Das Riga-Komplott

  • Suhrkamp
  • Erschienen: Februar 2026
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Thomas Gisbertz
82°1001

Krimi-Couch Rezension vonMär 2026

Moderner Agententhriller vor aktuellem Hintergrund.

Riga, August 2021: Als Führungsoffizier bei der CIA-Abteilung für verdeckte Operationen unter dem Deckmantel eines Medien-Investors ist es Ari Falks Aufgabe, nachrichtendienstliche Operationen zu führen, potenzielle einheimische Agenten zu identifizieren, Verbindung mit ihnen aufzunehmen und sie „nutzbar“ zu machen, um unter anderem auf Russland zielende Gegenpropaganda zu verbreiten. Als Falk versucht, den angeworbenen bekannten russlandkritischen Blogger Anton Basmanny über die Türkei nach Lettland auszufliegen, wird dieser in Minsk festgenommen. Wenig später stirbt er sogar durch einen Giftanschlag. Kurz danach wird auch Falks CIA-Station in Riga angegriffen. Während seine Kollegen sterben, kann er selbst in letzter Sekunde fliehen.

In Los Angeles erfährt die dreiundzwanzigjährige Maya Chou Obrandt, Tochter eines russisch-amerikanischen Multimilliardärs, vom Selbstmord ihres Vaters. In seinem Testament hinterlässt er ihr ein kleines Haus an der portugiesischen Küste. Sein Vermögen scheint aber spurlos verschwunden, die Konten sind leergeräumt, Investoren wurden hintergangen. Maya kann nicht an den Selbstmord ihres Vaters glauben und macht sich auf die Suche nach ihm. Eine Spur führt die junge Frau nach Marokko, wo sie nicht nur ins Visier eines Killers gerät, sondern auch auf Falk trifft, der ihr das Leben rettet. Gemeinsam machen Maya und Ari Jagd auf die Hintermänner. Dabei geraten sie in einen Strudel aus Geld, Gier und Macht. Um die Wahrheit zu erfahren, müssen sie ihr Leben erneut aufs Spiel setzen.

Auftakt der Cormorant-Trilogie 

Michael Idov ist Romanautor, Regisseur und Drehbuchautor. Der in Lettland geborene Amerikaner wuchs in Riga unter sowjetischer Besatzung auf und zog nach seinem Abschluss an der University of Michigan nach New York. Idovs literarisches Debüt, der satirische Roman „Ground Up“ (2009), verkaufte sich weltweit über 100.000-mal und wurde von HBO für eine Serie optioniert. Von 2012 bis 2014 war er Chefredakteur von GQ Russland – eine Erfahrung, die die Grundlage für seine 2018 erschienenen Memoiren „Dressed Up for a Riot: Misadventures in Putin's Moscow“ bildete. Auch in seinem aktuellen Thriller spart er nicht mit kritischen Anmerkungen zu Russland (u.a. „Es gab keinen roten Koloss mehr als Gegenpart, nur eine zweitklassige Kleptokratie, die von vergangenem Ruhm und kleinlichem Groll lebte“). 

Neben dem nun im Suhrkamp Verlag erscheinenden ersten Band seiner Spionage-Trilogie, „Das Riga-Komplott“, und der bereits im Januar in den USA veröffentlichten Fortsetzung „The Cormorant Hunt“ wirkte Idov an zahlreichen Film- und Fernsehprojekten mit, darunter „Londongrad“, „Deutschland 83“, „Leto“ und sein Regiedebüt „The Humorist“ (2019). Mit seiner Frau und Drehbuchpartnerin Lily lebt Idov abwechselnd in Los Angeles, Berlin und Portugal.

Klassik trifft auf Moderne

Im Mittelpunkt des Thrillers steht der desillusionierter CIA Agent Ari Falk, der nach dem Tod seines wichtigsten Informanten sowie seiner beiden Mitarbeiter in Riga in eine berufliche und besonders moralische Krise stürzt. Die zweite Hauptfigur ist die junge Maya Chou Obrandt, eine impulsive, privilegierte Erbin aus Los Angeles, die nach dem Verschwinden ihres Vaters aufgrund ihrer Suche nach der Wahrheit in eine globale Verschwörung hineingezogen wird. Es erinnert etwas an James Bond, wenn die naive Maya und der Agent während ihrer gemeinsamen Ermittlungen, die sie quer durch Europa und Afrika nach Russland führen, auch noch eine leidenschaftliche Affäre beginnen. Ganz abgesehen davon, dass Ari Falk ebenso immun gegen Kugeln zu sein scheint. 

Auch wenn sich an diesem Duo mancher Liebhaber von Spionagethrillern vielleicht etwas stoßen dürfte, funktioniert die Mischung aus Geheimdienststory und modernen Figuren ausgesprochen gut. Michael Idov ist weit davon entfernt, eine banale Agentengeschichte zu erzählen. „Das Riga-Komplott“ ist ein moderner, intelligenter und aktueller Spionagethriller, der klassische Genreelemente mit der politischen Gegenwart verbindet. Besonders die genaue, durchaus komplexe Analyse postsowjetischer Machtstrukturen und des russischen Selbstverständnisses wissen zu überzeugen – auch wenn die Darstellung dessen einiges Wissen und Interesse diesbezüglich voraussetzt.

Sparkling writing

Zu gefallen weiß neben dem Plot auch Idovs Erzwählweise, eine Mischung aus Humor, knallharter Realität und politisch-sozialer Analyse. Letzteres baut er geschickt in die für einen Spionagethriller doch recht ungewöhnlich zahlreichen Dialoge ein, die aber überwiegend erfreulich pointiert und kurzweilig sind. Die schnellen Szenenwechsel und die cleveren Verknüpfungen der Handlungsstränge sorgen insgesamt für genügend Tempo. Hier steht literarischer Anspruch statt brutale Gewaltexzesse im Vordergrund der mitreißenden Story. Idov entstaubt den klassischen Spionagethriller und haucht ihm neues Leben ein.

Fazit

Ein eleganter Sprachstil und eine ausgezeichnete politische Expertise zeichnen den Auftakt der Cormorant-Trilogie des US-amerikanischen Autors Michael Idov aus. Ihm gelingt ein anspruchsvoller, hochaktueller Thriller mit einer komplexen Figurendarstellung und starken, auf den Punkt gebrachten Dialogen. So funktionieren moderne Spionagerthriller.

Das Riga-Komplott

Michael Idov, Suhrkamp

Das Riga-Komplott

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