Zeitebenen: 1994, als die Mordserie begann und der Täter gefasst wurde, und 2024, als es erneut zu vergleichbaren Fällen kommt. Die Darstellung dieser zwei Parallelhandlungen ist durchaus gelungen, verknüpft Jordan beide doch clever miteinander und deckt nach und nach interessante Details auf. Allerdings wird das nervige Alphatiergehabe zwischen Harte und dem aktuellen Ermittler DS Neil Armstrong (unter anderem wiederholt Harte in Dauerschleife ihre Bitte, mit Vornamen angesprochen zu werden, was Armstrong stets ablehnt) nur noch dadurch getoppt, dass keiner der Ermittler - weder damals noch heute - das Offensichtliche erkennen will und sie beharrlich alles ignorieren, was die Polizei unmittelbar auf die Spur des Täters bringen könnte. Das Ende mag zwar überraschen, aber nicht, weil es nicht vorhersehbar gewesen wäre, sondern weil es dem ganzen Roman nur die Krone der Absurdität aufsetzt.
Fazit
Der Roman beginnt durchaus vielversprechend und auch der Plot lädt zum Lesen ein. Leider weist der Thriller aber zu viele inhaltliche Schwächen bei der Ermittlungsarbeit auf. Als Leser ist man den Ermittlern oft unfreiwillig voraus, was den Gesamteindruck deutlich schmälert. Auch sind Harte und Riordan nicht unbedingt Protagonisten, mit denen man mitfiebert. Insgesamt gelingt Amy Jordan ein durchschnittliches Thrillerdebüt - mehr leider nicht.

Amy Jordan, Piper

Deine Meinung zu »Es ist noch nicht vorbei«
Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!