Der Bildersammler

  • Heyne
  • Erschienen: September 2025
  • 4
Wertung wird geladen
Thomas Gisbertz
80°1001

Krimi-Couch Rezension vonSep 2025

Art meets suspense.

Nach einem langen Arbeitstag in ihrem Atelier drängt es die Kunsthistorikerin und Restauratorin Tessa von Linden in die Natur. Von ihrem Haus ist es nicht weit bis in den sagenumwobenen Flüsterwald. Ihr Abendspaziergang führt sie wie immer zu der alten Votivkapelle. Doch irgendwie beschleicht Tessa auf dem Weg durch den dunklen Wald das Gefühl, dass etwas anders ist als sonst. Und sie soll recht behalten. Das Tor der Kapelle steht offen und im Inneren findet sie einen schaurig zur Schau gestellten Leichnam. Der Tote trägt die Wundmale des Heiligen Sebastian. Der Mann wurde regelrecht hingerichtet. Und noch etwas ist seltsam: Der Anblick des Toten kommt Tessa seltsam bekannt vor.

Auch der ermittelnde Kriminalhauptkommissar Lennart Wiedmeyer der Kripo Gießen erkennt schnell, dass dieser Fall anders ist als alles, was er bisher erlebt hat – und dass er mit Tessa eine Expertin an seiner Seite braucht. Denn als es ein weiteres rätselhaft zur Schau gestelltes Opfer gibt, wird deutlich, dass der perverse Mörder es darauf anlegt, bekannte Gemälde neu zu inszenieren, indem er den Todeskampf seiner Opfer auf Fotografien festhält.

Doch während Tessa und Hauptkommissar Wiedmeyer sich in mühevoller Detailarbeit langsam dem Täter nähern, hat dieser bereits sein nächstes Opfer im Auge: Denn sein Meisterwerk ist noch lange nicht vollendet ...

Bekannte Autorin

Autorin Liliane Skalecki ist keine Unbekannte in der deutsche Krimiszene. Seit Jahren verfasst sie unter den Pseudonymen Liliane Fontaine, ihrem Geburtsnamen, und Lili Andersen zahlreiche Kriminalromane. Ob ihre Bodensee-Reihe rund um Kommissar Hölzl, die sie zusammen mit ihrer Kollegin Biggi Rist schrieb, ihre Südfrankreich-Krimis mit der Richterin Mathilde de Boncourt oder zuletzt ihre humorvollen Nordsee-Krimis, bei denen die Hobbydetektivin und Sterneköchin Louise Dumas im Mittelpunkt steht: Skalecki weiß mit ihrem Romanen seit über zehn Jahren Leser unterschiedlicher kriminalistischer Vorlieben zu begeistern.

Nach einer Banklehre studierte Skalecki Kunstgeschichte, Klassische und Vorderasiatische Archäologie an der Universität des Saarlandes. Nun verbindet die Kunsthistorikerin und Archäologin ihre beiden Leidenschaften: die Liebe zur Kunst und zur Literatur. Man spürt mit jeder Seite des Romans nicht nur, dass Skalecki für ihre Idee brennt, sondern dass sie eine absolute Fachfrau ist: als Kunsthistorikerin, aber ebenso als Krimiautorin. Heraus kommt ein Roman, der gleich auf mehreren Ebenen zu überzeugen weiß: bei der Figurendarstellung, der Erzählweise und dem Plot. Nur der etwas reißerische Titel will da nicht ganz passen.

Kunstvolle Mörderjagd

Der aktuelle Thriller Liliane Skaleckis dürfte nicht nur Kunstliebhabern gefallen, denn der Roman besitzt einen überaus spannenden und kurzweiligen Plot. Das liegt vor allem daran, dass die Autorin den beiden Protagonisten, der Kunsthistorikerin und Restauratorin Tessa von Linden und dem Hauptkommissar Lennart Wiedmeyer, so gut wie kein Privatleben zugesteht. Alles dreht sich stets um den rätselhaften Fall des „Kunstmörders“. Dies verleiht dem Roman sehr viel Tempo, wodurch Skalecki die Spannung konstant hochhält. Auch die häufigen Wechsel der Erzählperspektive tragen dazu bei, dass man das Buch wirklich nur schwer aus den Händen legen mag. Nicht zuletzt erhält man dadurch einen erweiterten Blick auf die Taten des Mörders, der trotzdem lange vollkommen unbehelligt seiner „Arbeit“ nachgehen kann.

„Mörder im Kunstmilieu“ ist sicherlich kein neues Thema für einen Thriller. Dennoch besitzt das Vorgehen des Mörders und die Schilderung seiner Taten in Skaleckis Roman etwas Faszinierendes. Zumal es die Autorin versteht, trotz aller Darstellungen und Erläuterungen zu Malern, Gemälden und Hintergründen des Kunstbetriebs niemals in einen allzu kunsthistorischen oder gar belehrenden Erzählduktus zu verfallen. Ganz im Gegenteil: Leser des Thrillers werden sich dabei ertappen, wie sie die dargestellten Motive, Gemälde und Zeichnungen ebenso wie die thematisierten Heiligen im Internet recherchieren. Dies sorgt für zusätzlichen Lesegenuss. Darüber hinaus erfährt man en passant dank der Expertise der Autorin einiges über die Arbeit einer Kunsthistorikerin und Restauratorin, bei der der häufige und ausgiebige Genuss von Kaffee wohl eine elementare Säule darstellt. Zumindest gilt dies für Tessa.

Fazit

Liliane Skalecki gelingt mit „Der Bildersammler“ ein starker Thriller, der den Leser von Beginn an in seinen Bann zieht. Auch wenn die Figur des Täters vielleicht psychologisch etwas genauer hätte dargestellt werden können, überzeugt der Roman mit einem ausgezeichneten Plot und einer gelungenen Figurendarstellung. Skalecki beweist ein feines Gespür für Spannung, das durch einen wunderbaren Erzählstil zum Ausdruck kommt. Selten wird man bei einer Mörderjagd so gut unterhalten. Tessa von Linden und Lennart Wiedmeyer dürfen gerne in Serie gehen.

Der Bildersammler

Liliane Skalecki, Heyne

Der Bildersammler

Ähnliche Bücher:

Deine Meinung zu »Der Bildersammler«

Wir freuen uns auf Deine Meinungen. Ein fairer und respektvoller Umgang sollte selbstverständlich sein. Bitte Spoiler zum Inhalt vermeiden oder zumindest als solche deutlich in Deinem Kommentar kennzeichnen. Vielen Dank!

Letzte Kommentare:
Loading
Loading
Letzte Kommentare:
Loading
Loading

Dr. Drewnioks
mörderische Schattenseiten

Krimi-Couch Redakteur Dr. Michael Drewniok öffnet sein privates Bücherarchiv, das mittlerweile 11.000 Bände umfasst. Kommen Sie mit auf eine spannende und amüsante kleine Zeitreise, die mit viel nostalgischem Charme, skurrilen und amüsanten Anekdoten aufwartet. Willkommen bei „Dr. Drewnioks mörderische Schattenseiten“.

mehr erfahren