Manche Schuld vergeht nie
- Tropen
- Erschienen: Oktober 2025
- 4


Fantasy meets Krimi.
Elly Griffiths ist das Pseudonym der englischen Schriftstellerin Domenica de Rosa. Vor allem ihre Reihe rund um die Archäologin Ruth Galloway dürfte sie in Deutschland bekannt gemacht haben. Jetzt führt Griffiths eine neue Protagonistin ein, deren Arbeit viel Spannung verspricht.
Ein Mörder wird gesucht
Alison Dawson arbeitet bei einer ganz speziellen Einheit der Londoner Polizei: Ihre Mitglieder reisen in die Vergangenheit um Morden auf den Grund zu gehen, die bis heute nicht aufgeklärt wurden. Dieses Mal muss Ali, auf Bitten des Justizministers, zurück in das viktorianische London. Templeton will Premierminister werden und braucht dafür eine weiße Weste. Ali soll den Ruf seines Ururgroßvaters retten, der einem Geheimbund angehört haben soll, dessen Initiationsritus der Mord an einer jungen Frau war. Doch die Zeitreise geht nicht gut – Ali steckt im London von 1850 fest und in der Gegenwart passiert ein Mord, der ihre Familie bedroht.
Schwache Umsetzung einer guten Idee
Zugegeben, als Krimifan muss man sich mit der Zeitreise schon auf eine Portion Fantasy einlassen, aber das macht die Geschichte zu etwas anderem als das Gewohnte. Der Beginn ist durchaus spannend, obwohl man sich schon hier fragt, warum ein längst verstorbener Ururgroßvater den Ambitionen des Justizministers heute noch im Weg stehen sollen. Doch kaum im viktorianischen London angekommen, wird es ziemlich absurd. Zwar lernt man viel über das Leben mit Gaslaternen, angepriesenen Schweinefüßen, Nachttöpfen und über noble und verruchte Viertel, doch verliert sich die Geschichte etwas darin. Und dann nimmt die Fantasy überhand und der Krimi kommt endgültig ins Hintertreffen. Genauso in der Gegenwart, in der Alis Sohn des Mordes verdächtigt und festgenommen wird, obwohl kaum etwas gegen ihn spricht. Diese Unlogik wird zwar durch den immer wieder aufblitzenden Humor etwas weniger schlimm wahrgenommen, doch sie ist da und macht das Buch nicht gerade zu einem Highlight. Dazu kommt, dass der Schluss nur wenig Lösung bietet und genug Mysterien übrigbleiben, damit die Reihe fortgesetzt werden kann.
Die Figurenzeichnung passt
Sehrgut gelungen ist dagegen die Figurenzeichnung. Allen voran Ali, die schon so einiges in ihrem Leben bewältigen musste. Als junge alleinerziehende Mutter hält sie sich und ihren Sohn mit Putzjobs über Wasser, bevor sie studiert, zur Polizei kommt und nebenher einige Ehemänner verschleißt. Das ist doch mal eine Powerfrau, auf welche die Krimiwelt gewartet hat! Gut getroffen sind auch Alis Kollegen im Spezialteam. Jeder und Jede hat so ihre ganz eigene Art und Macke, was sie zu sympathischen Unikaten macht. Bleibt Alis Sohn, der so ganz anders ist als seine Mutter und dennoch sind die beiden ein Duo, das so leicht nichts auseinanderbringt.
Fazit
Der Einstieg in eine neue Reihe, die Krimi mit Fantasy verbindet. Ganz gelungen ist der Auftakt zwar nicht, doch die Figuren reißen so einiges raus. Übrig bleiben ein loses Ende, eine Powerfrau und die Hoffnung, dass der zweite Band etwas mehr spannender Krimi und etwas weniger familiäre Problembewältigung wird.

Elly Griffiths, Tropen

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