Der Tag, an dem Barbara starb: Ein Fall für Margaret Winterbottom und ihren Enkel
- dtv
- Erschienen: November 2025
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Ernstes Thema, das im Cosy-Krimi nicht funktioniert.
Das blaue Licht der Polizeiwagen flackert an der Schlafzimmerdecke, als die 89-jährige Margaret Winterbottom mitten in der Nacht erwacht. Ausgerechnet vor dem Haus Barbaras, ihrer besten Freundin, hat die Polizei alles abgesperrt. Seit nunmehr 60 Jahren lebt die ältere Dame in dem kleinen nordenglischen Dorf Garnon Crescent und noch nie gab es einen Fall, bei dem man einen Gesetzeshüter gebraucht hätte. Am nächsten Morgen haben Margaret und ihre Familie Gewissheit: Barbara wurde in ihrer Küche erwürgt.
Als die Polizei auch nach Wochen nicht vorankommt, entscheidet Margaret, die Dinge selbst in die Hand zu nehmen. Doch da gibt es ein Problem: Ihr Gedächtnis lässt sie zunehmend im Stich. Gut, dass es ihren cleveren Enkel James gibt. Der 15-jährige Teenager hilft nicht nur ihrem Gedächtnis immer wieder auf die Sprünge, sondern ist durch zahlreiche Fernsehserien in Sachen Ermittlungsarbeit geschult. Und einen Gedanken wird die resolute Margaret nicht los: Barbara vertraute ihr kurz vor ihrem Tod etwas sehr Wichtiges an. Wenn sie sich nur erinnern könnte …
Debütroman
Autor Richard Hooton studierte Anglistik an der Universität Wolverhampton, bevor er als Journalist und Kommunikationsbeauftragter tätig wurde. Für seine Kurzgeschichten hat er schon zahlreiche Preise erhalten, zudem stand er auf der Shortlist für den Bridport Prize und den Cambridge Prize. Sein Debütroman ,,Der Tag, an dem Barbara starb'' ist von der Beziehung zu seiner eigenen Großmutter inspiriert, die an Alzheimer starb, als Richard ein Teenager war.
Was darf ein Cosy?
Darf man einen Cosy-Krimi über eine zunehmende demente ältere Dame schreiben? Diese Frage muss man sich bei der Lektüre des Romans zwangsweise stellen. Sicherlich hat die originelle Grundidee ihren Reiz, wenn die Protagonistin eigentlich die Lösung des Rätsels um den Tod ihrer besten Freundin kennt, sich aber nicht daran zu erinnern vermag. Ich kann mir als neutraler Leser nicht anmaßen zu bewerten, ob die Darstellung Margarets und ihrer deutlich zu Tage tretenden Erinnerungslücken, die sie selbst ,,Seniorenmomente'' nennt, authentisch sind. Einfühlsam wirken die Schilderungen allemal, wenn Autor Richard Hooton aus der Sicht seiner Hauptfigur erzählt. Auch wenn Margaret immer wieder mit ihrem geliebten, aber verstorbenen Mann Albert spricht, lässt einen dies als Leser sicherlich nicht kalt. Hier hat der Roman auch seine Stärken. Aber das ernste Thema Alzheimer will in einem Wohlfühlkrimi nicht so recht passen, zumal Margaret weit mehr als nur zerstreut und etwas vergesslich ist.
Schwache Krimihandlung
Was allerdings deutlich negativ auffällt, ist der zusammengeschusterte Plot. Margaret, die zusammen mit ihrem Enkel James á la Miss Marple ermittelt, erscheint mit der Situation vollkommen überfordert und wirkt dadurch selbst für einen Cosy-Krimi wenig authentisch. Hinweise auf den Täter verteilt Hooton derart großzügig, dass man sowohl die Ermittlungsarbeit der Polizei wie auch sein Talent als Krimischreiber in Frage stellen muss. Hooton wirkt mitunter so überfordert wie Margarets Tochter Shirley, die es nicht für notwendig hält, ihre Mutter zu sich zu holen, obwohl diese den Weg nach Hause vom Einkaufen nicht mehr findet und teilweise im Nachthemd das Haus verlässt.
Oma und Enkel
Die Kombination Großmutter - Enkel ist bis zu einem gewissen Grad unterhaltsam, nimmt James doch seine Oma als einziger wirklich ernst. Gleichzeitig legt Hooton dem Teenager immer wieder Ideen in den Mund, wie man dem Gedächtnis Margarets wieder auf die Sprünge helfen kann, die sehr aufgesetzt wirken. Allein die Figur der resoluten, aber hilfsbedürftigen Margaret weiß stellenweise zu überzeugen. Besonders ihre Hilflosigkeit, ihr Selbstzweifel und die ständige Frage, was Realität und was Einbildung ist, lassen erahnen, wie schwer das Leben mit Alzheimer wirklich ist.
Fazit
Richard Hooton gelingt es immer wieder mit einem leisen, bewegenden Erzählton die Gedanken und Gefühle Margarets darzustellen. Die Idee, dies mit einem Cosy-Krimi zu verknüpfen, scheitert aber. Dies liegt auch am einfachen, vorhersehbaren Plot und der schwachen Erzählweise. Ein Cosy-Krimi der besonderen Art, der aber nicht zu überzeugen weiß.

Richard Hooton, dtv

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