Der Tote am Fluss
- Atlantik
- Erschienen: Juni 2025
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Es hätte so spannend sein können.
Schon das Pseudonym „Giulia Conti“ zeigt das Faible der Autorin für Italien. Die Reisejournalistin lebt zudem am Lago d‘Orta im Piemont. Dort lässt sie auch Simon Strasser ermitteln, der als Polizeireporter arbeitet. Nach der Piemont-Serie mit mittlerweile drei Büchern, hat Conti nun eine neue Serie begonnen. Psychologin Camilla di Salvo geht hier in Turin mysteriösen Vorkommnissen auf den Grund. Nach „Die Frau in Rot“ ist „Der Tote am Fluss“ der zweite Band dieser Reihe.
Camilla hat eigentlich Urlaub
Am Ufer des Po wird eine Leiche entdeckt. Eigentlich hat Psychologin Camilla di Salvo sich auf Eis, Prosecco und einen ruhigen Urlaub im heißen Juli gefreut. Doch nun muss sie sich um die Frau kümmern, die neben dem Toten in einem völlig verstörten Zustand gefunden wurde. Und wieder ist Camilla mitten drin in einem Kriminalfall. Der entpuppt sich als schwierig, besonders, da sie, anders als die Polizei, von der Unschuld der jungen Frau überzeugt ist. Mit ihren Recherchen bringt sich Camilla unversehens in große Gefahr.
Infodump und Bandwurmsätze
Man kann ohne Vorkenntnisse des ersten Bandes in die Serie einsteigen. Doch ob man ihr die Treue halten wird, ist fraglich. Giulia Conti setzt so ziemlich alles in den Sand, was auch nur möglich ist. Die teilweise ewig langen Bandwurmsätze sind da nur der Anfang. Selbst wenn man wohlwollend über den nicht gerade angenehmen Stil hinwegsieht, wird man mit einem Infodump versorgt, den man wirklich nicht braucht. Egal ob es sich um z.B. Turin und Umgebung oder die Pflege von Problem-Wölfen in einem Gehege handelt - danach kann man sich ohne Karte in der Stadt zurechtfinden und anstandslos einen hungrigen Wolf in den Schlaf singen. Die Spannung leidet dadurch nicht nur, sie kommt gar nicht erst auf. Wenn dann auch noch Camillas Suche nach ihrer lang verschwundenen Mutter in ein paar Sätze abgefrühstückt wird, muss man sich fast schon zwingen weiter zu lesen.
Figurenzeichnung ist fehlgeschlagen
Um das Kopfkino in Gang zu setzen, braucht es u.a. eine gute Beschreibung der Handelnden. Das beginnt bei deren Äußerem und endet mit ihrer Gedanken- und Gefühlswelt. Beides ist in dem Krimi kaum vorhanden. Die Figuren erscheinen mir völlig unausgereift. Sich Camilla vorzustellen, fällt daher schwer. Was sie denkt und fühlt, bleibt ebenfalls fast im Dunkeln. Bei den anderen Handelnden ist das leider nicht viel anders. Da fällt es schwer, am Ball zu bleiben und das Buch nicht gleich wieder aufzugeben. Die Wertung ist nur deshalb nicht unter 40° gesunken, weil Giulia Conti mit Sicherheit Herzblut in den Krimi gesteckt hat und man das auch dann honorieren sollte, wenn das Ergebnis nicht preisverdächtig ist.
Fazit
Ein Krimi, den man lesen kann, dann aber mit Abstrichen rechnen sollte. Es gibt mit Sicherheit spannendere und stilistisch ausgefeiltere Krimis, deren Lektüre mehr lohnt und Freude bereitet.

Giulia Conti, Atlantik

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