Die Victoria Verschwörung

  • Kiepenheuer & Witsch
  • Erschienen: Mai 2025
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Carola Krauße-Reim
75°1001

Krimi-Couch Rezension vonSep 2025

Spannende Fortsetzung der Reihe.

Andreas Storm (* 1964) ist Werbefachmann für die Weinbranche. Da ist es nicht verwunderlich, dass seine beiden Protagonisten bekennende Weinliebhaber sind. Dr. Lennard Lomberg und Sir Peter Barrington wurden von ihm in „Das neunte Gemälde“ zum ersten Mal auf die Spuren von Verbrechern geschickt. Lomberg ist Kunsthistoriker und Fachmann für Beutekunst, Barrington Chef einer Londoner Kunstversicherung. Das zeigt schon, dass man mit einer Verbindung von krimineller Handlung und dem Kunstbetrieb rechnen muss. Diese Mischung hat Storm bis jetzt in zwei Romanen spannend umgesetzt und auch der Dritte dieser Serie reiht sich da passend ein.

Queen Victoria, der Duke of Windsor und die Deutschen

Während des ersten Deutschlandbesuches von Queen Elizabeth II nach dem Zweiten Weltkrieg restituierte die deutsche Regierung ein Gemälde ihrer Vorgängerin Queen Victoria. Das gehörte ehemals dem Duke of Windsor, bevor es im Zweiten Weltkrieg spurlos verschwand. Queen Elizabeth scheint großen Gefallen an dem Bild gefunden zu haben, denn es hing seit der Restitution in ihren Privatgemächern. Doch jetzt stellt sich die peinliche Frage, ob es vielleicht gar nicht das Original, sondern eine gute Fälschung ist. Der Generaldirektor des Royal Collection Trust ersucht die Hilfe von Dr. Lomberg als Experten für Beutekunst. Was dieser herausfindet könnte nicht nur die Queen betreffen, sondern auch das britisch-deutsche Verhältnis beeinträchtigen.

Spannung auf drei Zeitebenen

Andreas Storm hat es wieder einmal geschafft, äußerst spannend die Vergangenheit mit der Gegenwart zu verknüpfen. Er siedelt seine Geschichte 1940 während der Okkupation von Paris, dem Deutschlandbesuch der Queen 1965 und dem Jahr 2016 an, in dem das Problem mit dem Gemälde auftritt. Jede Zeitebene offenbart neue Erkenntnisse und so langsam wird klar, dass es ein massives Problem gibt. Dabei wird aber die menschliche Ebene nicht vernachlässigt und das Verhältnis von Lomberg zu seiner Freundin Sina Röhm und zu Barrinton beleuchtet. Auch andere Schicksale spielen eine Rolle und so wird es garantiert nicht langweilig. Jedoch sollte man schon etwas Grundwissen über die Nachkriegsgeschichte mitbringen, denn politisch wird es natürlich auch.

Verwirrung zum Schluss

Während die Verstrickungen und Rätsel rund um das Gemälde langsam aufgedröselt werden, kommt der Schluss sehr plötzlich und sehr komplex. Auf wenigen Seiten „haut“ uns der Autor die Lösung regelrecht um die Ohren. Die ist bei Weitem nicht simpel und eindimensional, sondern spielt sich auf mehreren Ebenen ab und kann damit ganz schön verwirrend sein. Doch dieser kleine Makel reiht sich hinter teilweise doch sehr unrealistischen Umständen in der Geschichte ein. Die tragen zwar zur Lösung bei, aber erscheinen doch etwas zu konstruiert. Damit man aber keine Probleme mit den Figuren bekommt, gibt der Autor im Anhang ein „Figurenverzeichnis“ mit. Und Handelnde gibt es wahrlich genug.

Vom Schulschwänzer bis zur Königin

Storm lässt neben zahlreichen historischen Figuren auch ebenso viele fiktive auftreten. Und alle sind durchdacht und glaubwürdig – sieht man von den schon erwähnten unrealistischen Umständen einmal ab. Da ist allen voran Lomberg, der distinguiert und ruhig daherkommt; gefolgt von Sir Peter, der im Moment Probleme auf seinem französischen Weingut hat. Beide könnte man sich so in der Kunstszene vorstellen. Auch alle Nebenfiguren sind sehr realistisch dargestellt. Die Bösen sind böse mit Momenten von Gefühlswandlungen und die Queen ist dauerlächelnd und winkend. Die gute Figurenzeichnung lässt vor allem Einblicke in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu, als die junge Bundesrepublik Deutschland noch auf tönernen Füßen stand und nicht immer die Abgrenzung zur NS-Diktatur schaffte.

Fazit

Spannende Fortsetzung der Reihe um Lomberg und Barrington. Kleine Mängel und ein anspruchsvoller Schluss verzeiht man da gerne. Für Kunst- und Geschichtsinteressierte genau das Richtige!

Die Victoria Verschwörung

Andreas Storm, Kiepenheuer & Witsch

Die Victoria Verschwörung

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