Das Paradies verrät man nicht

  • Hoffmann und Campe
  • Erschienen: Juli 2025
  • 1
Das Paradies verrät man nicht
Das Paradies verrät man nicht
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Monika Wenger
68°1001

Krimi-Couch Rezension vonAug 2025

Auf der Suche nach Sichtbarkeit und Liebe in die Falle getappt.

Wie bereits in ihrem ersten Band entführt Ninni Schulman die LeserInnen ins Schweden der 1980er-Jahre. Im Herbst 1983 werden die beiden Polizisten Benny und Kenneth auf den Hof der Familie Hedström in Sollerön gerufen. Die junge Witwe Lena hat sich mit einer Wäscheleine am Lampenhaken in ihrem Schlafzimmer aufgehängt. Auf den ersten Blick deutet alles auf einen Selbstmord hin. Bei näherer Betrachtung passen jedoch zu viele kleine Details nicht ins Bild. Zudem sind Lenas Eltern überzeugt, dass sich ihre Tochter nicht das Leben genommen haben kann.

Die Polizei ermittelt nicht

Die beiden Polizisten Benny und Kenneth stellen jedoch nichts Ungewöhnliches fest und stimmen ihrem Vorgesetzten zu, der von einem Suizid ausgeht. Sie sehen keinen Grund, eine Untersuchung einzuleiten. Aber Lenas Eltern beharren darauf, dass es sich um Mord handeln muss. Mit Entschiedenheit und Überzeugungskraft können sie Ingrid Wolt, eine ehemalige Polizistin überreden, den Fall zu übernehmen. Nach einer Bedenkzeit willigt Ingrid ein und beginnt Lenas Umfeld zu überprüfen. Falls sie nichts Auffälliges findet, will sie ihre Ermittlungen einstellen.

Ingrid hat ihre Privatdetektei nach den Vorfällen mit ihrem gewalttätigen Ex-Mann Kjell im Grunde genommen eingestellt. Nach einem tätlichen Angriff auf sie, hat er eine Schussverletzung davongetragen und sinnt nun erst recht nach Rache. Ihr ehemaliger Kollege und Freund Benny hat ihr deshalb das Sommerhaus seiner Eltern als Versteck vor Kjell zur Verfügung gestellt. Tief im Wald und an einem See gelegen, ist es Ingrids neuer Rückzugsort. Eigentlich möchte sie sich nicht aus ihrer Deckung wagen, da sie Angst hat, dass Kjell sie erneut finden könnte. Gleichzeitig möchte sie die zaghafte Annäherung an ihre Tochter Anna, die bei Pflegeeltern lebt, nicht gefährden. Doch Lenas Tod und das Verhalten der Familienangehörigen beschäftigen sie. Ingrid findet tatsächlich heraus, dass Lena ein Geheimnis hatte und ihr näheres Umfeld sehr viel mehr weiss, als es zugeben möchte. Die eigentliche Herausforderung besteht jedoch darin, ohne die Unterstützung der Polizei, die nicht ermittelt, an Informationen zu gelangen. Doch die Not macht erfinderisch.

Nicht immer gelingt eine Fortsetzung

Fortsetzungen sind oft eine Herausforderung. In diesem Fall entspricht der zweite Band um die ehemalige Polizistin Ingrid Wolt nicht den Erwartungen. Obwohl Lenas Geschichte tragisch ist und auch so endet, vermag der verbleibende Teil, der sich um Ingrids Ex-Mann und die sich verändernde Freundschaft zu Benny dreht, nicht zu überzeugen. Vieles wirkt vorhersehbar. Auch Kjells Streben nach Rache an Ingrid und sein manipulatives Verhalten wirken überzeichnet. Die Autorin lockert jedoch das Geschehen mit gefühlvollen und atmosphärischen Elementen auf. Dies hat auf jeden Fall einen positiven Einfluss auf die Handlung und die Atmosphäre. Lenas traurige Geschichte ist geprägt von vielen kleinen Fehlentscheidungen, Missverständnissen und fehlender Kommunikation. Ihre Einsamkeit nimmt niemand so richtig wahr. Für alle ist sie die gute und liebe Lena, die zu früh Witwe geworden ist.

Ninni Schulman erzählt die Geschichte aus mehreren Perspektiven. Ihr Schreibstil ist eher ruhig und im Grunde einfach nett. Der Spannungsaufbau entspricht nicht ganz den Erwartungen. Das liegt daran, dass sich Lenas Geschichte in die Länge zieht und vor allem Ingrids Ex-Mann viel mehr Raum einnimmt. Dafür versteht sie es umso besser, die 1980er-Jahre lebendig werden zu lassen. Ohne Smartphone, Internet und Social Media ist die Ermittlungsarbeit deutlich aufwändiger und umständlicher. Die Möglichkeiten, an Informationen zu gelangen, sind begrenzt und die Dienstwege sind zeitintensiver. Diese Aspekte hat Ninni Schulman anschaulich festgehalten.

Fazit

«Das Paradies verrät man nicht» ist unterhaltsam, erreicht aber nicht ganz die Spannung von Band 1. Trotz des gemächlichen Tempos baut sich aber eine subtile Anspannung auf. Und die Atmosphäre der 80er-Jahre ist sehr schön eingefangen. Überraschend ist hingegen die Auflösung. Die Geschichte endet abrupt – mit einem echten Cliffhanger, der neugierig auf den dritten Band macht.

Das Paradies verrät man nicht

Ninni Schulman, Hoffmann und Campe

Das Paradies verrät man nicht

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